Gesundheit

Herner Arzthelferin übernimmt Hausbesuche - ohne Arzt

Sandra Böhme misst den Blutdruck einer Patientin.

Sandra Böhme misst den Blutdruck einer Patientin.

Foto: Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Herne.  Die Arzthelferin Sandra Böhme macht ab sofort Hausbesuche - ohne den Arzt. Dank einer Weiterbildung kann sie einen Teil der Aufgaben übernehmen.

Wer nicht mehr fit genug ist, um selber den Arzt aufzusuchen, ist dankbar für jeden Hausbesuch. Dabei muss es aber nicht immer der Arzt sein, der zu den Patienten nach Hause kommt. Mit der Weiterbildung zur „Entlastenden Versorgungsassistentin“, kurz EVA, können Arzthelferinnen bzw. Medizinische Fachangestellte einen Teil der Aufgaben bei Hausbesuchen übernehmen und somit für Entlastung auf beiden Seiten sorgen. Die gebürtige Hernerin Sandra Böhme hat vor kurzem ihre Weiterbildung abgeschlossen.

„Ich habe den Turbo eingelegt“, erklärt die 33-Jährige, die mittlerweile in Herten lebt. Die meisten brauchten zwischen einem und eineinhalb Jahren für die Weiterbildung. Sandra Böhme war nach fünfeinhalb Monaten fertig. „Ich bin ungeduldig und wollte schnell fertig werden.“ Ihr Tatendrang ist fast greifbar, wenn sie von ihrer Arbeit berichtet. Seit 15 Jahren ist sie Arzthelferin, leitet fast genauso lange die Praxis von Dr. Dirk Block in Herne. Nebenbei macht sie eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin, ist ehrenamtlich im Tierschutz tätig.

Entlastung für Arzt und Patienten

„Die EVA ist eine der besten Weiterbildungen, die man machen kann“, begründet sie ihren Schritt. „Denn sie entlastet zum einen den Arzt und den Praxisalltag, ermöglicht aber auch, dass nicht mobile Patienten engmaschiger und einfacher versorgt werden können.“ Zu ihren Aufgaben zählen beispielsweise Blutabnahmen, Impfungen, Wundversorgung sowie die Ermittlung von kognitiven, physischen, psychischen und sozialen Fähigkeiten, Ressourcen und Defiziten mit Hilfe standardisierter Tests. Vieles mache sie in Eigenregie.

„Man muss aber immer wissen, wo seine Grenzen sind“, betont sie. So dürfe sie nicht einfach eine Medikation ändern. „Wenn der Patient Probleme schildert, die beispielsweise eine höhere Dosierung erfordern, kläre ich das per Telefon mit dem Arzt ab. Wir verstehen uns blind.“ Sandra Böhme prüft Krankheitsverläufe. Sollte eine Akuterkrankung vorliegen, fährt nach wie vor der Arzt raus.

Weiterbildung neben der Arbeit

Ihre Weiterbildung hat Sandra Böhme neben der Arbeit an der Akademie für medizinische Fortbildung in Münster gemacht. „Das war schon etwas anstrengend, vor allem mittwochs, wenn ich nach der Arbeit nach Münster fahren musste und erst abends um zehn wieder zu Hause war.“ Die Unterstützung durch ihre Kollegen hat vieles leichter gemacht. Bezahlt hat die Fortbildung Dr. Block. „Man kann aber auch Bildungsgutscheine dafür beantragen.“ Von Vorteil für Ärzte sei, dass EVA-Besuche mit den Kassen abgerechnet werden können.

Wenn sie Blut abnehmen muss, ist die engagierte Arzthelferin schon früh morgens unterwegs. „Das Blut wird um 9 Uhr in der Praxis abgeholt.“ Für die Patienten sei es anfangs etwas verwunderlich gewesen, dass Sandra Böhme alleine zur Wundversorgung kommt. „Aber die meisten kenne ich schon lange. Da ist die Vertrauensbasis da.“ Schön sei, dass sie durch ihre EVA-Besuche auch Kontakt zu Patienten halten kann, die es nicht mehr in die Praxis schaffen. Die Besuche dauern zwischen 20 und 45 Minuten, je nach Aufwand. „Viele freuen sich über einen Plausch. Da schaue ich nicht immer auf die Uhr. Meine Kollegen halten mir den Rücken frei.“

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