Lärmspaziergang

Lärmdetektive erkunden Geräusche in Wanne-Süd

Vögel, Autos, Kirchenglocken: Auf dem Lärmspaziergang achten die Kinder auf ihren Umgebungslärm.

Vögel, Autos, Kirchenglocken: Auf dem Lärmspaziergang achten die Kinder auf ihren Umgebungslärm.

Foto: Klaus Pollkläsener

Herne.  Auf den Spaziergängen sollen Kinder die Geräusche ihrer Umgebung wahrnehmen. Die kleinen Teilnehmer tragen ihre Eindrücke auf Tablets ein.

„Was hört ihr?“, fragt Studentin Lisa Schoppers-Roes die kleinen Geräuschdetektive. Zu fünft sitzen die Sieben- bis Neunjährigen auf einer Bank direkt an der Hauptstraße in Wanne-Süd, Höhe Heisterkamp, und schließen die Augen. „Ich höre die Straßenbahn, Autos, Motorräder und Lkws“, sagt Maria (9) nach einer kurzen Weile des Innehaltens. „Ich höre auch Naturgeräusche“, sagt Zinah (9). „Findet ihr es hier sehr laut?“, fragt die 24-jährige Studentin ihre Probanden. „Normal laut“, befindet die kleine Gruppe, alle samt Schüler der Europaschule, einstimmig. Ihre Eindrücke tragen sie in einen kindgerechten Fragebogen auf einem Tablet ein.

Die Kinder machen einen Lärmspaziergang durch das Quartier, werden dabei zu Geräuschdetektiven. An verschiedenen Stationen sollen sie genau auf den Umgebungslärm achten, diesen beschreiben und bewerten. „So können sie sich mit dem alltäglichen Lärm in ihrer Umgebung auseinandersetzen“, sagt Schoppers-Roes. Schulsozialarbeiter David Lehnerer ist als Aufsicht mit dabei.

Mit der Gesundheitsförderung der Stadt Herne führt Lisa Schoppers-Roes das Projekt im Rahmen des Quartiersprojektes „First Mover für mehr Lebensqualität in Wanne-Süd“ durch. Seit Anfang April organisiert sie Spaziergänge mit Kindern der OGS der Europaschule, der Freiherr-vom-Stein Grundschule und dem Jugendzentrum Heisterkamp. Die Ergebnisse der Befragung – insgesamt 55 Datenbögen – wertet Lisa Schoppers-Roes, die an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve „Gesundheitswissenschaften und -management“ studiert, für ihre Masterarbeit aus. Die Erhebung basiert auf einer Methode der Hochschule für Gesundheit Bochum, die das Projekt unterstützt und die Tablets zur Verfügung stellt.

Für Alltagslärm sensibilisieren

„Auch wenn Lärm nicht stinkt oder strahlt, herrscht er in unserer täglichen Umwelt und beeinflusst unsere Gesundheit“, sagt die Studentin. Vor allem Kinder und Jugendliche wüssten häufig nicht, welche langfristigen Auswirkungen eine Beschallung der Ohren haben könne. Mit dem Lärmspaziergang wolle man für dieses Thema sensibilisieren. Den nächsten Halt machen die Geräuschdetektive vor dem Stöberlädchen „Pusteblume“, Ecke Kurhausstraße/Langekampstraße. Der Verkehrslärm hat im Vergleich zur ersten Station zugenommen. Das merken auch die Kinder. „Man hört auch die Glocken der Kirche“, bemerkt Maria.

Ziel sei es, die Erkenntnisse zum subjektiven Lärmempfinden der Kinder künftig im Projekt „First Mover“ sowie in der Lärmaktions- und Stadtplanung gezielt einzusetzen. Neben dem Empfinden der Geräuschkulisse an den verschiedenen Stationen wird das allgemeine Lärmempfinden im Alltag abgefragt. Wo ist es laut für dich? Und wie fühlst du dich dann? Auf dem Sportplatz sei es oft laut, findet Fabian (7): „Wenn es laut ist, kann ich mich nicht konzentrieren.“ Und wo gibt es im Alltag der Kinder noch Lärm? Auf dem Schulhof und am Flughafen, findet Mika (9): „Wenn es zu laut ist, sage ich den Kindern, dass sie leiser seien soll. Wenn das nicht klappt, gehe ich woanders hin. Manchmal geht das nicht anders.“

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