Ausbildung

Deutliche Verbesserung auf dem Herner Ausbildungsmarkt

Azubi-Speeddating im Innovationszentrum im September. Dieses und neue Formate sollen dazu beitragen, Betriebe und Bewerber noch passgenauer zusammenzubringen.

Azubi-Speeddating im Innovationszentrum im September. Dieses und neue Formate sollen dazu beitragen, Betriebe und Bewerber noch passgenauer zusammenzubringen.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  Die positive Lage auf dem Arbeitsmark spiegelt sich auch bei der Ausbildung: Der Bewerberüberhang ist leicht zurückgegangen.

Der 30. September markierte den offiziellen Schlusspunkt der Ausbildungsjahres. Und in Herne spiegelt sich der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt auch beim Thema Ausbildung. Dennoch bleiben Probleme.

So sieht die Bilanz in Zahlen aus: In Herne gab es nach Angaben der Agentur für Arbeit im abgelaufenen Ausbildungsjahr 1727 Bewerber, das sind 39 weniger als im Vorjahr. Davon sind aktuell noch 141 unversorgt. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen stieg um 102 auf nun 905. Davon sind noch 130 unbesetzt. Die Schere zwischen Stellen und Bewerbern hat sich leicht geschlossen. 2018 kamen auf 100 Bewerber 45 Lehrstellen, nun sind es 52. Deshalb sprach Agentur-Chef Frank Neukirchen-Füsers bei der Vorstellung der Zahlen davon, dass es 1:2 auf dem Ausbildungsmarkt stehe. Doch an dieser Stelle wies Neukirchen-Füsers darauf hin, dass die Relation freundlicher ausfällt, wenn man auch jene jungen Menschen betrachte, die nicht in einer dualen Ausbildung, sondern in einer schulischen, zum Beispiel in den Pflegeberufen.

Oberbürgermeister deutet Chancen auf Wiederansiedlungen an

Für Neukirchen-Füsers ist das Zusammenfinden von Unternehmen und Bewerbern die größte Herausforderung, gerade weil es Ziel sein müsse, das Potenzial an Ausbildungsstellen in Herne auszuschöpfen.

Dieses Potenzial könnte im kommenden Jahr wachsen, wenn es nach den Worten von Oberbürgermeister Frank Dudda. Es gebe zurzeit gute Gespräche mit großen Unternehmen, die sich vielleicht wieder in Herne ansiedeln. Sollte dies gelingen, könnte sich dies in der Ausbildungsbilanz im nächsten Jahr schon bemerkbar machen. Die Strategie der schrittweisen Verbesserung trage Früchte, das Bündnis für Arbeit leiste gute Arbeit. Dennoch gebe es Probleme - etwa jungen Menschen klar zu machen, dass sich Ausbildung lohnt.

Bis 2030 fehlen über 8000 Fachkräfte im Mittleren Ruhrgebiet

Die Bilanz des Handwerks, so Martin Klinger, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, wirke sich auf den ersten Blick eher schwach, weil für Herne zum Stichtag zehn Ausbildungsverträge weniger zu Buche stehen als im Vorjahr. Doch es seien noch nicht alle Verträge gemeldet worden, so dass sich auch hier ein positiver Trend bemerkbar mache, der die negative Entwicklung bei Bäckern oder Fleischern kompensiere.

Kerstin Groß von der IHK Mittleres Ruhrgebiet freut sich, dass es trotz des hohen Niveau des Vorjahrs erneut 3,5 Prozent mehr abgeschlossene Ausbildungsverträge in den IHK-Berufen gebe. Dass 130 Lehrstellen noch nicht besetzt seien, bestärke sie in der Auffassung, dass das sogenannte Matching noch intensiviert werden muss. Groß: „Ausbildung ist kein Selbstzweck“, so Groß, „bis 2030 werden über 8000 Fachkräfte im Mittleren Ruhrgebiet fehlen“.

Akteure denken über neue Formate zur besseren Passgenauigkeit nach

Dirk Erlhöfer, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände, lobt die Stadt dafür, dass sie es schafft auch Produktionsbetriebe anzusiedeln und nicht einseitig auf den Sektor Gesundheit setzte. Er fordert, dass sich Firmen bekannter machen müssten, um Bewerber zu finden.

Stefan Marx (DGB) erinnerte daran, dass Herne noch vor einigen Jahren gerade bei der Ausbildung als abgehängt galt, umso erfreulicher sei die Entwicklung. In Richtung Unternehmen sagt er: „Man schmeißt seine Zukunft weg, wenn man nicht ausbildet.“

Alle Akteure sind sich einig, dass die Passgenauigkeit zwischen Bewerbern und Betrieben erhöht werden müsse. Dazu sollen neue Formate und Mittel genutzt werden. So kündigte Neukirchen-Füsers an, dass Jugendliche demnächst Ausbildungsberufe mit einer 3D-Brille hautnah kennenlernen können, im Handwerk denkt man über Trainer nach, die den Betrieben bei der Ausbildung helfen, um einen Abbruch zu verhindern.

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