Forschungsprojekt

Wie ein Wetteraner aus Wahlen wichtige Daten herausfischt

Dienstleister für Parteien: Frank Schneider aus Wetter hat mit einem Partner das Start-up-Unternehmen „Bee Statistics“ gegründet.

Dienstleister für Parteien: Frank Schneider aus Wetter hat mit einem Partner das Start-up-Unternehmen „Bee Statistics“ gegründet.

Foto: Steffen Gerber / Archiv

Wetter/Bochum.  Frank Schneider aus Wetter untersucht mit einem Partner Wahlergebnisse. Für das Forschungsprojekt „Bee Statistics“ erhielt er Gründungszuschüsse

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Aus einem Vorhaben wird Wirklichkeit. Der Datensammler Frank Schneider aus Wetter hat sein berufliches Ziel, politische Wahlergebnisse auszuwerten und Erkenntnisse in vereinfachter Form zur Verfügung zu stellen, in die Tat umgesetzt. „Bee Statistics“ heißt sein Forschungsprojekt, das er mit Benjamin Albrecht vor einigen Monaten gründete und das an der Hochschule Bochum angesiedelt ist.

Von dort erhält das Duo ebenso Unterstützung wie auch aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Gemeinsam haben sie mit ihrer selbst entwickelten Analyse-Methode den Förderwettbewerb „Start-up transfer.NRW“ gewonnen, schreiben Schneider und Albrecht.

„Bee“nen fleißig

Die Motivation der Beiden dreht sich um Fragen wie: Was wollen die Leute nach einer Wahl wissen? Wie kann man diese Wünsche und Daten mathematisch modellieren? Was passiert in der Zeit zwischen den kommunalen Wahlen? Wie lässt sich das analysieren? All das und noch mehr wollen die zwei Datensammler in ihrem Projekt herausfinden.

Unter dem Motto „datengetriebene Politikberatung und -steuerung“ soll „Bee Statistics“ das Bindeglied zwischen den Politikern und den Wählern sein. Wie eine Biene (englisch „bee“) soll es quasi um das Sammeln von Nektar gehen, um daraus Honig gewinnen zu können. Oder anders: Sie machen aus scheinbar ungenießbaren Zahlen etwas Fruchtbares. Sie wollen Ergebnisse kommunaler Wahlen leicht verständlich aufbereiten.

Wie machen die das?

Bleibt die Frage, wie „Bee Statistcs“ dies bewerkstelligen will. „Wahlen sind weiterhin immer nur Momentaufnahmen der Wählerpräferenz“, sagt Frank Schneider und spielt auf die relativ kurze Haltbarkeitszeit eines Ergebnisses an. Das Forschungsprojekt setzt hier an, die „herkömmlichen Ansätze von Politikberatung zu revolutionieren“. Dies tun sie durch eine Kombination aus klassischen Statistik-Analysen von kleinräumigen Wahlergebnissen bis hin in einzelne Stadtteile, modernen Methoden und Auswertungen von Social-Media-Kanälen sowie über eine Sentiment-Analyse (dabei geht es darum, ob ein Text im Allgemeinen als positiv, negativ oder neutral wahrgenommen wird).

Über das Forschungsprojekt wollen Frank Schneider und der Informatiker Albrecht Daten ermitteln, diese visualisieren und daraus eine Handlungsempfehlung an die Parteien ableiten. Der Wetteraner selbst nennt es „eine Kombination aus Datenanalyse und Sozialwissenschaften.“ Zusätzlich beschreiben die Gründer, dass „mithilfe solch moderner Analysen Politiker unterstützt werden, damit diese besser auf die Wünsche ihre Wähler eingehen können. Somit werden Regierende und Regierte wieder enger zusammengebracht.“

Herausragende Ergebnisse

Beispielsweise analysierten „Bee Statistics“ die Zweitstimmen der Parteien bei den letzten beiden Landtagswahlen (2014, 2019) in Sachsen. Dabei betrachteten sie Ergebnisse auf kleinräumiger Ebene in Verbindung mit Statistiken des Kraftfahrt-Bundesamtes. Besonders zwei Ergebnisse stachen bei der Analyse hervor. Zum einen wurde dabei deutlich, dass in den Regionen Sachsens, in denen der Anteil von alten Diesel-PKW am höchsten ist, 2019 auch die höchsten Stimmanteile für die AfD zu verzeichnen waren. Im Jahr 2014 hingegen war dies nicht der Fall. „Die AfD greift oft geschickt Gefühlslagen in der Bevölkerung auf. Der Diesel-Skandal ist dafür ein geradezu typisches Beispiel“, so Frank Schneider von „Bee Statistics“. Besonders die AfD habe sich vor den Wahlen für die Rettung des Diesels ausgesprochen.

Grüne und Elektroautos

Beim Vergleich der besagten Landtagswahl-Ergebnisse von 2014 und 2019 fand der Wetteraner mit seinem Kompagnon auch Auffälligkeiten hinsichtlich der Grünen heraus. Und zwar, dass „in den Regionen Sachsens mit einem vergleichsweise hohen Anteil von Hybrid- und Elektrofahrzeugen auch der Zweitstimmenanteil der Grünen besonders hoch ist“, berichtet Benjamin Albrecht. Zudem widmete er sich mit Frank Schneider auch der Frage, ob sich CDU und SPD bei ihren stetig schrumpfenden Wahlergebnissen noch als Volksparteien bezeichnen lassen. Erkenntnis: Angesichts ihrer „breiten sozialen Verankerung über alle Wahlkreise eines Bundeslandes“ sei das weiterhin der Fall. „Alle anderen Parteien – mit kleinen Abstrichen bei der Linken – zeigen den typischen Verlauf von Klientelparteien“, meint das Duo.

Mit diesen Beispielen wollen „Bee Statistics“ zeigen, wie wahlentscheidend die Spezialisierung auf bestimmte Themen sein kann. Mit den Analysen sollen Parteien und Politiker die Chance haben, für die nächsten Wahlen Schwerpunkte zu setzten. Die Idee des Forschungsprojekts: Den Bürger verstehen und mithilfe von Daten den Willen des Wählers besser nachvollziehen zu können.

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