Jubiläum

Mathilde Mange aus Wetter feiert 113. Geburtstag

Mathilde Mange pustet an ihrem 113. Wiegenfest die Kerzen auf der Geburtstagstorte aus.

Mathilde Mange pustet an ihrem 113. Wiegenfest die Kerzen auf der Geburtstagstorte aus.

Foto: Privat

Wetter.  Krank ist sie so gut wie nie, und ihr Markenzeichen ist ihre Willensstärke: Mathilde Mange feierte am Samstag ihren 113. Geburtstag in Wetter.

Das Jahr 1906: In Manchester schließen sich Henry Royce und Charles Rolls zusammen und gründen die Nobelfahrzeugmarke Rolls-Royce. Im Deutschen Reich kommt ein Gesetz heraus, dass es Kindern unter zehn Jahren erlaubt, im Familienbetrieb zu arbeiten. Der Arzt Alois Alzheimer stellt erstmals bei einer seiner Patientinnen die nach ihm benannte Krankheit fest. Der Bremer Ludwig Roselius lässt sich ein Verfahren zur Entkoffeinierung patentieren. SOS wird zum internationalen Notsignal erklärt. Und: Am 10. August erblickt Mathilde Mange im Hunsrück als eines von acht Kindern das Licht der Welt.

Sie überlebt sowohl den Ersten als auch den Zweiten Weltkrieg, verliert dabei aber Vater und Ehemann. Die 1934 geborene Tochter Ingeborg und Sohn Helmut (1936 geboren) zieht Mathilde Mange alleine groß. Ihr Glaube an Gott und ihr Humor helfen ihr, auch schwere Zeiten zu überwinden.

Ihre Fröhlichkeit hat sie sich bis heute bewahrt. Am Wochenende feierte die wohl älteste Frau Deutschlands ihren 113. Geburtstag. Den verbrachte sie mit ihrer Familie in der Seniorenresidenz Volmarstein. Dort lebt Mathilde Mange seit dem vergangenen Jahr.

Eine willensstarke Frau

Enkeltochter Angela Haering beschreibt ihre Oma als sehr willensstark. So habe sie unter schwersten Bedingungen in einem kleinen Dorf bei Aachen mit ihren eigenen Händen und der Unterstützung der Familie ein Haus für sich und ihre beiden Kinder gebaut. Jammern habe es bei ihrer Oma nie gegeben: „Was anstand, wurde auch angegangen.“

Ihr hohes Alter hat Mathilde Mange ihrem Humor, ihrem Glauben an Gott und ihrem Bewegungsdrang zu verdanken. „Sie hat immer gern Urlaub gemacht“, sagt Angela Haering. Bis zu ihrem 85. Lebensjahr hat die Seniorin regelmäßig Radtouren mit Freunden unternommen. Schon immer habe ihre Oma aber auf ihren Körper gehört, ihre Grenzen erkannt und nicht überschritten. Daher irgendwann auch die Einsicht: „Ich glaube, es reicht jetzt mit dem Radfahren. Ich laufe jetzt lieber.“

Mit 90 den Arm gebrochen

Von Krankheiten ist Mathilde Mange nahezu verschont geblieben. Während ihrer 113 Lebensjahre hatte sie sich einmal beim Rosenschneiden im Garten den Arm gebrochen. Da war sie fast 90 Jahre alt. Etwa fünf Jahre später bekam sie eine Lungenentzündung.

Über früher erzählt Mathilde Mange nicht so gern, weiß Angela Haering. Sie lebe vielmehr im Hier und Jetzt, verfolge tagesaktuelles Geschehen. Als Boris Becker auf dem Court die Tenniswelt erobert, verpasst Mathilde Mange kein Turnier und feuert ihren Star vom Sofa aus an. Mit 90 findet sie, ihr Wohnzimmer könnte eine Veränderung vertragen. Also gestaltet sie es kurzerhand neu. Mit 95 fällt ihr ein Buch in die Hand. Der Inhalt fasziniert sie und bringt sie dazu, ihre Ernährung umzustellen. Mathilde Mange habe sich schon oft gefragt, so die Enkelin, warum sie noch lebt, während alle ihre Geschwister und auch einstige Freunde längst verstorben sind. Die Antwort darauf hat die Seniorin in ihrem Glauben gefunden. Dass sie noch da ist, das ist Gottes Idee, erklärt Angela Haering.

Keine klugen Ratschläge

Die 113-Jährige könnte aus ihrem reichhaltigen Fundus an Erfahrung schöpfen und viele Ratschläge an ihre Familie weiter geben. „Doch das tut sie nicht“, sagt die Enkeltochter. Ihre Oma sei eine sehr aufmerksame Beobachterin. Wenn ihr auffalle, dass ein Familienmitglied zum Beispiel viel Stress hat, bemerke sie lediglich, dass derjenige auf sich achten sollte. Familie ist für Mathilde Mange das Wichtigste im Leben. Und ihre Familie ist groß. Zu ihr gehören zwei Kinder, fünf Enkelkinder und neun Urenkel.

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