Beruf

Schwerer Weg einer Wengeranerin in den Pflegeberuf

Melanie Seifert, hier mit ihrem Großvater Klaus Hollmann und Mutter Martina Hollmann-Seifert (von rechts), möchte gerne Altenpflegerin werden. Doch der Weg dorthin ist für sie, trotz vieler unbesetzter Stellen, nicht einfach.

Melanie Seifert, hier mit ihrem Großvater Klaus Hollmann und Mutter Martina Hollmann-Seifert (von rechts), möchte gerne Altenpflegerin werden. Doch der Weg dorthin ist für sie, trotz vieler unbesetzter Stellen, nicht einfach.

Foto: Elisabeth Semme

Wetter.  13.000 Stellen fehlen in der Pflege. Dennoch ist der Weg in den Beruf für die Wengeranerin Melanie Seifert schwer.

Martina Hollmann-Seifert aus Wengern versteht die Welt nicht mehr: „Auf der einen Seite sind in der Pflege 13.000 Stellen unbesetzt, und alle jammern. Auf der anderen Seite ist da ein junges Mädchen, das den Job unbedingt machen möchte, aber ihr werden nur Steine in den Weg gelegt.“ Das junge Mädchen ist eigentlich schon eine junge Frau, heißt Melanie Seifert und ist die Tochter der Wengeranerin. Die 21-Jährige hat nach der Mittleren Reife an der Georg-Müller-Schule ihr Fachabitur gebaut. Gute Voraussetzungen für den Einstieg in einen Pflegeberuf, sollte man meinen. Doch so einfach ist das nicht. Zumindest für die junge Wengeranerin nicht.

Kommunikationsproblem

Mutter Martina beschreibt es so: „Das einzige Problem ist für Melanie, zu kommunizieren. Sie ist einfach sehr schüchtern und zurückhaltend.“ Melanie lauscht den Worten ihrer Mutter, nestelt ein bisschen nervös an ihren Haaren und nickt. Nach dem Fachabitur im Sommer letzten Jahres absolvierte sie ein Praktikum in einer stationären Einrichtung in Gevelsberg, bevor sie sich für die dreijährige Ausbildung zur examinierten Pflegekraft bewarb und dort die Lehre schließlich auch beginnen konnte. Das Arbeiten bei diesem ambulanten Pflegedienst gefiel ihr sehr gut. „In Gevelsberg dagegen war es wie in einem Krankenhaus“, erklärt die 21-Jährige, warum sie grundsätzlich lieber in der ambulanten Pflege arbeiten würde.

„Allerdings legte man ihr kürzlich nahe, ihre Ausbildung besser in einer stationären Einrichtung fortzusetzen“, berichtet Martina Hollmann-Seifert. Nun hänge Melanie ziemlich in der Luft. Sie habe zwar in der Gevelsberger Einrichtung nachgefragt, ob sie dort ihre Ausbildung fortsetzen könne und sei auch froh, dass ihr das dort ermöglicht werde. „Aber ihr Ausbildungsplan ist durcheinander geraten. Und das Fachseminar der Diakonie kooperiert nicht mit der Schule in Witten, so dass der Wechsel nur mit einer Ausnahmeregelung zustande kommen kann.“ Und: Nach dem Wechsel habe Melanie nun erneut sechs Monate Probezeit.

Dabei ist die 21-Jährige sicher, dass sie diesen Beruf auf jeden Fall machen möchte. Gemerkt hat sie das, als ihr Großvater vor drei Jahren pflegebedürftig wurde. „Nach Omas Tod wurde er krank. Da habe ich mit angepackt, das kann ich“, sagt Melanie Seifert. „Ich dagegen hatte eher Probleme, obwohl es ja mein Vater ist. Aber Melanie ist einfach hingegangen und hat gemacht. Da ziehe ich den Hut vor“, erzählt Mutter Martina. Und ergänzt: „Ich bin mir sicher, dass Melanie im Pflegeberuf richtig ist. Man muss nur ihr Potential erkennen. Von der Auffassungsgabe und vom Einfühlungsvermögen her traue ich ihr sehr viel zu. Sie kann sich nur eben nicht so verkaufen, und man traut ihr wohl nicht zu, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Etwa einen Arzt zu rufen, wenn eine Situation es erfordert.“ Auf die direkte Nachfrage bei Melanie, ob sie erkennen würde, ob ein alter Mensch ärztliche Hilfe benötige und sie diese auch herbeirufen würde, antwortet sie ganz einfach mit einem Schulterzucken: „Ja, natürlich.“

Vertrauen schenken

Alle Freunde, Verwandten und Bekannten würden die Situation und das Potenzial ihrer Tochter genau so bewerten wie sie selbst, sagt Martina Seifert-Hollmann: „Melanie ist manchen Leuten zu ruhig. Mit ihr müssen sie sich beschäftigen, das ist denen vielleicht zu viel Arbeit. Dabei muss man ihr einfach nur Vertrauen schenken, dann ist sie auch voll da.“ Und noch etwas merkt sie an: Oftmals sei doch ein liebevoller, verständnisvoller Umgang gerade mit alten und pflegebedürftigen Menschen viel wichtiger als ein redegewandtes Auftreten: „Melanie braucht einfach nur die Chance, ihren Wunschberuf ausüben zu können.“

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