Gericht

Nach Messerattacke in Herne steht 24-Jähriger vor Gericht

Blick in einen Verhandlungssaal im Justizzentrum Bochum.

Blick in einen Verhandlungssaal im Justizzentrum Bochum.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Herne.  „Beiß’ ins Gras“ soll der Angeklagte (24) seinem schwer verletzten Opfer gesagt haben. In Bochum begann am Montag der Prozess gegen den Herner.

Nach einer beinahe tödlichen Messerattacke am Hölkeskampring muss sich seit Montag einer von zwei mutmaßlichen Tätern vor dem Bochumer Schwurgericht verantworten. Zum Prozessauftakt stritt der Angeklagte (24) jegliche Gewaltanwendung ab – das mutmaßliche Opfer dagegen belastete den bulligen Herner schwer.

„Klärendes Gespräch“ eskalierte

Die Bluttat passierte am frühen Nachmittag des 26. November 2018 in unmittelbarer Nähe zum Marienhospital. Laut Staatsanwaltschaft hatten sich der Angeklagte und ein bis heute flüchtiger Komplize mit dem späteren Opfer telefonisch verabredet, um ein „klärendes Gespräch“ zu führen. Vor Ort soll die Situation dann aber plötzlich eskaliert sein.

Zuerst soll der Begleiter des Angeklagten mit einem Messer auf das Bein des späteren Opfers eingestochen haben. Anschließend soll auch der Angeklagte dem bereits am Boden liegenden Mann Messerschnitte am Kopf zugefügt, ihn außerdem geschlagen und getreten haben. Laut Anklage soll der 24-Jährige dem schwer verletzten Opfer außerdem kurz vor seiner Flucht noch das Gesicht in die Rasenfläche gedrückt und gerufen haben: „Beiß‘ ins Gras.“

Massiver Blutverlust durch Verletzung der Aorta

Der 26-jährige Mann wurde lebensgefährlich verletzt. Im rechten Bein war infolge des Messerangriffs die Aorta durchtrennt worden und hatte zu massivem Blutverlust geführt. Außerdem erlitt der 26-Jährige laut Anklage einen Bruch des Nasenbeins, einen Bruch des Oberschenkels sowie zahlreiche Stich- und Schnittverletzungen. Einzig eine Not-Operation im Marienhospital rettet ihm laut Anklage das Leben.

Der Angeklagte beteuerte zum Prozessauftakt, damals eigentlich nur als Schlichter vor Ort gewesen sein, weil ihn sein damaliger Begleiter nach einem vorherigen Streit in einer Döner-Bude darum gebeten habe. „Ich habe nichts gemacht. Ich habe ihn nicht mit dem Messer angegriffen, auch nicht geschlagen“, so der 24-Jährige. Das Messer habe allein sein Begleiter benutzt: „Er hat auf den anderen Mann eingestochen und ist dann weggerannt.“

Mutmaßliches Opfer spricht von Messerangriff

Das mutmaßliche Opfer dagegen belastete auch den angeklagten Abendschüler als aktiven Angreifer: „Das ging Schlag auf Schlag. Plötzlich wurde ich mit einem Messer angegriffen“, erinnerte sich der 26-jährige Zeuge. Nicht nur der bis heute flüchtige Begleiter, sondern auch der Angeklagte habe zuletzt wie von Sinnen auf ihn eingeschlagen und -getreten. „Und das, obwohl ich fast schon am Verbluten war“, so das mutmaßliche Opfer.

Noch heute, so der 26-Jährige habe er mit den Verletzungsfolgen zu kämpfen, leide an Taubheitsgefühlen, Bewegungseinschränkungen und Kreislaufproblemen. „Bloßes Treppensteigen ist für mich die Hölle“, sagte der Zeuge.

Urteil soll im Dezember fallen

Der angeklagte Abendschüler war nach der Bluttat monatelang untergetaucht, hatte sich dann aber Ende April 2019 der Polizei gestellt. Seitdem sitzt der 24-Jährige in U-Haft. Der zweite mutmaßliche Täter (Rufname „Alex“) ist weiter flüchtig.

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