Blindgänger

Wer nach Bombenfund für mögliche Schäden aufkommt

Wenn ein Blindgänger wie dieser, der bei einer Ausstellung im Emschertal-Museum zu sehen war, gefunden wird, erkundigen sich Bürger und Firmen, ob es Ansprüche auf Schadenersatz gibt.

Wenn ein Blindgänger wie dieser, der bei einer Ausstellung im Emschertal-Museum zu sehen war, gefunden wird, erkundigen sich Bürger und Firmen, ob es Ansprüche auf Schadenersatz gibt.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.  Wird eine Kriegsbombe gefunden, gehen bei der Stadt Herne Fragen nach Schadenersatz ein. Doch die Antwort der Verwaltung verblüfft Anrufer.

Menschen müssen ihre Häuser verlassen, oftmals stehen in Firmen die Räder still, wenn mal wieder eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wird. Sehr häufig landen anschließend in der Stadtverwaltung Anfragen von Bürgern oder Unternehmen, ob sie Anspruch auf Schadenersatz haben, berichtet Stadtsprecher Christoph Hüsken. Die Antwort laute stets: „Nein, das ist höhere Gewalt“.

Selbst, als vor einigen Jahren an der Dorstener Straße gleich zwei Bomben gefunden wurden, darunter eine Zwei-Tonnen-Mine, und große Firmen wie Evonik und Ineos ihre Produktion unterbrechen mussten, „gab es für die Firmen keinen Schadenersatz“, erklärt Hüsken.

Keine Ansprüche an Versicherungen

Um für Betriebsunterbrechungen gewappnet zu sein, können Unternehmen grundsätzlich eine Versicherung abschließen, aber bei Bombenfunden gibt’s keine Geld-zurück-Garantie. Christian Ponzel, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, erläutert: „Die Evakuierung geschieht aufgrund einer behördlichen Anordnung, die üblicherweise kein Bestandteil der Verträge ist.“ Versicherungen zahlen nach seinen Informationen nur dann, wenn eine Firma „unvorhergesehen“ stark eingeschränkt sei. Als Beispiele nennt Ponzel Überschwemmungen und Maschinenschäden.

Den eigenen Pkw besser weit entfernt abstellen

Nun kann aber auch der Fall eintreten, dass sich ein Kampfmittelräumdienst zur Sprengung einer Bombe entschließt und es durch die Detonation zu Schäden an Gebäuden kommt. Das war beispielsweise 2012 in München der Fall, Dächer standen in Flammen, Fensterscheiben gingen zu Bruch. „Die Versicherungen haben die Schäden übernommen“, erklärt Christian Ponzel, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Rein rechtlich seien sie dazu eigentlich nicht verpflichtet, da für „Hausrat- und Wohngebäudeversicherung Schäden, die auf Kriegsereignisse zurückgehen, vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind“. Bliebe noch die Frage, ob eine Versicherung auch für Schäden an einem Auto aufkommen würde. Da zahle dann eigentlich die Teilkaskoversicherung, so der Sprecher. Sein dringender Hinweis: Man sollte das Auto doch lieber außerhalb der Evakuierungszone parken.

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