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Tiny Häuser: Herdecke bald Vorreiter für nachhaltiges Bauen?

So können die Tiny Häuser aussehen.

So können die Tiny Häuser aussehen.

Foto: Tiny House Diekmann / WP

Herdecke.  Die Stadt Herdecke geht mit mutigen Schritten voran: In Ende könnte es demnächst die neuen und modernen Tiny Häuser geben.

Sie sind klein, günstig und hinterlassen einen guten ökologischen Fußabdruck: Die Rede ist von Tiny Häusern. Die Eigenheime sind ein neuer Trend, der einige Wohnraumprobleme in den Städten lösen könnte. Noch traut sich aber kaum eine Verwaltung, auf den Zug aufzuspringen. Herdeckes Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster, die Agendabeauftragte Sonja Fielenbach und Pressesprecher Dennis Osberg informierten sich jetzt bei einem Hersteller der modernen Häuschen in Hamm – und waren begeistert.

Die Idee sich über das Thema zu informieren stammt ursprünglich von Herdecker Bürgern. „Mich haben einige Herdecker auf Tiny Häuser angesprochen“, erläutert Strauss-Köster. So kam sie mit Sonja Fielenbach ins Gespräch und einigten sich darauf, sich die Häuser mal persönlich anzusehen und sich ein Bild davon zu machen. „Wir wollten gucken, wie sowas eigentlich produziert wird. Da gibt es die unterschiedlichsten Häuser in verschiedenen Größen. Wir konnten vom Rohbau bis hin zu kompletten Ausbau alles sehen“, berichtet Osberg. Der Clou an diesen Tiny Häusern ist, dass sie klein aber vollwertig sind. Sie können ans Netz angeschlossen werden, aber auch völlig autark stehen. Zudem sind die Häuser individuell ausbaubar, Familien mit Kindern könnten auch beispielsweise ein zweites Haus anbinden und würden so mehr Wohnfläche erhalten.

Dortmund plant Siedlung in Sölde

„Bisher gibt es lediglich in Süddeutschland eine Siedlung mit Tiny Häusern, die als Ferienhäuser genutzt werden“, berichtet Fielenbach. Einige andere Städte sind an dem Konzept interessiert, aber noch nicht wirklich in den Planungen vorangegangen. Bisher hat die Stadt Dortmund zumindest politisch beschlossen, dass es im Stadtteil Sölde eine kleine Tiny House Stadt für etwa 40 bis 50 Bewohner geben soll. Aber die Planung und Erschließung werden wohl noch etwa zwei Jahre dauern.

Die Stadt Herdecke könnte da schneller sein. „Ich würde den Vorschlag einbringen wollen, im Ender Modell (Areal der ehemaligen Schulen in Ende Am Berge; Anm. d. Red.) einen Teil der Fläche mit Tiny Häusern zu bebauen. Wir wollen vielfältige Wohnformen anbieten“, sagt Strauss-Köster. „Da wären wir dann im normalen Planverfahren und könnten das miteinbinden“, erläutert sie die Vorteile. Denn: Auch wenn Tiny-Häuser meist nur der Größe eines Gartenhäuschens entsprechen, gelten dafür die gleichen Bauvorschriften, wie für jedes andere Haus. „Da würde ich mir wünschen, dass die Landesregierung mehr Bürokratieabbau betreibt“, meint Strauss-Köster.

Im Blick hätte sie neben dem Ender Modell außerdem Industrieflächen oder Baulücken im Stadtgebiet auf denen keine normalen Einfamilienhäuser Platz hätten. „Wir haben in keiner Weise Richtung grüne Wiese gedacht“, betont die Bürgermeisterin, der nach ersten Bekanntwerden der Informationstour nach Hamm bereits erste Bedenken mitgeteilt wurden. Auch seien Tiny Häuser nicht mit amerikanischen Trailer-Parks vergleichbar. „Tiny Häuser sind wie normale Häuser nur wesentlich kleiner und aus Holz gebaut“, sagt sie.

Weniger Kapital binden

Die Vorteile an den Eigenheimen liegen klar auf der Hand, wie auch Fielenbach weiß: „Man muss weniger Fläche bewirtschaften und putzen. Außerdem bindet man weniger Kapital, da die Häuser nicht so teuer sind.“ Daher sind die Tinys für viele Menschen interessant. Singles, junge Familien, aber auch ältere Ehepaare, denen ihr Haus einfach im Alter zu groß geworden ist, sind die typischen Interessenten.

Ein weiterer Vorteil, der sich bei den nachhaltigen Häuschen ergeben könnte wäre, dass es dafür durchaus Förderungen geben könnte. „Die Bezirksregierung hat mir ein großes Interesse signalisiert, solche Siedlungen im Bezirk zu bauen“, sagt die Bürgermeisterin. Sie hofft indes nicht nur auf die finanzielle Unterstützung, sondern auch darauf, dass sie von der örtlichen Politik Zustimmung bekommt. „Es wäre schön, wenn wir das Thema gemeinsam vorantreiben könnten“, sagt sie.

Einen ersten Schritt in die Richtung möchte sie nach den Ferien angehen. Dann steht das Bauprojekt in Kooperation mit NRW Urban in Ende Am Berge nochmal auf dem Programm.

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