Theater

Herner „#8Stunden Microfestival“ feiert gelungene Premiere

Hypochonder Frank Mol googelt seine Krankheitssymptome.

Hypochonder Frank Mol googelt seine Krankheitssymptome.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  Das „#8Stunden Microfestival“ fand am Samstag zum ersten mal in den Flottmannhallen statt. Jugendliche haben Stücke selbst entwickelt.

In den Flottmann-Hallen fand am Samstag ab 14 Uhr zum ersten Mal das „#8Stunden Microfestival“ des Theater Kohlenpott statt – trotz des Sonnenscheins fanden viele Besucher in die Straße des Bohrhammers.

Ein knappes halbes Jahr hatten Mitarbeiter des Theater Kohlenpott das Festival geplant, bei dem etwa dreißig Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren zwei Theaterstücke und zwei Performances aufführen, erzählt die betreuende Theaterpädagogin Carina Langanki.

Theaterstück mit Video-Einspielern

„Cyberchonder“ dreht sich um den Hypochonder „Frank Mol“, gespielt von Phillip Dittmann, der seine vermeintlichen Krankheitssymptome googelt und sich in sie reinsteigert. Er nimmt immer wieder Updates-Videos zu seinen Symptomen auf und postet sie auf Instagram. Das Stück ist nicht nur dramatisch, sondern auch humoristisch und dabei äußerst modern konzipiert: Es werden immer wieder Videos von anderen Usern eingespielt, die auf die Krankheits-Updates mit kuriosen Ratschlägen antworten, wie beispielsweise: „Iss täglich 13 Mandarinen um Krebs zu heilen“.

Auffallend ist, dass die sechs Mitwirkenden (neben Dittmann beispielsweise die Figur „Sie“/ Marie Eick-Kerssenbrock und „Kathrin“/ Hanna Haber) äußerst glaubwürdig spielen. Und das bei schwierigen Voraussetzungen: Vier der sechs mitwirkenden Jugendlichen spielen nämlich nicht nur eine, sondern jeweils vier Rollen.

Zudem wurde das Stück von den Jugendlichen im Zuge des Projekts „Regielabor“ selbstständig konzipiert und eingeprobt. „Bis zum 1. November kann man sich mit einer eigenen Idee bei uns bewerben und bekommt dann ab Dezember unsere Proberäume und Bühne zur Verfügung gestellt. Wir feiern dann ab Juni mit ihrem Stück Premiere“, erklärt Carina Langanki. Dabei seien übrigens alle Angebote des Theater Kohlenpott kostenlos, ergänzt Theaterleiterin Gabriele Kloke, „denn zum Erwachsenwerden gehört nicht nur Schulbildung und Sport, sondern auch kulturelle Bildung.“

Um 17 Uhr startet die offene Bühne des Festivals, bei dem Jugendliche des „Kunstcamps“, ein Projekt von zehn NRW-Städten, auftreten. Annika Bode spricht als „Ida“ ihren Poetryslam-Text zur Musik der Band „Windfarben“, außerdem trägt Merle Osterhoff ihren Text zur Musik der Band „BeFlat“ vor – noch um 15.30 Uhr schreibt sie dafür ihren Text um. Langanki: „Genau das wollen wir. Spontane Dinge fördern die Kreativität.

„Multitude“: Performance mit Interpretationsmöglichkeit

Das Performance-Spiel „Multitude“, das um 18:30 Uhr startet, ist der Höhepunkt des diesjährigen Kooperationsprojekts „Europefiction“, das aus dem Projekt „pottfiction“ entstanden ist. Hierfür arbeitete die Europefiction-Gruppe aus Herne mit dem Jugend-Theater „La Baracca“ aus Bologna in Italien zum Thema „Diversität“ zusammen. „Während der Osterferien sind wir nach Bologna gefahren und haben mit den italienischen Jugendlichen unsere Ideen zum Thema ‘Vielfalt’ miteinander verwoben“, berichtet die Mitwirkende Jola Preukschat. Das 45-Minuten-Stück sei bereits während des „Sommercamps“ am Consol Theater in Gelsenkirchen mit Erfolg aufgeführt worden, berichtet der Mitwirkende Baker Tarchichi stolz. Das Besondere: „Multitude“ sei eine Performance, die den Zuschauern die Möglichkeit gebe, vieles selbst zu interpretieren, beispielsweise die „Message“ des Stücks, meint Baker Tarchichi. Für ihn sei es die Aussage, dass anders zu sein nicht schlimm sei. „Vor Diversität muss man sich nicht fürchten, sagt auch seine Mitspielerin Jola Preukschat. Und: „Wenn man gemeinsam Vielfalt erreicht, ist das etwas Schönes.“

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