Erziehung

Waldorfkindergarten in Herdecke ist 50 – und zieht bald um

Ein paar Regentropfen stören nicht: Erzieherin Mandy Mahncke mit Kindern ihrer Gruppe beim Spiel im Sandkasten des Waldorfkindergartens am Hessenberg in Ende.

Ein paar Regentropfen stören nicht: Erzieherin Mandy Mahncke mit Kindern ihrer Gruppe beim Spiel im Sandkasten des Waldorfkindergartens am Hessenberg in Ende.

Foto: Klaus Görzel / WP

Herdecke.  Der Waldorfkindergarten feiert runden Geburtstag mit einem Herbstfest am Hessenberg. Die Arbeiten für den Neubau am Bergweg haben begonnen.

Mit dem Einzug zum 50. Geburtstag ist es nichts geworden. Die Erdarbeiten für einen neuen Waldorfkindergarten am Bergweg in Ende haben zwar begonnen. Aber der runde Geburtstag wird jetzt noch einmal am Hessenberg begangen, seit 1973 der Standort des Kindergartens. Es wird ein Herbstfest sein wie viele andere auch in den Jahren zuvor. „Aber wir leisten uns eine tolle Geburtstagstorte“, gerät Leiterin Kornelia Theyson ins Schwärmen. Drei Etagen soll das Naschwerk haben, und doch gibt es für jede Familie wahrscheinlich nur ein kleines Stückchen. Bei aktuell 99 Kindern kein Wunder.

Angefangen hat der Waldorfkindergarten 1969 als Betriebskindergarten fürs frisch gegründete Gemeinschaftskrankenhaus in Ende. In einer Mitarbeiterwohnung ging’s los, mit Öffnungszeiten ab 6 Uhr in der Frühe – dem Dienstantritt so mancher Krankenschwester. Sogar Säuglinge wurden in die Obhut der Erzieherinnen gegeben, sagt Kornelia Theyson; ein Experiment, das aber dann doch beendet wurde. 1973 kam der Umzug in den großen Flachbau – und die Selbstständigkeit als Waldorfkindergarten. „Mit dem Gemeinschaftskrankenhaus sind wir weiter total verbunden“, stellt die Kindergartenleiterin fest. Feste Quoten für Krankenhausbeschäftigte unter den Eltern gebe es aber nicht – allerdings immer wieder entsprechende Anfragen. Beschäftigte, die nicht in Herdecke wohnen, haben dann schlechte Karten.

Verbundenheit zur Natur

Nicht nur praktische Gründe sprechen bei Beschäftigten des Krankenhauses für diese Wahl und sind auch für andere Eltern entscheidend: Die Waldorfpädagogik hat einige Besonderheiten. Dazu zählt, „dass wir sehr stark in geschlossenen Gruppen arbeiten“, erklärt Kornelia Theyson. Im großen Kindergarten solle die Welt für das einzelne Kind überschaubar bleiben. Nur im Vorschulalter gebe es Angebote über Gruppengrenzen hinweg. Vom anthroposophischen Weltbild ausgehend werde gefragt, was brauchen die Kinder tatsächlich? Spielraum, lautet die Antwort, um im Spiel Erlebtes zu verarbeiten und zu lernen. Ganz wichtig ist auch die Verbundenheit mit der Natur. „Wir gehen jeden Tag mit den Kindern raus“, sagt Kornelia Theyson über den Alltag im Kindergarten am Hessenberg und verspricht, dass das auch am neuen Standort nicht anders sein wird.

Nur rund 300 Meter Luftlinie sind es zwischen dem jetzigen und dem künftigen Standort. Ein großes Glück für den Trägerverein, der sich vor die Aufgabe gestellt sah, nach über vier Jahrzehnten eine neue Bleibe zu finden. Das Krankenhaus ist weiterhin fast so nah wie jetzt.

Ein alter Bekannter als neuer Leiter

Gerodet worden ist für den großen Neubau hinter einem bestehenden Gebäude schon lange. Eine Stützwand ist auch schongesetzt. Vor ihr sollen die Autos vom Bergweg weg und wieder auf den Bergweg fahren. Für die Schließung über den Jahreswechsel 2020/2021 hofft Kornelia Theyson auf den Umzug. Sie wird dann als Leiterin nicht mehr dabei sein.

Seit 1981 ist sie am Hessenberg dabei. Erst 2016 hat sie die besondere Aufgabe übernommen. Davor war sie aber über viele Jahre die Stellvertreterin der Kindergartenleiterin. Im Frühjahr hört Kornelia Theyson auf. Ab nächsten Monat schon arbeitet sie ihren Nachfolger ein. Ja, einen Mann bei 18 pädagogischen Kräften und immerhin einem männlichen Bufdi. Das habe halt gepasst, begrüßt sie die Wiederkehr eines alten Bekannten: Der neue Leiter des Waldorfkindergartens in Ende war hier auch schon mal Praktikant.

Vielleicht hat er ja auch schon mal ein Herbstfest vorbereitet, so eins, wie es für den Waldorfkindergarten typisch ist. „Bei uns ist das ja alles ein bisschen ruhiger“, sagt Kornelia Theyson. Wenn am Samstag dieser Woche zwischen 15 und 17.30 Uhr zur Geburtstagsfeier neben den Kindern auch die Eltern und Geschwister eingeladen sind, gibt es Bastelangebote, Puppenspiel, ein Häuschen im Walde, und auch ein Gaukler ist zum Mitfeiern eingeladen. Die Einladung hat ein Vater gestaltet, die Plakate im Krankenhaus haben die Kinder beigesteuert.

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