Jubiläum der Firma Hänsel

100-jährige Erfolgsgeschichte

Foto: IKZ

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Iserlohn. „Hänsel-Rösser” nennen sich die Mitarbeiter und es gibt ein Ehrenzeichen für lange Betriebszugehörigkeit: Bei Hänsel Textil geht es familiär zu. Und die Produkte (verstärkende Stoffe) findet man in nahezu jedem Hemdkragen.

Am Freitag begeht man das 100. Firmenjubiläum, seit 60 Jahren ist das Unternehmen in Iserlohn.

Am 1. Mai 1908 gründete Bruno Henschke in Forst (Lausitz) das Unternehmen „Hänsel & Co.”, um die Erfindung von Oswald Hänsel, Rosshaare zu einem verwebbaren Faden zu verzwirnen, weiter zu entwickeln. Man begann mit 25 Spindeln. Auf einem gemieteten Webstuhl wurde das erste deutsche Rosshaargewebe mit fest umzwirntem, nicht durchstechendem Rosshaar und besonderem Haargarnschuss angefertigt. Der Siegeszug von „Hänsel-Rosshaar” um die Welt begann. Das Material wurde vor allem als Einlagestoff verwendet.

1909 hatte man bereits 26 Mitarbeiter. 1911 produzierte man 1,2 Millionen Meter. Ein Großbrand zerstörte 1911 das Werk, doch schon 1913 konnten wieder 1,8 Millionen Meter ausgeliefert werden.

Ab 1927 informierte die Werkszeitung „Hänsel-Echo” das Schneiderhandwerk, vor dem Krieg wurde eine Auflage von 120 000 erreicht. Bis 1939 deckten die Hänselwerke die Hälfte des Bedarfs an Zwirn- und Haareinlagenstoffen in Deutschland, man hatte mehr als 2000 Beschäftigte. Doch die Demontage und Enteignung nach dem Krieg setzten einen Schlussstrich. Aus den Trümmern wurde 1948 die „Hänselwerk Vereinigung volkseigener Betriebe” gegründet, doch die Einlagenstoffproduktion kam in der DDR nie richtig in Gang. Bruno Henschke konnte 1945 nach Hamburg fliehen, wo er 1946 einen Neuanfang wagte. Doch der war schwierig und der Weg führte nach Iserlohn.

Beziehungen zu Iserlohn waren mit Hilfe von Banken geknüpft worden. Zunächst produzierte man in der Iserlohner Heide, dann arbeitete die Firma im Gebäude der Firma Gösser. 1948 fand man ein Grundstück in der Bredde. 1949 wurde ein Betrieb in Kirn eröffnet, 1963 entstand ein Werk in Österreich. 1949 hatte Hänsel 150 Beschäftigte, davon 85 Prozent Flüchtlinge. Tuchfirmen aus dem Osten, die als Lohnweber fungierten, siedelten sich an, es gab Pläne, Iserlohn zu einer Textilstadt zu machen. Die Stadt förderte dies mit Krediten.

1950 starb Bruno Henschke, Otto Rothe, der wie viele Mitarbeiter auch schon in Forst angestellt gewesen war, übernahm die Geschäftsführung. 1966 wurde Helmut Rother Geschäftsführer. 1962 produzierte man acht Millionen Meter, es gab technische Weiterentwicklungen wie das Spinnverfahren „Hänsel 3D”.

1971 wurde Otto Schaeffer neuer Geschäftsführer. In der Folgezeit wurde wegen der Veränderung des Marktes die Zahl der Mitarbeiter drastisch auf 121 reduziert. Die Haargarnspinnerei wurde geschlossen, es erfolgte eine Umstellung auf Frontfixierung, ständig wurden neue Produkte entwickelt.

1986 gab es wieder eine Katastrophe, aufgrund von Schneemassen brach das Dach ein. Die Halle wurde neu gebaut, es entstand eine Produktionsfläche von 3600 Quadratmetern. 1991 brachte Hänsel Textil seine Gesellschaftsanteile in die Finanzholding der Kufner-Gruppe ein, Schaeffer blieb Vorsitzender der Geschäftsleitung. Im selben Jahr wurde Wolfgang Schulte Geschäftsführer.

Heute hat man 180 Mitarbeiter in Iserlohn, weltweit 250. Es gibt 60 Töchterfirmen in Europa, in Asien und Brasilien. In Iserlohn hat man neben dem Standort Pütterstraße noch die Tochterfirmen Hänsel Verbundtechnik in Sümmern und AB-Tec an der Baarstraße.

Managing Director Wolfgang Schulte übergibtam Freitag bei der internen Firmenfeier in der Parkhalle seinen Mitarbeitern übrigens etwas ganz Besonderes: Gemeinsam mit dem langjährigen Vertriebsgeschäftsführer Klaus Bührmann, Maria Aleixo, Bernhard Kaschner und Lutz Tölle verfasste er die „Chronik zur Hundertjahrfeier”.

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