Glaube

Sister Konietz will Herner von ihrem Glauben überzeugen

Diese beiden Missionarinnen teilen sich eine Wohnung: Leah Tullis (li.) und Leilani Konietz.

Diese beiden Missionarinnen teilen sich eine Wohnung: Leah Tullis (li.) und Leilani Konietz.

Foto: Foto: Rainer Raffalski / Funke Foto Services GmbH

Herne.  Leilani Konietz (19) ist Mormonin und als Sister Konietz auf den Straßen in Herne unterwegs. Ihre Tage als Missionarin sind durchorganisiert.

Bis zu ihrem achten Lebensjahr wohnte Leilani Konietz in Deutschland, genauer gesagt in Welver bei Hamm. Dann zog sie mit ihrer Familie nach Kanada. Nun ist die 19-Jährige wieder in ihrer Heimat und als Missionarin der Kirche Jesu Christi der Heiligen Letzten Tage der Mormonen unter dem Namen Sister Konietz in Herne unterwegs.

„Der Glaube war für mich immer ein Thema“, sagt Sister Konietz, die zwar einen Großteil ihres Lebens in Kanada verbracht hat, aber ihre Muttersprache nie verlernte. Vater und Opa seien Bischöfe gewesen. „Irgendwann kam der Zeitpunkt, selbst zu entscheiden, was mir der Glaube bedeutet.“ Als ihr mit gut 14 Jahren in Kanada bewusst geworden sei, dass andere etwas anderes glaubten, habe sie sich intensiv mit dem Thema befasst: „Ich wollte wissen, mache ich es für mich oder für meine Eltern.“

Das Buch Mormon als Entscheidungshilfe

Um Sicherheit zu erlangen, las und betete sie viel, sprach mit Freunden, erzählt sie. Vor allem das Buch Mormon habe ihr geholfen. „Ich habe mich gefragt, warum bin ich auf der Erde?“ Darauf habe ihr das Buch die Antwort geliefert: um zu lernen und sich vorzubereiten, Gott wiederzusehen. So bestärkt, unterrichtete die junge Frau in Kanada sonntags die Frauen ihrer Gemeinde und brachte sich in die Kirche ein.

Auch wenn sie gerne Rugby spielt: In vielen Bereichen sah ihre Freizeitgestaltung als Jugendliche vermutlich anders aus als bei anderen. Wer bei den Mormonen getauft werden möchte, müsse sich an Regeln halten. Dazu zähle: nicht rauchen und kein Alkohol. „Ich bin nie zu Feiern gegangen, wo ich wusste, es wird viel getrunken“, sagt die Missionarin. In der Kirche habe es oft Spieleabende gegeben: „Ich brauche keinen Alkohol, um Spaß zu haben.“ Ab 16 Jahren gehe man auf Dates. „Heiraten möchte ich später im Tempel.“

Verpasste Stelle führte zur Mission

Leilani Konietz wollte eigentlich Rettungssanitäterin werden, erzählt sie. Nach dem Vorbereitungskurs habe sie jedoch keine Ausbildungsstelle bekommen. „Dann habe ich meinen speziellen Segen in der Kirche bekommen. Das hat mir geholfen, und ich wusste, Gott ist für mich da – und es gibt einen Plan für mich.“ Der Entschluss, auf Mission zu gehen, habe festgestanden, und sie habe die entsprechenden Anträge zum Hauptsitz ihrer Kirche nach Salt Lake geschickt: „Dort sitzen Apostel und beten für jeden Einzelnen, um herauszufinden, wo wir gebraucht werden.“

So führte sie der Weg im Januar nach Herne. Für die schüchterne junge Frau sei es zunächst nicht einfach gewesen, fremde Menschen anzusprechen. 18 Monate dauert ihre Mission. Alle paar Monate wechselt sie den Distrikt. In Herne lebt sie mit Leah Tullis, einer Missionarin aus Kalifornien, in einer WG. Bezahlt werde die Wohnung von der Kirche. Auch die Mission werde unterstützt, trotzdem habe die „Sister“ Geld ansparen müssen: 7800 kanadische Dollar habe sie im Vorfeld erarbeitet. „Meine Eltern hätten mich unterstützt, aber ich wollte es alleine schaffen.“

Gespräche suchen

Und wie sieht ein Tag im Leben einer Missionarin aus? In einem Wort: durchorganisiert. Morgens um

halb sechs gehe es mit Sport los. Dann folgten Frühstück, Vorbereitung, Studium und Termine oder Gespräche: „Wir sprechen die Menschen überall an, wo es sich ergibt.“ Als Gesprächseinstieg dienten Fragen wie „Was bringt Ihnen Hoffnung im Leben?“ oder „Kennen Sie das Buch Mormon?“. Häufig bekämen die Missionarinnen auf der Straße zu hören, dass man keine Zeit habe. „Manche möchten mit uns streiten, aber darauf lassen wir uns nicht ein.“ Es gebe auch zahlreiche schöne Gespräche. „Wenn jemand kein weiteres Treffen möchte, respektieren wir das natürlich.“

Donnerstags haben die jungen Frauen Zeit für sich. Dann gehen sie shoppen, zum Sport oder sprechen mit ihren Familien. Von ihren elf Geschwistern ist sie die erste Frau, die auf Mission geht. Wie es danach weiter geht, weiß sie noch nicht. „Eigentlich wollte ich Medizin studieren“, sagt sie. „Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher.“

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