Umwelt

Herdeckerin setzt Zeichen fürs gute alte Stofftaschentuch

Brunhilde Conjaerts erinnert an das gute alte, vor allem nachhaltige Stofftaschentuch. Damen benutzten zeitweise Modelle mit handgehäkelter Spitze.

Brunhilde Conjaerts erinnert an das gute alte, vor allem nachhaltige Stofftaschentuch. Damen benutzten zeitweise Modelle mit handgehäkelter Spitze.

Foto: Elisabeth Semme

Herdecke.  Brunhilde Conjaerts (89) kamen Klagen über zu viel Papiertaschentücher im Müll zu Ohren. Nun setzt sie ein Zeichen für das Stofftaschentuch.

Nachhaltigkeit ist ein Schlagwort unserer Zeit. Getrieben von der Sorge um die Endlichkeit natürlicher Ressourcen, fordern Umweltschützer einen verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Naturgütern. Eine kleine Begebenheit weckte kürzlich bei der Herdeckerin Brunhilde Conjaerts Erinnerungen, die all jene aufhorchen lassen könnten, die sich für den Schutz der Umwelt einsetzen.

Drei ihrer Mieter teilen sich einen Mülleimer, so berichtet die 89-Jährige. Letztens habe sich einer bei ihr darüber beklagt, dass ein anderer Mieter die halbe Tonne allein mit gebrauchten Tempos befülle. „Wenn das jeder machen würde“, zeigt die Herdeckerin Verständnis für die Beschwerde. Vor dem Hintergrund wachsender Umweltprobleme habe sie sich dann gefragt, wie es eigentlich früher zuging, als es noch gar keine Papiertaschentücher gab. „Da haben nämlich alle Leute Stofftaschentücher benutzt. Ich mache das heute noch und habe mal ein bisschen in meinen Schränken gesucht. Da habe ich sogar noch viele nagelneue Taschentücher gefunden. Für Damen und Herren gab es übrigens verschiedene Ausführungen für unterschiedliche Anlässe“, erzählt Brunhilde Conjaerts.

Im Alltag hätten Herren einfache karierte Stofftaschentücher genutzt. Die besseren aus feinerem Material und teilweise auch mit gesticktem Monogramm verziert, seien für den Sonntag bestimmt gewesen. „Und dann gab es auch noch ganz weiße Herrentaschentücher. Die wurden zum schwarzen Anzug getragen, entweder zur Hochzeit oder zur Beerdigung. Übrigens trugen Herren auch Einstecktücher in der linken oberen Brusttasche ihres Jacketts; und die gab es meist farblich passend zur Krawatte.“

Mit belgischer Spitze umhäkelt

In vielen Variationen habe es auch die Stofftaschentücher für die Dame gegeben: „Einige feine Tücher kamen aus der Schweiz. Manche trugen nur ein Monogramm, andere waren mit belgischer Spitze verziert oder auch mit selbstgehäkelter. Anhand der Taschentücher konnte man damals erkennen, ob eine Frau aus wohlhabendem Hause kam. Denn die ganz feinen Taschentücher konnten sich einfache Leute gar nicht leisten“, weiß Brunhilde Conjearts. Sie selbst habe Zeit ihres Lebens nur Stofftaschentücher benutzt. „Und auch mein verstorbener Mann Hans hatte in jeder Hosentasche eines“, so die Herdeckerin. Allerdings habe man die schönen Tücher so gut wie nie benutzt – wie ihre Sammlung aus teils noch im Karton verpackten Exemplaren zeigt. „Das lag auch daran, dass die Garderobe noch in Alltags- und Sonntagskleidung aufgeteilt war. Das hat sich ja inzwischen vollkommen geändert bzw. ins Gegenteil verkehrt. Heutzutage laufen die Leute ja eher am Wochenende leger und in Freizeitkleidung herum, um den Ballast der Arbeit abzuwerfen, anstatt sich wie früher schick zu machen.“

Übrigens: Aktuell erleben Stofftaschentücher eben wegen ihres großen Effekts im Umweltschutz und der Müllvermeidung ein Comeback. Auf ein Jahr gerechnet können sie etwa 2000 Papiertaschentücher ersetzen. Wegen ihrer wesentlich längeren Haltbarkeit lässt sich mit ihnen nicht nur Geld, sondern eben auch jede Menge Müll sparen.

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