Coronavirus

Corona: Herner Paar bangt um Rückkehr von den Philippinen

Timo Marquardt und Vanessa Bladja sitzen zurzeit auf den Philippinen fest. Sie wissen nicht, wann sie zurück nach Deutschland fliegen können.

Timo Marquardt und Vanessa Bladja sitzen zurzeit auf den Philippinen fest. Sie wissen nicht, wann sie zurück nach Deutschland fliegen können.

Foto: Privat

Herne.  Backpacking auf den Philippinen: Was wie ein Traum klingt, wird für ein Herner Paar zum Albtraum. Der Zeitpunkt ihrer Rückkehr ist ungewiss.

Eigentlich sollte es eine unvergessliche Reise für Timo Marquardt und Vanessa Bladja werden. Unvergessen wird ihr Abenteuer sicher bleiben, jedoch nicht so, wie es sich das junge Paar aus Herne zu Beginn seiner Reise erhofft hat. Denn wegen des Coronavirus bangen die beiden nun um ihre Rückkehr nach Deutschland.

Am 7. März startete die Reise von Timo und Vanessa, die beide im vergangenen Jahr ihr Abitur in Herne gemacht haben. Von Deutschland ging es zunächst nach Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Nach einem kurzen Zwischenstopp auf der Insel Cebu ging es für sie nach Bohol, ihrem derzeitigen Aufenthaltsort. Eine kleine Insel mitten im Westpazifik. „Als wir in Deutschland gestartet sind, gab es natürlich schon das Corona-Thema“, sagt Timo in einem Telefon-Gespräch aus der Ferne mit der WAZ. „Allerdings hätten wir nie gedacht, dass wir dadurch irgendwann mal so betroffen sein werden wie jetzt.“

Denn: Viele philippinischen Inseln riegeln sich momentan komplett von der Außenwelt ab. Keiner kommt mehr drauf – und keiner runter. „Von Bohol fährt keine Fähre mehr nach Cebu“, sagt Vanessa. Von dort könnten sie nach Manila fliegen und dort auf einen Rückflug in die Heimat hoffen.

Herner fühlen sich von Botschaft im Stich gelassen

Die einzigen Fähren, die noch fahren, ließen nur Personen an Bord, die nachweislich nicht mit dem Coronavirus infiziert sind, berichten die beiden. Dies könne nur ein Arzt kontrollieren und bescheinigen. Zum Arzt dürften jedoch nur die Urlauber, die eine Bestätigung durch die deutsche Botschaft erhalten. Das haben Vanessa und Timo bisher nicht. „Wir fühlen uns absolut alleine gelassen von der Botschaft.“ Sie erhielten weder Informationen über mögliche Rückholflüge noch eine solch wichtige Bestätigung, um endlich auf eine Fähre zu kommen. „Es ist ein Teufelskreis.“

Ein weiteres Problem: Sie wissen nicht, wie lange sie noch in ihrem jetzigen Hotel auf der Insel Bohol bleiben können. Denn auf der Insel werde seit einigen Tagen alles geschlossen. „Es haben keine Restaurants mehr geöffnet und wenn wir uns von unserem Hotel entfernen, werden wir vom Militär aufgehalten“, erzählt Vanessa. Solange das Hotel nicht komplett schließt, sei jedoch alles gut, betont sie.

Hotelbesitzer erhöhen die Preise

Denn mittlerweile erhöhten viele Hotelbesitzer ihre Preise. Gerade auf der Insel Cebu, wo momentan sehr viele Urlauber auf einen Rückflug warteten, seien die Preise schon jetzt nicht mehr zu bezahlen – vor allem für Studenten. „Hier auf Bohol bezahlen wir gerade umgerechnet 20 Euro pro Nacht – auf Cebu sind es mittlerweile bis zu 80 Euro.“

An diesem Freitag, 27. März, soll nun endlich ein Flugzeug kommen und die ersten Deutschen zurückholen. Doch auch dieser kleine Hoffnungsschimmer sei schnell zunichtegemacht worden. „Erst holen sie Familien mit Kindern und Menschen über 60 Jahre“, erzählt Timo. Auch für das Wochenende seien weitere Flüge versprochen worden, „aber darauf kann man sich leider nicht verlassen – die Informationslage ist wirklich nicht gut.“

Auf der Insel gibt es momentan noch keinen Corona-Fall

Bis die beiden endlich einen Rückflug in die Heimat bekommen, hoffen sie nun, dass das Hotel nicht komplett abgeriegelt wird oder sie sich in Quarantäne begeben müssen. Da es bisher aber noch keinen einzigen Corona-Fall auf der Insel gebe, haben sie noch Hoffnung. „Hier gibt es auf jeden Fall striktere Maßnahmen als in Deutschland“, sagt Vanessa. „An jeder Ecke wird unsere Temperatur gemessen und das Militär passt auf, dass sich alle an die Regeln halten.“

Doch auch wenn die Fall-Zahlen in Deutschland und in Herne wesentlich höher liegen, wollen die beiden nur noch nach Hause zu ihren Familien, mit denen sie sich regelmäßig über den derzeitigen Stand austauschen. Auch bei finanziellen Engpässen würden sie ihnen im Notfall aushelfen.

Nun hofft das Pärchen, dass es erst gar nicht soweit kommt. „Und wenn wir mal ehrlich sind: Es hätte uns auch schlechter treffen können“, sagt die 19-Jährige. „Man könnte wirklich sagen: Wir sind im Paradies gestrandet.“

Anmerkung der Redaktion: In einer älteren Version des Textes wurde die Insel Cebu fälschlicherweise als Tibu bezeichnet. Wir bitten um Entschuldigung.

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