Bezirksvertretung

Keine Fliegenplage: Stadt Herne will Untersuchung einstellen

Anwohner kritisieren, dass sie bei hohen Temperaturen im Freien regelmäßig nicht essen können: Sofort machten sich viele Fliegen auf dem Essen breit.

Anwohner kritisieren, dass sie bei hohen Temperaturen im Freien regelmäßig nicht essen können: Sofort machten sich viele Fliegen auf dem Essen breit.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Bürger in Herne beschweren sich seit Jahren über eine Fliegenplage. Das sieht die Stadt anders. Warum sie nun das Kapitel abschließen will.

Die Stadt Herne will nicht weiter gegen das erhöhte Fliegenaufkommen in Baukau-West und Crange vorgehen. Es gebe keine Fliegenplage, begründet die Stadt. Die Tierchen gebe es im gesamten Stadtgebiet: „Damit müssen wir uns arrangieren“, sagt Mitarbeiter Daniel Wirbals. Anwohner reagieren entsetzt.

In den vergangenen Jahren haben Bürger der beiden Stadtteile regelmäßig Alarm geschlagen – immer dann, wenn es draußen wärmer wurde. Gegenüber der WAZ, aber auch im Internet berichteten sie wiederholt von Heerscharen an Fliegen, die sie heimsuchten. Wohnungen, Balkone und Gärten seien zeitweise voll von den Tierchen. Untermauert haben sie das mit Fotos und Videos. Kurz: Die Fliegenplage sei unerträglich.

Vor zwei Jahren hieß es noch bei der Stadt, dass der Verursacher für die vielen Fliegen gefunden sei: ein Abfallentsorger an der Hafenstraße. Nun beurteilt die Verwaltung die Lage völlig anders: „Wir können keine Fliegenplage bestätigen“, sagte Daniel Wirbals, stellvertretender Leiter des städtischen Fachbereichs Stadtplanung und Umwelt, in der Bezirksvertretung Wanne. Mehr noch: Es gebe gar keine Quelle, die für ein vermehrtes Fliegenaufkommen verantwortlich sein könnte.

Stadt: Stubenfliegen kommen überall in Herne vor

Bei den Fliegen, die Anwohner bei der Stadt eingereicht hätten, handele es sich um ganz normale Stubenfliegen, sagte Wirbals am Dienstag in der Bezirksvertretung. Das habe eine Untersuchung von Experten ergeben. Diese Stubenfliegen kämen überall in Herne vor. Die Stadt habe „alles Menschenmögliche“ getan, um den Anwohnern zu helfen.

So seien in Baukau-West und Crange immer wieder Kontrollen in den umliegenden Enstorgungsbetrieben durchgeführt worden, auch unangekündigt und zu verschiedenen Tageszeiten. Außerdem habe sie mehrfach Anwohner besucht. Das Ergebnis sei stets das gleiche gewesen: Mehr Fliegen als üblich seien nie aufgefallen. Die Maßnahmen der Unternehmen im Umkreis, also das Versprühen von Insektiziden, scheine also zu wirken.

Für die Stadt ist die Angelegenheit damit erledigt: „Wir haben keine weitere Handlungsmöglichkeit.“ Andere Städte, sagte er, hätten sich erst gar nicht mit dem Fall beschäftigt.

Anwohnerin: 223 Bürger bilden sich das nicht einfach ein

Anwohnerin Kirsten Neumann, Gast in der Bezirksvertretung, gab sich damit nicht zufrieden. Seit Jahren würden die Bürger in dem Gebiet von den Fliegen heimgesucht, nun werde ihr Anliegen „einfach abgeschmettert“. 223 Menschen bildeten sich nicht einfach etwas ein, betonte sie. Damit spielte sie auf eine Liste mit 223 Unterschriften an, die Anwohner in diesem Sommer an die Stadt übergaben. Damit baten sie die Verwaltung um Hilfe gegen die „Fliegenplage“. Im kommenden Jahr, fürchtet Neumann, kommen die Tierchen erneut, „und dann haben wir das Problem wieder“.

Das sagen auch andere Nachbarn. Sie kritisieren, dass die Stadt nichts weiter unternehmen will. „Ich bin ehrlich gesagt ziemlich sauer auf diese Leute, die ja eigentlich unsere Interessen wahren sollen“, sagt ein Betroffener. Eine andere Anwohnerin sagt: „Erst halten sie uns hin, dann schieben sie die ganze Chose unter den Tisch.“

Noch nicht abschließen wollte dagegen Günter Nierstenhöfer (Piraten) das Kapitel; er hatte das Thema auf die Tagesordnung der Bezirksvertretung setzen lassen. Er schlug vor, dass die Anwohner eine Art Tagebuch führen – mit Ort und Uhrzeiten, wann die Fliegen vermehrt auftauchen. Auch Volker Bleck, stellvertretender Fraktionschef der SPD im Herner Rat, meldete sich zu Wort. Er schlug vor, sich bei anderen Kommunen umzuhören und Lösungsmöglichkeiten für die Bürger vor Ort zu finden. Davon hält die Stadt nicht viel. „Der Fall ist für uns abgeschlossen“, stellte Wirbals klar.

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