Prozessauftakt

Missbrauch: Frau soll behinderte Enkelin ausgeliefert haben

Über das Internet wurden Pornobilder ausgetauscht.

Über das Internet wurden Pornobilder ausgetauscht.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Herne.  Eine Hernerin steht vor Gericht: Sie soll ihrem Partner erlaubt haben, ihre behinderte Enkelin zu missbrauchen. Das soll sie fotografiert haben.

Das bedrückende Missbrauchs-Schicksal eines schwerbehinderten Mädchens aus Herne beschäftigt noch einmal das Bochumer Landgericht. Sieben Monate nach der Verurteilung des Haupttäters steht seit Donnerstag die Großmutter der heute Sechsjährigen vor Gericht: Die 61-jährige Wannerin soll das Kind ihrem Partner zu sexuellen Handlungen überlassen und den Übergriff fotografiert haben.

Bereits während der Anklageverlesung brach die Angeklagte immer wieder in Tränen aus, vergrub verschämt ihr Gesicht in beiden Händen und tupfte sich zwischendurch die verweinten Augen mit einem Taschentuch trocken. Danach legte Verteidiger Heinrich Hendricks für die 61-Jährige sofort ein weitreichendes Geständnis ab. „Meine Mandantin bedauert das Ganze außerordentlich“, erklärte der Wanner Rechtsanwalt. Die 61-Jährige habe seinerzeit in einem „sehr großen Abhängigkeitsverhältnis“ zu ihrem Partner gestanden.

Haupttäter wurde bereits verurteilt

Am fraglichen 28. Dezember 2018 habe sie das schwerbehinderte Enkelkind (damals 5) gerade gewickelt, als sie von ihrem Partner (51) und dessen sexuellen Handlungen an dem Mädchen schon ein wenig überrascht worden sei. Letztlich müsse sie sich aber natürlich vorwerfen lassen, den „spontanen“ Übergriff auch nicht unterbunden zu haben. „Deswegen macht sie sich auch heute noch enorme Vorwürfe“, so Verteidiger Heinrich Hendricks. Nicht zuletzt deshalb, weil die Angeklagte dem 51-Jährigen ein Gefallen tun wollte, habe sie dann auch noch seinem Drängen nachgegeben und den Kindesmissbrauch mit dem Handy fotografiert.

Gegen den Haupttäter hatte eine andere Strafkammer am Bochumer Landgericht am 16. April eine Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten verhängt. Erst durch das schonungslose Geständnis des 51-Jährigen in diesem Prozess war damals ans Licht gekommen, dass mit der nun angeklagten Großmutter eine mutmaßliche Mittäterin in den schrecklichen Übergriff verstrickt gewesen sein soll. Die Staatsanwaltschaft intensivierte daraufhin die Ermittlungen und erhob schließlich eine Anklage, die es in sich hat. Denn danach geht es nicht allein um den fotografierten Übergriff auf das schwerbehinderte Mädchen, sondern auch um den Austausch von Dutzenden Kinderpornobildern mit real erfolgten Missbrauchs-Szenen, die laut Anklage auf zwei Smartphones der Wannerin in einem WhatsApp-Chat mit ihrem Lebenspartner entdeckt worden waren. Auch in diesem Punkt zeigte sich die 61-Jährige geständig.

Mit Partner hat die Angeklagte nicht gebrochen

Die Verteidigung verwies aber auch mit Blick auf den Pornobilder-Tausch auf einen angeblichen Gefallen für den Partner mit pädophilen Neigungen: „Eigene Motivationen standen nicht dahinter“, hieß es. Mit dem bereits verurteilten Sexualstraftäter hat die 61-Jährige bis heute übrigens keinesfalls gebrochen. „Sie hofft, dass er durch eine Therapie von den Neigungen wegkommt, um mit ihm irgendwann weiter eine Beziehung führen zu können“, sagte der Verteidiger. Andere soziale Kontakte seien mit wenigen Ausnahmen nicht mehr vorhanden. Fast die komplette Nachbar- und Verwandtschaft habe sich nach Bekanntwerden des sexuellen Übergriffs von ihr abgewendet. Verteidiger Hendricks: „Sie steht mehr oder weniger alleine da.“

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