Demonstration

Sitzblockade zwingt „besorgte Bürger“ in Herne zur Umkehr

Gegendemonstranten blockierten die Poststraße in der Herner Innenstadt, so dass der rechte Demonstrationszug zunächst umkehren musste.

Gegendemonstranten blockierten die Poststraße in der Herner Innenstadt, so dass der rechte Demonstrationszug zunächst umkehren musste.

Foto: Rainer Raffalski / Funke Foto Services GmbH

Herne.  Beim Marsch durch Herne wurden so genannte „besorgte Bürger“ am Dienstag durch eine Sitzblockade gestoppt. Ansonsten gab es keine Zwischenfälle.

Die so genannten „besorgten Bürger“ sind am Dienstagabend bei ihrem Marsch durch die Herner City durch eine Sitzblockade kurzzeitig zur Umkehr gezwungen worden. Eine Gruppe von etwa 20 Männern und Frauen erwartete sie an der Einmündung der Poststraße in die Bahnhofstraße.

Nach einigen Minuten machten sich die von der Polizei eskortierten „Spaziergänger“ auf den Weg zurück zum Herner Bahnhof, um wenig später einen zweiten Anlauf zu starten. Da die Blockade sich inzwischen selbst aufgelöst hatte, setzten die „besorgten Bürger“ ihren Weg über die Poststraße, Freiligrathstraße und Bebelstraße fort.

„Bündnis Herne“ setzt Protestaktionen gegen Rechts fort

Die Polizei schätzte am Dienstag die Zahl der Teilnehmenden aus dem rechten Lager auf etwa 100. Zentrum der Aktionen ihrer Gegner, des „Bündnis Herne“, war wieder der Robert-Brauner-Platz, wo etwa die dreifache Menge zusammenkam. Laut Polizei waren insgesamt etwa 550 Demonstranten auf den Beinen.

Wie seit Wochen begannen die Protest-Aktionen gegen Rechts an der Kreuzkirche. Beim ökumenischen Friedensgebet sprachen Pfarrer Georg Birwer für die katholische St. Dionysius-Gemeinde und Pfarrer Kornelius Heering von der evangelischen Kreuzkirchengemeinde zu den etwa 150 Menschen, die sich um den Eingang der Kirche scharte. Ihr Motto: „Für ein Herne der Vielfalt - für Frieden in unserer Stadt“.

Songs vom „Stammtisch“ und Rollenspiel

Auf dem Robert-Brauner-Platz versammelten sich unterdessen die Anhänger des „Bündnis Herne“, das sich für ein tolerantes und weltoffenes Herne stark macht. Ihm gehören Mitglieder von Parteien, Vereinen, Kirchen, Religionsgemeinschaften, Verbänden, Initiativen und Institutionen sowie Einzelpersonen an.

Dazu musizierte das Trio „Der Stammtisch“. Wolfgang Berke, Hannes Sänger und Wolfgang Boni präsentierten Liedgut vom Emscher-Song bis zu „Die Gedanken sind frei“. In einem inszenierten Schlagabtausch griffen „Bündnis“-Anhänger gängige Vorurteile auf („Die Ausländer nehmen uns unsere Arbeitsplätze weg“) und hielten Fakten dagegen. Ein Mitglied der Essener Bürgerinitiative „Mut machen - Steele bleibt bunt“ sprach ein Grußwort. Ein Demonstrationszug des lautstarken Bündnisses („Nazis raus“) beendete gegen 19.30 Uhr die Aktion.

Laut Polizei gab es keine Zwischenfälle

Zwischenfälle wurden nicht gemeldet. Nach den Erfahrungen der vergangenen Woche zeigte die Polizei an diesem Dienstag länger Präsenz als am letzten Dienstag, als nach Ende der Kundgebung „besorgte Bürger“ auf Gegendemonstranten losgegangen waren. Mitglieder des „Bündnis Herne“ hatten nach der Attacke Strafanzeige wegen Sachbeschädigung, Beleidigung und Nötigung gestellt.

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