Interview am Samstag

Preisträgerin Maja Beckmann: „Faust“ verdient das Ensemble

Maja Beckmann mit Nils Kahnwald in „Dionysos Stadt“. Für ihre schauspielerische Leistung in dem Stück bekam sie jetzt den Theaterpreis „Der Faust“.

Maja Beckmann mit Nils Kahnwald in „Dionysos Stadt“. Für ihre schauspielerische Leistung in dem Stück bekam sie jetzt den Theaterpreis „Der Faust“.

Foto: Julian Baumann

Herne.  Die in Herne aufgewachsene Schauspielerin Maja Beckmann hat den „Faust“ bekommen - Anlass für ein Gespräch über Preise, Projekte und Pläne.

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Und wieder ein Preis für eine Beckmann: Der Deutsche Bühnenverein hat am Sonntag Maja Beckmann (42) in Kassel den „Faust“ verliehen. Sie erhielt den Deutschen Theaterpreis als Darstellerin in „Dionysos Stadt“ an den Münchner Kammerspielen. Ute Eickenbusch erreichte die in Herne aufgewachsene Schauspielerin am Handy beim Hundespaziergang in Zürich, wo sie seit dieser Spielzeit lebt und arbeitet.

„Der Faust“ gilt als wichtigster deutscher Theaterpreis. Herzlichen Glückwunsch! Was bedeutet er Ihnen?

Ehrlich gesagt, ich habe vorher über seine Bedeutung gar nicht so nachgedacht. Dass es der wichtigste Preis ist, war mir nicht so bewusst. Es rufen mich unglaublich viele Leute an und gratulieren. Mehr als bei meinem Geburtstag! Natürlich wurde der Preis speziell für die Arbeit in „Dionysos Stadt“ vergeben, die aber eigentlich eine Ensemblearbeit ist, so dass ich mir gewünscht hätte, dass der Preis auch an das Ensemble geht. Da sind ja viele Künstler zusammengekommen wie Opernsänger, Tänzer, junges Schauspiel, Regie, Musiktheater.

Es war von einem „Theaterrausch“ die Rede, einem neun Stunden langen Theatermarathon rund um griechische Tragödien.

Dieses Werk hat extrem viel Aufmerksamkeit und Anerkennung bekommen. Eigentlich sind es ja vier Stücke hintereinander. Es wurden schon mehrere Preise vergeben. Das Stück räumt unheimlich ab.

Erfordert ein solches Werk eine andere Vorbereitung als ein normaler Zwei-Stunden-Theaterabend?

Ja, das ist etwas ganz anderes, dadurch dass die Sprache und der Stoff sehr konzentriert sind. Das fängt an mit „Prometheus“, dann geht es in die „Ilias“ und „Die Troerinnen“. Das sind Texte, die eine andere Konzentration brauchen als „Reich mir mal den Kaffee“. Gleichzeitig haben wir es geschafft, dass dieser Jahrtausende alte Mythos nicht so fern von uns ist. Dass man nicht da steht und denkt ,Was red’ ich denn hier?’ Dass das nicht so ein Fremdkörper ist. Ich kann es gar nicht glauben, dass das nur noch vier Mal in München gespielt werden soll, weil das jetzt so auf der Höhe ist. Für ein Theater ist es natürlich ein Riesen-Kraftakt.

Vielleicht geht es ja mit Ihnen und dem Regisseur Christopher Rüping nach Zürich, wie „Miranda Julys Der erste fiese Typ“?

Das gehört zum Konzept hier in Zürich, dass jeder der acht Hausregisseure ein Team zusammengestellt und sich mit einem Stück vorgestellt hat, das er schon gemacht hat, um den Druck der ersten Inszenierung zu nehmen. So dass die Eröffnung nicht so unangenehm auf den Schultern lastet. Das hat total funktioniert.

Aber Sie spielen das Stück in Zürich nicht in der Münchner Fassung?

Anna Drexler, die Originalbesetzung, ist schwanger geworden, und dieses Stück kann man gar nicht schwanger spielen. Es war keine einfache Entscheidung, weil es nur wir zwei sind. Wir machen das jetzt mit Henni Jörissen, die ist hier in Zürich, und die macht das toll.

Und im Frühjahr 2020 wird das Stück in Bochum gezeigt?

So ist der Plan. Ich hoffe wirklich, dass wir das schaffen, dann wieder mit Anna Drexler, die in Bochum Ensemblemitglied ist, und mir, die in Bochum war. Es gibt noch die Sängerin Brandy Butler und die Kamerafrau Rebecca Meining, die müssen wir alle zusammenkriegen. Bochum bedeutet mir ganz viel. Ich gehe mal davon aus, dass das klappt.

Mal weg von der Bühne: Wie erfolgreich waren die neuen Kinofilme wie „Wie gut ist deine Beziehung?“?

Weiß ich gar nicht genau, ich verfolge solche Zahlen nicht. Aber „Unheimlich perfekte Freunde“ von Marcus H. Rosenmüller, der wahnsinnig toll ist, das war eine Begegnung, die mir unheimlich viel bedeutet hat. Kinderfilme zu machen, ist richtig kompliziert, genau so schwer, wie gutes Kindertheater zu machen. Ich finde jedes Buch, jede Inszenierung und jeder Film, der mit Ernsthaftigkeit und klugen Gedanken durchzogen ist, sehr besonders. Das gibt es nicht so oft. Wenn ich in meiner Kindheit nicht Astrid Lindgren oder Erich Kästner oder Otfried Preußlers „Krabat“ gelesen hätte, wäre ich nicht die, die ich bin.

Gibt es etwas Neues in Sachen Serien? Sie werden immer noch gerne mit „Stromberg“ in Verbindung gebracht.

Das ist lustig, dass das Fernsehen eine größere Bedeutung zu haben scheint als die Bühne. Es gibt nichts Konkretes. „Stromberg“ ist abgeschlossen. Aber das war eine tolle Zeit. Wir haben 2004 angefangen und dann kam man alle zwei Jahre wieder für ein paar Tage und hat gesehen, wie sich alle verändert haben.

Wie ein Familientreffen ... Stichwort „Spielkinder“: Sie stehen hin und wieder mit ihren Brüdern Till und Nils und Ihrer Schwester Lina Beckmann und deren Mann Charly Hübner auf der Bühne, so auch im Dezember im Alten Wartesaal. Wie wichtig ist Ihnen das?

Das ist das Wichtigste! So schön, aber auch so schwierig, das zusammen zu kriegen mit den Theatern, dass es leider oft scheitert. Aber die Priorität liegt bei den Häusern. Wir sind dann oft ziemlich gestresst, weil da noch Proben sind oder Kinder abzuholen. Aber es bedeutet mir unglaublich viel.

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