WAZ öffnet Pforten

Von der Kohle zur Kunst: WAZ-Leser in der Künstlerzeche

Die Künstlerin Beate Matkey, 3.v.r., führt Leser-Gruppe durch ihr Atelier in der Herner Künstlerzeche.

Die Künstlerin Beate Matkey, 3.v.r., führt Leser-Gruppe durch ihr Atelier in der Herner Künstlerzeche.

Foto: Rainer Raffalski / Funke Foto Services GmbH

Herne.  Die Aktion „WAZ öffnet Pforten“ lässt Leser in die Geschichte der Künstlerzeche Unser Fritz in Herne eintauchen. Künstler zeigen ihre Ateliers.

Wo früher die Bergleute ein und aus gegangen sind, arbeiten heute Künstler und Fotografen. Der Weg zur Kunst war lang und nicht immer einfach, weiß Jens Blome, der erste Vorsitzende des Fördervereins Unser Fritz. Als er die WAZ-Leser nach der Geschichte der Künstlerzeche fragt, gehen nur wenige Hände hoch. Im Rahmen der Aktion „WAZ öffnet Pforten“ gibt Jens Blome einen Einblick in die Geschichte der Zeche. Die Gruppe trifft einige Künstler an und wird durch die Arbeits- und Ausstellungsräume geführt.

Bevor es in die Räumlichkeiten der Künstler geht, gab Blome den Lesern eine kurze geschichtliche Einführung. „Die Zeche wurde 1871 gegründet. Der Förderbetrieb wurde in den 20er Jahren relativ schnell eingestellt.“ Als die Zeche leer stand, habe sich Helmut Bettenhausen bei der Zechengemeinschaft gemeldet und gefragt, ob die Räume frei seien. „Er hat die Kunst nach Unser Fritz gebracht. Es ging hier richtig rund mit Kunst und Musik“, erzählt Blome. Trotzdem hatte die Künstlergemeinschaft ein großes Problem: „Der Bergbau hat die Räume nicht mehr unterhalten. Deshalb mussten wir vieles selbst reparieren.“

So leben und arbeiten die Künstler

„Wir sind immer so um die 18 Künstler“, sagt Blome. Die WAZ-Leser dürfen sich im Atelier von Werner Reiers umschauen. Die Teilnehmer haben zahlreiche Fragen mitgebracht, die die Abläufe und die Zusammenarbeit betreffen. Ein Leser fragt, ob der Künstler auch hier lebe. „Leider nicht“, antwortet Reiers. Er ist die „gute Seele“ im Haus und kümmert sich um die Vermietung und Technik.

Im Atelier der Malerin Beate Matkey gibt es weitere Einblicke in das Künstlerleben. Wie oft sie im Atelier arbeitet, möchte eine Leserin wissen. „Ich bin Lehrerin am Gymnasium in Wanne und habe einen freien Tag in der Woche.“ An einer Wand hängen mehrere Ölgemälde, die sie an der Mosel gemalt hat. „Öl ist das Parfüm des Ateliers“, sagt sie.

In der Schwarzkaue hing die Arbeitskleidung

In der ehemaligen Schwarzkaue, die für Kulturveranstaltungen genutzt wird, gibt es mehrere Andenken an die Industriekultur. An mehreren Eisenstangen sind Kettenzüge befestigt, an denen die Arbeitskleidung hochgezogen wurde. „Das Geruchserlebnis im Raum muss großartig gewesen sein“, scherzt Blome. In der Weißkaue wurde die Alltagskleidung der Bergleute gelagert. Heute stellt hier Marijke Brauckmann ihre humorvollen Tierbilder aus, die von den Gedichten von Fred Endrikat inspiriert sind. Die Leserin Christel Neuhaus zieht spontan einen Zettel mit einem Spruch des Dichters aus ihrer Handtasche und trägt die Zeilen der Gruppe vor.

Auf dem Weg in die ehemalige Maschinenhalle erzählt Blome, dass im Rahmen der Stadtteilförderung 2010 der Sport- und Kulturpark hinzugekommen sei. In der Fördermaschinenhalle finden regelmäßig private Feiern, Lesungen und Konzerte statt. „Sieht richtig schön aus“, sagt eine Teilnehmerin. Der raue Stein sorge für eine gute Akustik. Dadurch könnten auch lautere Musiker in der Halle spielen. An einer Wand sind noch die alten Jugendstilfliesen. „Die Halle sieht von der Architektur aus wie eine Kirche. Es ist eine Art Kathedrale für die Maschine“, erklärt Blome, der als Architekt arbeitet.

Instandsetzung der Zeche erfordert viel Arbeit

Die Halle sei in der Vermietung sehr beliebt. Der Aufwand sei allerdings sehr hoch: „Alle wollen vor der Feier mehrere Termine, um hier zu gucken“. Zudem müsse während der Veranstaltungen immer jemand erreichbar sein. „Wir sind auf die Einnahmen angewiesen“, begründet der Vereinsvorsitzende, denn der Förderverein müsse die Zeche selbst unterhalten. Mit diesen Kosten stoße der Verein immer wieder an seine Grenzen. „Wir würden den Etat lieber für unsere Veranstaltungen nutzen.“

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