Brand in Notre-Dame

Auch Herner blicken mit großer Bestürzung nach Paris

Großen Schaden richtete am Montagabend das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame an. „Wir fühlen mit den Franzosen“, sagt Andrea Oehler,. Vorsitzende der Partnerschaftssektion Herne/Hénin-Beaumont.

Großen Schaden richtete am Montagabend das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame an. „Wir fühlen mit den Franzosen“, sagt Andrea Oehler,. Vorsitzende der Partnerschaftssektion Herne/Hénin-Beaumont.

Foto: Thierry Mallet, dpa

Herne.   Für Bestürzung sorgt der Brand von Notre-Dame auch in Herne. Der Wanner Pfarrer Thomas Horsch feiert dort mehrmals Gottesdienste.

Der verheerende Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris hat weltweit große Bestürzung, aber auch Solidarität ausgelöst. Thomas Horsch, Pfarrer von St. Joseph in der Gesamtpfarrei St. Christophorus Wanne-Eickel, hat die Berichte mit besonderer Anteilnahme verfolgt: Er ist Mitglied der internationalen Priestergemeinschaft Société Jean-Marie Vianney, mit Sitz im Ars-sur-Formans in der Region Auvergne-Rhône-Alpes und hat deshalb gute Kontakte nach Frankreich. Bis jetzt sei er noch nicht dazu gekommen, mit Mitbrüdern in Paris zu sprechen, sagte er im Gespräch mit der WAZ. Das wolle er aber über Ostern nachholen.

Die Kathedrale kennt er nicht nur als Tourist wie Millionen andere, er hat auch in Notre-Dame mehrmals Messen gefeiert und die Kirche mit Pfadfindergruppen aus Herne besucht. Er könne sich gut vorstellen, dass auch die Wanne-Eickeler Gemeinden ihren Beitrag zum Wiederaufbau der Kathedrale in „katholischer Solidarität über die Grenzen hinweg“ leisten würden. Entscheiden müssten darüber jedoch die kirchlichen Gremien, die erst nach Ostern wieder zusammen kämen.

Selbst Pfarrer einer denkmalgeschützten Kirche, hat Thomas Horsch den Brandschutz im Blick: „Wir sind auf dem neuesten Stand und erfüllen alle Auflagen der Feuerwehr“, sagt er. Trotzdem steigt er der markanten „Löwenkirche“ an der Hauptstraße immer mal wieder aufs Dach, um sich zu überzeugen, dass alles in Ordnung ist. Im Gegensatz zu Notre-Dame ruht das Dach der Löwenkirche aber nicht nur auf Holz, sondern auch auf einer Stahlkonstruktion.

Oehler: „Wir fühlen mit den Franzosen“

In regem E-Mail-Kontakt mit Frankreich steht zurzeit Brigitte Reimann von der Partnerschaftssektion Hénin-Beaumont. Allerdings aus einem ganz anderen Grund als dem Brand von Notre-Dame: Mit ihrem Pendant auf französischer Seite organisiert sie den Besuch von Bürgern der Partnerstadt im Mai in Herne. Ob die Herner den Wiederaufbau der Kathedrale zum Beispiel mit einer Spendenaktion unterstützen? Darüber werde sicher in der Vorstandssitzung nach Ostern gesprochen, so Brigitte Reimann. Es eile ja nicht. Der Wiederaufbau werde sicher Jahre dauern. Das fürchtet auch die Vorsitzende der Sektion, Andrea Oehler. „Wer Franzosen etwas kennt, weiß, was ihnen die Kathedrale bedeutet“, sagt sie. „Der Brand trifft wie ein Stich ins Herz.“ Sie selbst könne sich gut erinnern, wie beeindruckt sie schon als 23-Jährige von der Kathedrale gewesen sei: „Wir fühlen mit den Franzosen“, so Andrea Oehler.

Erstaunen über große Anteilnahme

Der katholische Pastor Meinolf Mika, zugleich einer von 14 Domkapitularen des Erzbistums Paderborn und damit Berater des Erzbischofs, zeigt sich erstaunt, mit welcher großen Anteilnahme Menschen rund um den Globus auf die Brandkatastrophe reagieren. Es sei bemerkenswert, dass zu Zeiten, in denen für viele Leute der Glaube keine große Bedeutung mehr habe, das Feuer in Notre-Dame die Menschen bewege. Die Kirche habe damit offensichtlich nur historisch betrachtet eine große Bedeutung, sondern sei auch ein Symbol für christliche Werte.

Noch ist nicht abschließend geklärt, was den Brand in Notre-Dame ausgelöst hat. Die Pariser Feuerwehr vermutet jedoch einen Zusammenhang mit Renovierungsarbeiten am Dach der Kathedrale, ein nicht unwahrscheinliches Szenario.

TÜV prüft regelmäßig katholische Kirchen

In Herner Gemeinden wird derzeit die Frage diskutiert, wie es um den Brandschutz für die Kirchen vor Ort bestellt ist. Dechant Norbert Johannes Walter erläutert, dass im Abstand von zwei bis drei Jahren Kirchengebäude vom TÜV überprüft und bei Mängeln Nachbesserungen vorgenommen würden. So haben beispielsweise zahlreiche Gotteshäuser Blitzschutzanlagen erhalten. Mario Polzer, Sprecher des Erzbistums, berichtete, dass für Sanierungen, bei denen Funkenflug entstehen könne, eine Brandwache vorgeschrieben sei, um mögliche Brandnester auch später zu erkennen.

Richtlinien der Landeskirche von Westfalen

Im Bereich der Evangelischen Landeskirche von Westfalen liegt die Verantwortung für den Brandschutz bei den einzelnen Kirchengemeinden, wobei es jedoch Richtlinien gibt. Das gilt nicht nur mit Blick auf Veranstaltungen, sondern auch auf die Gebäude selbst. So müssen Sachverständige regelmäßig die Elektro-Installationen prüfen. Kritisch sei auch zu prüfen, ob eine zusätzliche Beleuchtung wirklich nötig sei. Und nur Fachfirmen dürfen Elektroinstallationen in Kirchen durchführen, heißt es in der entsprechenden Verwaltungsordnung. Außerdem finden regelmäßig Begehungen durch Fachleute statt; dabei können auch externe Brandschutzsachverständige hinzugezogen werden. Stehen Umbauten an, werde der Brandschutz, wenn erforderlich, verstärkt.

Der Herner Anwalt mit Schwerpunkt Bau- und Architekturrecht, Heinrich Beestermöller, fordert indes den Gesetzgeber auf, im Baurecht nachzubessern. Denn Kirchen unterstehen nicht der Landesbauordnung, damit fehle die gesetzliche Handhabe, um Brandschutz zu verordnen, so der Jurist.

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