Evangelische Stiftung

Umbau für Spezialpflege im alten Betonklotz Haus Bethanien

Im Haus Bethanien, eine Mischung aus Altenheim, Suchtfolgebetreuung und stationärer Behinderteneinrichtung, plant die Evangelische Stiftung Volmarstein (ESV) 2017 Umstrukturierungen

Im Haus Bethanien, eine Mischung aus Altenheim, Suchtfolgebetreuung und stationärer Behinderteneinrichtung, plant die Evangelische Stiftung Volmarstein (ESV) 2017 Umstrukturierungen

Foto: Steffen Gerber

Volmarstein.   Umbau für rund drei Millionen Euro: Im Haus Bethanien wird für ältere Behinderte und Suchtkranke sowie Personen mit Chorea Huntington investiert.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Bei Suchterkrankungen denken viele an eher jüngere Abhängige und Therapiebedürftige. Doch auch diese werden älter. Und dann? Dann kann das Haus Bethanien der Evangelischen Stiftung Volmarstein (ESV) zur neuen Heimat werden. Das massive Gebäude in der Oskar-Niemöller-Straße ist eine Spezialpflegeeinrichtung für Menschen, die aufgrund einer Erkrankung oder Behinderung Pflege benötigen. Hier stehen 2017 Umstrukturierungen an. „Wir wollen uns weiter spezialisieren“, sagen Anja Schleiden von der Einrichtungsleitung und Ekkehard Meinecke als zuständiger Bereichsleiter.

Während im Hans-Vietor-Haus der ESV eher junge Leute mit Mehrfachbehinderung und hohem Pflegebedarf leben, werden im Haus Bethanien neben Einzelfällen drei Personengruppen betreut: Menschen mit Behinderung im Alter (aktuell rund 40) finden hier ebenso ein Wohnumfeld wie die derzeit ca. 35 an Chorea Huntington Erkrankten, bei denen im Krankheitsverlauf u.a. immer mehr die Körperkoordination nachlässt. Ein knappes Dutzend der Bewohner leidet unter Suchtfolgeerkrankungen, viele davon haben das Korsakow-Syndrom nach Alkohol-Missbrauch. „Hier landen immer wieder Alkoholerkrankte, Ex-Junkies oder HIV-Infizierte“, berichtet Meinecke.

Klare Tagesstruktur

Unterschiedliche Symptome, verschiedene Therapien: „Wir bieten mit vielen Spezialisten eine sehr individuelle Pflege an und übernehmen auch immer wieder Menschen aus anderen Einrichtungen“, sagt Schleiden. Entsprechend vielfältig sind die Berufsgruppen im Haus Bethanien: Altenpfleger, Therapeuten, Psychologen oder die niedergelassene Ärztin Anneliese Arz. Anja Schleiden erklärt das Grundprinzip: „Wichtig ist für die Personen, die hier leben, die Bezugsbetreuung mit einer klaren Tagesstruktur.“ So funktioniert diese Mischung aus Pflegeeinrichtung, Suchtfolgebetreuung und stationärer Behinderteneinrichtung.

Für konzeptionelle Umstrukturierungen laufen noch voraussichtlich bis zum Frühjahr Verhandlungen mit den Pflegekassen. Meinecke definiert das Ziel: „Wir wollen unterschiedliche Vergütungen für unser Klientel. Wir gehen davon aus, dass es für unser Konzept Zustimmung gibt.“ Wie in der gesamten Stiftung will auch das Haus Bethanien künftig vermehrt auf eine Spezialisierung setzen, also den Pflegebedarf möglichst individuell anpassen. Beispiel: Bei Bewohnern mit Chorea-Huntington-Syndrom auch Palliativ-Mediziner hinzuziehen. Das erfordere auch personell neue Überlegungen, also mehr Therapeuten für die Betreuung von Menschen mit Suchtfolgeerkrankungen zu gewinnen. Zumal die Bezugspflege und Betreuung in kleinen Gruppen viel effektiver sind, so Anja Schleiden.

Daher soll es im Haus Bethanien statt derzeit 123 nur noch 96 Plätze geben. „Gesetzlich sind wir ab 2018 verpflichtet, ausschließlich Einzelzimmer vorzuhalten.“ Auch deshalb muss die ESV in der Oskar-Niemöller-Straße das vierstöckige Gebäude aus den 1980-er Jahren 2017 bei laufendem Betrieb in einigen Bereichen umbauen, was bei einem Betonklotz dieser Güteklasse nicht so leicht ist. Zudem soll auf dem Stiftungsgelände eine neue Einrichtung für die Spezialpflege in vier Kleingruppen entstehen, Schleiden und Meinecke gehen von 24 oder 32 Plätzen in dieser neuen Spezialpflegeeinrichtung aus. Derzeit gibt es im Haus Bethanien überwiegend Vierzehner-Wohngruppen.

Für den Umbau des alten Gebäudes und die neue Einrichtung geht die Stiftung von rund drei Millionen Euro aus. Dabei sieht die ESV mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz, das seit dem 1. Januar 2017 gilt, ihre Strategie hin zu differenzierter Spezialpflege bestätigt. Generell gilt es auch diesbezüglich zu unterscheiden: „Hier im Haus Bethanien sind keine Ärzte und Therapeuten angestellt“, sagt Ekkehard Meinecke. Das müsse über Kooperationsverträge gelöst werden. Ein Partner neben den Sozialen Diensten in Krankenhäusern, Psychiatrien oder Selbsthilfegruppen sei etwa auch die VIA-Suchtberatung der AWO, die gerade für Ältere nach Lösungen suche.

Einrichtung mit Sonderstatus

Auch der Ennepe-Ruhr-Kreis und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sind über diese Projekte im Haus Bethanien informiert. „Wir haben hier als Einrichtung mit übergreifenden Angeboten schon einen Sonderstatus, der sich an Pflegeaspekten orientiert“, sagen die ESV-Mitarbeiter. Dazu gehören auch Informations-Veranstaltungen für Betreuer und Angehörige, nicht zu vergessen Schulungen und Fortbildungen.

Ob nach den Umstrukturierungen neue Angebote hinzukommen, müsse ebenso abgewartet werden wie die konkrete Zahl zusätzlicher Mitarbeiter. Anja Schleiden: „Die Betreuung von Menschen mit Suchtfolgeerkrankten ist ja auch nicht jedermanns Sache. Bisher hatten wir bei der Akquise aber nie Probleme, was auch auf die Nachfrage nach Spezialpflegekräften zutrifft.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben