Kirche

Wengeranerin ist Pastorin für evangelische Gemeinde Herdecke

Die Stiftskirche als neue berufliche Heimat: Leska Meyer stammt aus Wetter und arbeitet seit dem 1. September als evangelische Pfarrerin in Herdecke.

Die Stiftskirche als neue berufliche Heimat: Leska Meyer stammt aus Wetter und arbeitet seit dem 1. September als evangelische Pfarrerin in Herdecke.

Foto: Steffen Gerber

Herdecke.  Leska Meyer aus Wetter ist die neue Pfarrerin der evangelischen Gemeinde in Herdecke. Am Sonntag leitet sie den Gottesdienst in der Stiftskirche.

Von Wetter nach Ostfriesland und dann zurück mit einer neuen Perspektive in Herdecke. Klingt nach einem spannenden Weg, den Leska Meyer hinter sich hat. Die 32-Jährige ist die neue Pfarrerin in der evangelischen Gemeinde. Im Gottesdienst können die Herdecker die Pastorin am morgigen Sonntag, 15. September, um 10 Uhr und dann bei einer Taufe um 11.30 Uhr erleben. Und zwar in ihrer neuen beruflichen Heimat, der Stiftskirche St. Marien.

Moin, moin, Frau Meyer. Sie sind in Wetter aufgewachsen, aber wo waren Sie in den letzten fünf Jahren?

Leska Meyer: In Ostfriesland, das zur großen Landeskirche Hannover gehört. Zunächst führte mich mein Vikariat in zwei Dörfer nahe Wilhelmshaven, in die Gemeinden Horsten und Gödens im Kirchenkreis Harlingerland. In den letzten drei Jahren ging es weiter als Pastorin zum Probedienst nach Warsingsfehn, wo ich für den Kirchenkreis Emden-Leer die Evangelisch-lutherische Jacobikirche geschäftsführend und mit einer Vollzeitstelle geleitet habe.

Warum dann der Abschied und die Rückkehr in Ihre Heimat mit dem Wohnort Wetter sowie Herdecke?

Ich habe gespürt, dass ich eine Veränderung möchte. Es war dort mitunter schon etwas einsam, zudem lebt meine Familie immer noch hier in Wetter und hier in der nahen Umgebung. Obendrein fand ich den Kirchenkreis Hagen, zu dem Herdecke ja organisatorisch gehört, schon immer interessant.

Also hinein in Ihre Vergangenheit: Welche Kontakte hatten Sie als Kind zur Kirche?

Die Pastöre Uli Mörchen und Peter Außerwinkler haben mich in der evangelischen Gemeinde Wengern konfirmiert. In der Jugendarbeit war ich zunächst nicht aktiv. Dann aber habe ich für mich die Kinderkirche entdeckt, für die ich dann einige Jahre auch noch zu Beginn des Studiums als Betreuerin tätig war. Das Theologie-Studium führte mich dann nach Münster und Bochum.

Wieso wollten Sie Pastorin werden, was prägt Ihren Glauben?

Während des Studiums ist durch die häufige Bibellektüre mein Glaube bestärkt worden. Häufig habe ich Schriften des Theologen Dietrich Bonhoeffer gelesen, in seinen Gedanken fand und finde ich mich oft wieder. Zudem wollte ich keinen Beruf im klassischen Morgens-Abends-Rhythmus. Ich kann gut zuhören und arbeite gerne mit Menschen zusammen. Mit 16 war dann für mich klar, dass ich für die Kirche arbeiten will. Daher habe ich auch Religion als Abitur-Fach am Herdecker Friedrich-Harkort-Gymnasium gewählt. Während meines vierjährigen Studiums zeigte sich, dass all dies der richtige Weg war. Deshalb konnte ich mich auch durch Fächer wie Griechisch und Hebräisch kämpfen, Latein hatte ich schon in der Schule.

Nach dem Studienabschluss ging es für Sie als junge Frau ins unbekannte Ostfriesland. Wie erging es Ihnen dort in der Anfangszeit?

Ich wurde dort sowohl als Vikarin als auch dann im Probedienst mit offenen Armen empfangen. Zunächst war ich als junge, fremde Frau schon ein Thema, doch das hat sich schnell gelegt. Ich hatte dort eine gute Zeit, dafür bin ich sehr dankbar. Und nach meinem zweiten Examen 2016 wurde ich als unerfahrene Pfarrerin ins kalte Wasser geworfen und war nach einer einführenden Begleitungszeit dann mit einem Kollegen, der eine halbe Stelle hatte, für eine ganze Gemeinde mit rund 4300 Mitgliedern verantwortlich.

Dann aber kam immer mehr Heimweh auf?

Das kann man so sagen. Bei meinem Abschied in Warsingsfehn sagten mir viele am 11. August nach dem Gottesdienst, dass sie meinen Schritt nachvollziehen können. Ich wollte zurück in die hiesige Region. Da der Kirchenkreis Hagen mir vertraut ist, habe ich Anfang 2019 eine Initiativ-Bewerbung dort hin geschickt. Und dann ergab sich, dass in Herdecke jemand für eine 50-Prozent-Pfarrstelle gesucht wurde. Nach einem Probegottesdienst und einem Konfirmandenunterricht im Juli wählte mich das Presbyterium.

Wollten Sie denn eine halbe Stelle?

Derzeit reicht mir das, ich muss erst einmal viel kennenlernen und freue mich momentan über etwas mehr Freizeit. Auf Dauer strebe ich aber schon eine volle Stelle an. Mal gucken, wie sich das eines Tages aufstocken lässt. Der Anfang hier war jedenfalls nett und angenehm, nun will ich mir ein konkretes Bild vom Gemeindeleben machen.

Wie ehrfurchtsvoll betrachten Sie denn die altehrwürdige Stiftskirche? Wie geht es jetzt für sie los?

Ich mag vor allem den Altarraum, die Atmosphäre und die Akustik, finde diese große Kirche mit der langen Geschichte aber insgesamt auch spannend, nachdem ich zuvor in kleineren Kirchen gepredigt habe. Nach meinem ersten Gottesdienst jetzt am Sonntag lade ich dann in der Regel zweimal sonntags im Monat zu meinem Gottesdienst ein. Bei der Gemeindearbeit will ich als Vermittelnde auftreten.

Welche Eigenschaften zeichnen Sie aus?

Ich arbeite gern strukturiert und bin gerne gut vorbereitet. In der Vergangenheit ging es in meinem Arbeitsbereich auch viel um Organisation. Vielleicht kann ich davon auch hier in Herdecke etwas einbringen. Ich will aber erst einmal die Gemeinde auf mich wirken lassen, um dann zu sehen, wie ich meine Talente einbringen kann. Mir ist Gemeinsamkeit wichtig, ich möchte die Mitglieder mitnehmen. Grundsätzlich halte ich einen Bonhoeffer-Satz für wichtig: Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist. Es gilt herauszufinden, was andere von uns brauchen und wo wir gebraucht werden.

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