Serie Powerfrauen

Herner Ärztin fand ihr Glück in der Selbstständigkeit

Die Arbeit als Angestellte im Krankenhaus hat Andrea Wonhöfer ausgebrannt. Als selbstständige Ärztin sei sie nun flexibler und habe einen größeren Gestaltungsspielraum.

Die Arbeit als Angestellte im Krankenhaus hat Andrea Wonhöfer ausgebrannt. Als selbstständige Ärztin sei sie nun flexibler und habe einen größeren Gestaltungsspielraum.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Herne.  Die Hernerin Andrea Wonhöfer ist Ärztin in der Praxisgemeinschaft Schloss Strünkede. In der Selbstständigkeit sieht sie viele Vorteile.

Andrea Wonhöfer ist seit viereinhalb Jahren selbstständige Ärztin und arbeitet in der Praxisgemeinschaft Schloss Strünkede gemeinsam mit Dr. Iris Veit, Dr. Verena Fertmann sowie Julia Hünges als angestellte Ärztin. „Bei meiner Arbeit ist es mir wichtig, mir Zeit für meine Patienten zu nehmen, ihnen zuzuhören und den Körper ganzheitlich zu betrachten“, sagt Andrea Wonhöfer. Denn oftmals spielten psychosomatische Faktoren bei den Erkrankungen ihrer Patienten eine Rolle. Die Arbeitslast und die Ansprüche an sich selbst hätten in der heutigen Leistungsgesellschaft zugenommen. Auch die ständige Erreichbarkeit könne belastend sein.

Andrea Wonhöfer studierte in Bochum und Bonn Medizin, arbeitete parallel in der Pflege. Als sie damals auf Jobsuche ging, waren diese rar gesät. „Heute kann man sich das für den Gesundheitssektor gar nicht mehr vorstellen, aber ich bin in den 60ern geboren und gehöre damit zu einem geburtenstarken Jahrgang“, so die Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie.

Von Niederbayern zurück ins Ruhrgebiet

Für eine Stelle, zunächst als Ärztin im Praktikum, dann als Assistenzärztin der Inneren Medizin, zog es sie für sechs Jahre vom Ruhrgebiet nach Niederbayern. „Dann wurden meine Eltern krank und ich zog wieder zurück“, so Andrea Wonhöfer. Sie fand eine Anstellung im Marienhospital als Assistenzärztin zur Weiterbildung zur Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und machte im Verlauf die Facharztprüfung. Dort operierte sie Herzschrittmacher und Defibrillatoren. Als dann jedoch jemand anderes an ihr vorbei zum Oberarzt ernannt wurde, wollte sie einen anderen Weg einschlagen. „Fehlende Wertschätzung war damals der Grund für meine Entscheidung“, sagt die 55-Jährige, die in Wanne-Eickel lebt.

Nach einer Zwischenstation als angestellte Ärztin in einer Herner Praxis, begann sie als Selbstständige in der Praxisgemeinschaft Schloss Strünkede zu arbeiten. Die Mitglieder des Herner Ärztinnennetzes und Dr. Iris Veit hätten ihr damals Mut gemacht, diesen Schritt zu wagen. Frauen, die ebenfalls Ärztin werden wollen, rät sie, die Selbstzweifel abzulegen und gemeinsam mit anderen Frauen im Team zu arbeiten. Heute sei sie glücklicher als im Angestelltenverhältnis, auch wenn sie nicht weniger arbeite: „Die Selbstständigkeit hat viele Vorteile.“ Dazu zählten mehr Flexibilität und Gestaltungsspielraum. Zu schaffen mache ihr nur der hohe Verwaltungsaufwand.

Andrea Wonhöfer stand kurz vor einem Burnout

Nach der Zeit im Krankenhaus, in der sie viele Überstunden machte, sei sie ausgebrannt gewesen, habe kurz vor einem Burnout gestanden, auch weil sie sich nebenbei um ihre kranken Eltern kümmern musste. „Dabei muss man sich auch als Arzt um Selbstvorsorge kümmern“, so Andrea Wonhöfer, die nun als Ausgleich zu ihrem Beruf Aquafitness betreibt und gern für sich musiziert.

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