Interview der Woche

Lichtburg: „Freuen uns wie Bolle, dass es wieder losgeht“

Die Vorbereitungen laufen, damit das Kulturleben in Wetter ab Juni wieder weiter gehen kann: Marcus Boenig muss als Geschäftsführer der Lichtburg auch auf Abstandsregeln im Kino achten und die Bestuhlung anpassen.

Die Vorbereitungen laufen, damit das Kulturleben in Wetter ab Juni wieder weiter gehen kann: Marcus Boenig muss als Geschäftsführer der Lichtburg auch auf Abstandsregeln im Kino achten und die Bestuhlung anpassen.

Foto: Steffen Gerber / WP

Wetter.  Viel Arbeit, auch ohne Veranstaltungen: Lichtburg-Geschäftsführer Marcus Boenig zur Wiederaufnahme des Programms in Wetter ab Juni

Es gibt viele Corona-Verlierer. Kultur-Interessierte gehören sicher dazu. Für die hat Marcus Boenig gute Neuigkeiten. Der Geschäftsführer der Lichtburg in Wetter kann nach der Zwangspause auf den Programmstart im Juni, viele konkrete Pläne in den kommenden Monaten und erledigte Arbeiten in der Zwischenzeit verweisen. Allerdings bleibt das Virus weiterhin ein großes Thema bei den Verantwortlichen des Kulturzentrums.

Es hagelte Veranstaltungsabsagen in den vergangenen Wochen. Wie kann sich die Lichtburg wieder dem zuvor gewohnten Kulturangebot nähern?

Marcus Boenig: Wir starten nach der Corona-Pause mit einem abgespeckten Programm im Juni und zeigen beispielsweise wieder Filme, vorerst aber noch nicht für Kinder. Für das Kino fehlen noch letzte Schutzvorgaben. Wir haben den Saal in der Kaiserstraße 97 aber bereits mit entsprechenden Abständen neu bestuhlt. Es wird nicht den gewohnten Thekenbetrieb geben, zudem müssen wir die Namen der Besucher erfassen und vier Wochen speichern. Beachten müssen wir obendrein den Toilettenzugang, häufiges Desinfizieren und Reinigen zur Hygiene. Auch der Einlass ändert sich angesichts der Distanzregelungen, wir nutzen dafür das alte Kabuff. Trotz der Einschränkungen und geringeren Einnahmeerwartungen überwiegt die Erleichterung, nach dem Shutdown wieder Filme zeigen zu können. Wir freuen uns wie Bolle. Die familiäre Atmosphäre und der Charme dieser Räumlichkeit bleiben ja bestehen.

Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Wir haben renoviert und der Lichtburg ein frisches Gesicht verpasst. In der Kaiserstraße 97 hat das Team die roten Wände grau bzw. anthrazit gestrichen, die Tontechnik verbessert und die Bühne bearbeitet. Im Stadtsaal haben wir in Absprache mit der Stadt die für Sommer geplanten Arbeiten vorgezogen. Dort wurden die Toiletten ausgetauscht, in der zweiten Juni-Woche und damit rechtzeitig vor den bald anstehenden Vorstellungen soll der neue Sanitärbereich mit entsprechenden Corona-Auflagen fertig sein. Wir hatten übrigens viele angenehme Gespräche mit Künstlern bzw. deren Agenturen, was das Verschieben von Auftritten angeht.

Apropos: Gibt es Nachholtermine für abgesagte Veranstaltungen?

Ja, zum Beispiel für die Extraschicht, die bekanntlich am 27. Juni nicht stattfindet. Mit der verpflichteten Band planen wir und die Stadt Wetter ein Autoradio-Konzert am Harkortberg, das wird wohl Ende Juni/Anfang Juli der Fall sein. Corona-bedingt fielen neben dem Kino insgesamt zwölf Veranstaltungen aus, darunter auch Theatervorstellungen. Wann wir die angesetzten sechs Musical-Termine nachholen, ist noch ungewiss. Oft müssen wir im Einzelfall gucken, was sich wie und wann neu realisieren lässt. Das bedeutet: viel telefonieren und flexibel agieren. Wir wollen natürlich auch im Sinne der Kunden Lösungen finden. Diesbezüglich mussten wir wegen erworbener Eintrittskarten ungefähr zehn Mal Geld zurückerstatten. Die meisten haben und hatten aber Verständnis, die baten uns: Teilt uns den Ersatztermin mit, dann kommen wir.

Angesichts der Einschränkungen könnte es ungewohnte Probleme geben. Wie wollen Sie das lösen?

Im Stadtsaal zum Beispiel überlegen wir, aufgrund der geringeren Platzanzahl eine Leinwand im Thekenraum aufzustellen, damit Gäste dort das Geschehen von nebenan verfolgen können. Zudem hoffen wir darauf, dass Firmen und andere im zweiten Halbjahr wieder den Stadtsaal für ihre Zwecke mieten. Es gibt auf unserer Internetseite www.lichtburg-wetter.de übrigens nun einen Kulturshop, über den Interessierte CDs, DVDs und andere Dinge vergangener Produktionen kaufen können.

Wie schlimm trifft die Corona-Krise die Lichtburg?

In der gesamten Kulturbranche fürchten viele um Existenzen, beispielsweise Licht- und Ton-Firmen. Bei uns geht es an die finanziellen Reserven, wobei wir vorher gut gewirtschaftet hatten. Als gemeinnütziger Verein haben wir aber kaum etwas auf die hohe Kante legen können. Zum Glück wurde uns nach dem Antrag im März eine Soforthilfe ausgezahlt, das hilft uns für eine gewisse Zeit. Wir sind für jede Spende dankbar und freuten uns über Mieterleichterungen sowie Sponsorenzusagen. Für die zwölf Lichtburg-Angestellten gilt seit April Kurzarbeit. Unter den Musikschullehrern haben wir viele Honorarkräfte.

Wie sieht es denn da aus, gab und gibt es Unterricht?

Auch diesbezüglich sind wir Eltern für ihr Entgegenkommen dankbar. Die Musikschule hat nach dem 16. März recht zügig auf einen Online-Unterricht für die rund 400 Kinder umgeschaltet. Seit Montag und vorigen Abstimmungen mit der Stadt gibt es wieder Präsenz-Unterricht für bis zu sechs Teilnehmer, außer Bläser-Gruppen. Unser Internet-Angebot läuft weiter. Erfreulich ist, dass wir für August eine renommierte Klavierlehrerin verpflichten können. Insgesamt sind wir da vom Normalbetrieb noch weit entfernt. Da gilt wie bei anderen Themen auch: Wir müssen viel jonglieren.

Sie wirken zuversichtlich, wenn Sie vorausblicken. Warum?

Wir haben bis hinein in den Februar 2022 Verträge mit Künstlern abgeschlossen. Anfang 2021 etwa kommt Ilja Richter mit einem Chanson-Programm nach Wetter, im nächsten Jahr – vielleicht auch noch Ende 2020 – wird es Klassik-Konzerte bzw. eine Operette geben. Ende 2021 spielt eine kanadische Rockband bei uns. Auch das Koffertheater hat zwei Stücke in der Pipeline. Mein Ansatz ist, Kultur in der gesamten Breite darzustellen. Und ich habe den Eindruck, dass Wetter darauf wartet. Ich persönlich bin voller Tatendrang. Wir werden die Phase überstehen und bleiben als Kulturdienstleister Wetter erhalten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben