Metzgerei 2.0

Fleischerei Löken in Herne setzt auf Verkauf per Mausklick

Fleischermeister Christian Mehle und seine Mutter Inez haben die Fleischerei Löken an der Dorneburger Straße in Wanne neu eröffnet. Er setzt aber vor allem auf das Online-Geschäft.

Fleischermeister Christian Mehle und seine Mutter Inez haben die Fleischerei Löken an der Dorneburger Straße in Wanne neu eröffnet. Er setzt aber vor allem auf das Online-Geschäft.

Foto: Kathrin Meinke

Herne.   Viele Metzgereien schließen, die Fleischerei Löken hat in Wanne neu eröffnet. „90 Prozent meine Umsatzes verdiene ich online“. Die Metzgerei 2.0.

Die Metzgerei Tonn hatte eine lange Tradition in Wanne. Nun hat Christian Mehle die Fleischerei übernommen und führt sie unter neuem Namen in die Zukunft. Der 44-Jährige eröffnete Anfang Mai an der Dorneburger Straße die Fleischerei Löken und möchte Traditionen wahren, dabei aber auch ganz neue Wege gehen. Er setzt stark auf das Online-Geschäft und verschickt Steaks und Aufschnitt quer durch die Republik.

Der Bueraner kam durch einen Schicksalsschlag nach Wanne-Eickel. Es ist der 11. März, als Christian Mehle, der 2011 die Gelsenkirchener Traditionsfleischerei Löken übernommen hat, einen Anruf erhält. „Am Telefon wurde mir gesagt, dass das Haus brennt. Wir standen kurz vor dem Existenz-Aus“, erinnert er sich. Denn das Gebäude in Gelsenkirchen sei seitdem zum Teil einsturzgefährdet. „Wir mussten uns einen neuen Wirkungskreis suchen“, so Mehle. Denn die Auftragsbücher für den Partyservice seien voll. Er hört sich um, telefoniert rum und möchte Rat bei seinem Kollegen Heinz Tonn holen, den er vom Schlachthof und vom Wochenmarkt in Buer kennt.

Fleischerei Löken zieht ihn Metzgerei Tonn

„Seine Frau sagte mir dann, dass ihr Mann im Januar verstorben sei.“ Acht Wochen später eröffnet Christian Mehle in Wanne. Doch nicht nur die Einrichtung erinnert noch an vergangene Zeiten, auch an der Fassade weist ein Schild über dem Eingang auf seinen Vorgänger hin. „Das lassen wir zu seinen Ehren auch dran.“

Aber Mehle muss auch nach vorne blicken, neue Konzepte entwickeln. „Die Metzgereien werden immer weniger“, sagt er. „Kleinen Metzgereien werden immer mehr Stöcke zwischen die Beine geworfen als den großen.“ Drei Monate sei er Abteilungsleiter in einer Fleisch-Fabrik gewesen, „aber da möchte ich nicht wieder hin.“ Auch bei ihm ist die abgepackte Billig-Konkurrenz in Form eines Discounters gleich nebenan.

Theken-Verkauf macht nur 10 Prozent aus

Dabei seien die Fleischpreise gar nicht so unterschiedlich. „Die Leute müssen auf den Kilopreis gucken“, betont er. Denn die Preise seien Mogelpreise. Der Verkauf über die Theke läuft eher schleppend, mache nur zehn Prozent des

Umsatzes aus. Mehle setzt deshalb auf viele Pferde: Neben der Fleischerei gibt es einen Mittagstisch, Essen auf Rädern und einen Partyservice. 364 Tage im Jahr ist er dafür im Einsatz. Nur am Ersten Weihnachttag arbeitet der Vater von vier Kindern nicht. Ansonsten muss die Familie mit anpacken, besonders in den Frühlingsmonaten, wenn für Hochzeiten, Taufen oder Kommunionen Buffets bestellt werden.

Er setzt aufs Internet: „90 Prozent meines Umsatzes verdiene ich inzwischen online.“ Neben dem Partyservice betreibt er auch einen Online-Shop, über den die Metzgerei vom schwedischen Flinta Steak bis zur Bratwurst alles verkauft. „Wir verschicken deutschlandweit Fleisch – von München bis Rostock“, sagt Mehle. Mit dem DHL-Express werde die Ware binnen 24 Stunden in einer Kühlbox ausgeliefert.

Fleisch wird deutschlandweit verschickt

Aber das Online-Geschäft habe auch Schattenseiten. „Viele versuchen, einen mit schlechten Bewertungen zu erpressen“, beklagt er. Dennoch bleibt er diesem Vertriebssystem seit drei Jahren treu. Und gemeinsam mit seiner Mutter Inez möchte er sein Geschäft weiter expandieren: „In den nächsten ein bis zwei Jahren wollen wir auch nach Holland und Belgien liefern.“

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