Konzertkritik

Tage Alter Musik mit Pelléas-Impressionen im Herner Kuz

Bei den Tagen Alter Musik wurde am Freitagabend im Kulturzentrum Marius Constants Fassung von Claude Debussys Meisterwerk „Pelléas et Mélisande“ für zwei Klaviere aus dem Jahr 1992 präsentiert.

Bei den Tagen Alter Musik wurde am Freitagabend im Kulturzentrum Marius Constants Fassung von Claude Debussys Meisterwerk „Pelléas et Mélisande“ für zwei Klaviere aus dem Jahr 1992 präsentiert.

Foto: Thomas Kost / ©Thomas Kost

Herne.  Die Tage Alter Musik machten sich mit Claude Debussys Meisterwerk „Pelléas et Mélisande“ im Kulturzentrum auf die Suche nach den Wurzeln der Oper.

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Mit Marius Constants Fassung von Claude Debussys Meisterwerk „Pelléas et Mélisande“ für zwei Klaviere aus dem Jahr 1992 machten sich die Tage Alter Musik am Freitagabend im KuZ auf die Suche nach den Wurzeln der Oper, die als Hauptwerk des Impressionismus gilt und harmonisch die Tür zum 20. Jahrhundert öffnete.

Was sonst im Opernhaus ein Orchester in schillernden Farben zum Leben erweckt, versucht hier das Duo Yin Yang mit Jan Michiels und Inge Spinette an zwei Blüthner-Flügeln aus dem späten 19. Jahrhundert – Instrumenten, an denen auch Debussy seine Werke erarbeitete. Die kammermusikalische Atmosphäre einer Salonmusik mit ihrer fesselnden Intimität entsteht so. Allerdings können die beiden Flügel trotz des subtil ausschattierten, nuancenreichen Spiels der beiden Pianisten die Farbigkeit der Orchesterpartitur nur andeutungsweise wiedergeben, was stellenweise zu Längen in der Wahrnehmung führen kann.

Aussagekräftige Gestaltung

Andererseits werden die Interpreten nie überdeckt, sondern ergänzen sich mit den Stimmen der Instrumente zu einer aussagekräftigen Gestaltung. Die junge Sopranistin Lore Binon lässt die Zerbrechlichkeit der zarten Mélisande, die Prinz Golaud (Pierre Yves Pruvot) im Wald findet und als seine Frau mit auf sein Schloss nimmt, rundum stimmig und überzeugend lebendig werden. Ihre Stimme atmet die Klänge ihrer Musik, ihr Sprechgesang wirkt ungemein authentisch.

Kraftvoll und sonor wirken die wiederkehrenden Eifersuchtsausbrüche Golauds in der Gestaltung von Pierre Yves Pruvot, der bis zuletzt die „Wahrheit“ über ihre Beziehung zu seinem Halbbruder Pelléas aus der sterbenden Mélisande herauszupressen versucht. Naiv und leidenschaftlich kommt Pelléas in der Interpretation von Roger Padullés daher. Sein schlank geführter und doch ausdrucksvoller Bariton reflektiert die leisesten Gefühlsnuancen. Tijl Faveyts als alter König Arkel, Altistin Julie Bailly als seine Frau Geneviève und Camille Bauer als Golauds kleiner Sohn Yniold vervollständigen ein überzeugendes Sängerensemble.

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