Kreativität

„Urban Sketching“ in Herne: Mit dem Stift die Stadt erfassen

Die Gruppe „Urban Sketching“ um Harald Ophüls (re.) trifft sich regelmäßig, zum gemeinsamen Skizzieren. Hier im Hof des Heimatmuseums in Unser Fritz.

Die Gruppe „Urban Sketching“ um Harald Ophüls (re.) trifft sich regelmäßig, zum gemeinsamen Skizzieren. Hier im Hof des Heimatmuseums in Unser Fritz.

Foto: Kerstin Buchwieser / FUNKE Foto Services

Herne.  Sie zeichnen Schloss wie Kanalufer, ihre Ansichten von Herne entstehen beim gemeinsamen Zeichnen vor Ort. Urban Sketching nennt sich der Trend.

Es tröpfelt ein bisschen an diesem frühen Mittwochabend, aber davon lassen sich Harald Ophüls und seine Zeichengruppe nicht stören. Im Hof des Heimatmuseums Unser Fritz hat sich jeder ein Plätzchen gesucht, auf Baumstümpfen und mitgebrachten Hockern, mit dem Skizzenbuch auf den Knien. Motive gibt es genug hier: alte Lokomotiven, die historische Trinkhalle und das Gleiscafé „Fritzchen“ mit seinem Getränkestand, aus dem „Graf Hotte“ Schröder persönlich grüßt. Doch mehr als die Menschen interessiert die „Urban Sketcher“ ihre städtische Umgebung.

Weltweiter Trend in den Städten

Das Urban Sketching sei eine weltweite und wachsende Bewegung, erklärt Harald Ophüls, 66 Jahre alt und Innenarchitekt im Ruhestand. Er hat die Herner Gruppe gegründet, die sich wie andere auch trifft, um die Stadt um sie herum zeichnerisch zu erfassen. „Im Skizzenbuch oder auf einzelnen Blättern, jeder wie er es gut findet“, sagt der Initiator. Mit Bleistift, Buntstift oder Aquarellfarbe, sogar ein Computer-Pad sei erlaubt. Vorausgesetzt der Zeichnende begibt sich vor die Tür: Von Postkarten und Fotos abzukopieren ist verpönt.

Dass Harald Ophüls ein Profi ist, verrät sein Skizzenbuch. Mit sicherem Strich und einem Blick für Perspektiven hält er seine Motive fest. In den 80er-Jahren hat er u.a. Illustrationen für Wohnzeitschriften angefertigt. Auch privat, auf Reisen, hat er viel skizziert. Seine Erfahrung erlaubt es ihm, den anderen Tipps zu geben, etwa, wie sie mit einem Stift in der ausgestreckten Hand Proportionen abmessen können. Seit Mai trifft sich die kleine Zeichengruppe. Einige kennen sich aus einem früheren VHS-Kurs, andere sind neu dazu gestoßen.

Treffen an immer neuen Orten

Die „Sketcher“ kommen aus ganz unterschiedlichen Berufen. Dirk Wortmeyer ist Maschinenbauingenieur, Thomasz Nowotarski, mit 27 Jahren der Jüngste der Gruppe, kommt aus dem IT-Bereich. „Der Austausch mit den anderen hat meinen Fortschritt beschleunigt“, sagt er. Bürokaufmann Götz Utech bringt als Hobby-Modellbauer Erfahrungen mit Skizzen mit, seine Frau Simone Utech, Sekretärin, hat die Sketcher-Gruppe im Internet entdeckt und ihn „mitgeschleppt“. Sie ist durch einen Kurs im Herner „Kunstpark“ auf den Trend gestoßen.

Es sind immer wieder andere Orte, an denen sich bis zu zehn Teilnehmer und Teilnehmerinnen einmal in der Woche verabreden. Am Schloss Strünkede waren sie schon, an der Zeche Ewald, sie haben einen Bunker gezeichnet und die Flottmann-Hallen, den Kanal, die Cranger Kirmes und den Recklinghäuser Stadthafen. Besonders die Industriekultur sei reizvoll, sagt Harald Ophüls. „Das gibt von der Plastizität sehr viel her.“ Genau schauen, konzentriert zeichnen - und entschleunigen: Wer das genießen kann, ist bei den „Urban Sketchers“ willkommen.

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