Verbraucherzentrale

3338 Herner fragten 2019 Verbraucherzentrale um Hilfe

Die Herner Beratungsstelle der Verbraucherzentrale wurde auch 2019 von vielen Bürgern besucht.

Die Herner Beratungsstelle der Verbraucherzentrale wurde auch 2019 von vielen Bürgern besucht.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Herne.  Die Herner Verbraucherzentrale hat im vergangenen Jahr mit 3338 Anfragen einen großen Andrang registriert. Für Ärger sorgten wieder „Klassiker“.

Manchmal ist Erfolg eine zweischneidige Sache. Zum Beispiel für die Herner Beratungsstelle der Verbraucherzentrale. 3338 Verbraucheranfragen registrierte sie im vergangenen Jahr. Das offenbart, dass sie als „Problemlöser“ von den Bürgern geschätzt wird. Das offenbart aber auch, dass es reichlich Probleme gab.

Zu den Verursachern zählen laut Beratungsstellenleiterin Veronika Hensing einige Klassiker: Prepaid-Kreditkarten, die sich nach der Bestellung via Internet nicht als finanzielle Soforthilfe, sondern als kostenträchtiges Zahlungsmittel entpuppten. Energieversorger, die Kunden mit unzulässigen Preiserhöhungen überrumpelten. Haustürverkäufer, die angesichts der bevorstehenden Fusion von Unitymedia und Vodafone zum Abschluss überflüssiger Verträge für den Fernsehempfang drängten. Und wenn etwas schieflief, wo eigentlich gezahlt werden sollte, folgte auch 2019 alsbald unerwartete Post eines Inkassobüros – mit der Ankündigung oft hoher Gebühren, drohender Mahnbescheide oder Zwangsvollstreckung inklusive.

Erfreulich sei, dass das Team der Beratungsstelle durch eine Stellenaufstockung Verstärkung bekommen hat. Bianca Pilaths Schwerpunkt ist das Reiserecht. In den Zeiten der Coronakrise hat sie reichlich zu tun.

83 Prozent der Rechtsvertretungen waren erfolgreich

Mit 1044 Rechtsberatungen und -vertretungen hat sich die Beratungsstelle zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt. 83 Prozent der Rechtsvertretungen konnte sie 2019 erfolgreich abschließen, meldet die Verbraucherzentrale.

Für die Bürger konnten so 57.991 Euro eingespart werden. Viele Ratsuchende kamen demnach mit Problemen rund ums Thema Telekommunikation. Neben nicht nachvollziehbaren Posten auf der Telefonrechnung, Stolperfallen beim Anbieterwechsel oder Frust, wenn vertraglich zugesicherte Internetgeschwindigkeiten und die Übertragungsraten beim tatsächlichen Surfen im Alltag meilenweit auseinander lagen, sorgte mangelhafte Information beim Vertragsabschluss in Telefon-Shops für Ärgernisse. „So berichteten Verbraucher, dass sie überrumpelt worden waren und Verträge unterschrieben hatten, deren Konditionen und Kosten sie erst im Nachhinein überblicken konnten“, erläuterte Hensing.

Hilfe bei Stromanbietern, unseriösen Kammerjägern oder untergeschobenen Zeitschriften-Abos

Auch Stromanbieter bereiteten wieder Ärger: Nach TelDaFax, FlexStrom und Care Energy war mit der Bayerischen Energieversorgung BEV erneut ein Energieversorger mit fragwürdigem Geschäftsmodell Pleite gegangen. „Wir haben nicht nur über die Entwicklungen des Insolvenzverfahrens informiert, sondern auch Schritte erläutert, um offene Forderungen wie Boni und Guthaben gegen die BEV durchzusetzen und gegebenenfalls anzumelden“, so Hensing.

Auch der warme Sommer hat Abzocker aus der Deckung kommen lassen. Ob Eichenprozessionsspinner, das Wespennest im Rollladenkasten oder Ungeziefer in Küche oder Keller – ungebetene Gäste wollten Betroffene möglichst schnell wieder loswerden. In ihrer Not waren sie auf unseriöse Anbieter ohne Sachkunde, aber mit überzogenen Rechnungen reingefallen.

Auch am Telefon untergeschobene Verträge hatten wieder Konjunktur. So waren etwa mit dem Versprechen, 1000 Euro gewonnen zu haben, Verbraucher zum Abschluss eines Zeitschriften-Abos gedrängt worden. Dies sei zur Abwicklung nötig, weil der vermeintliche Gewinn versteuert werden müsse. Hierzu waren Kontodaten der Opfer abgefragt worden. Erst mit Zusendung der Vertragsunterlagen war den am Telefon Überrumpelten klar geworden, dass sie auf eine Abzockmasche hereingefallen waren.

Einmal mehr hatten Kriminelle mit Hilfe gestohlener Daten im Internet auf Kosten ihrer Opfer eingekauft oder auf deren Namen Verträge abgeschlossen. Betroffene erfuhren vom Identitätsdiebstahl meist erst, wenn sie Rechnungen oder Inkassoschreiben erhielten oder unbekannte Abbuchungen auf ihrem Konto vorfanden. Die Beratungsstelle hat dubiosen Forderungen einen Riegel vorgeschoben.

Die Beratungsstelle ist wegen der Corona-Pandemie zurzeit nur per Telefon oder Mail erreichbar: , herne@verbraucherzentrale.nrw; www.verbraucherzentrale.nrw/herne

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