Sicherheit

1000 Laternenmasten im Stresstest

Wie hier am Poth wurden rund 1000 Laternenmasten mit einem Stresstest auf ihre Standsicherheit überprüft.

Wie hier am Poth wurden rund 1000 Laternenmasten mit einem Stresstest auf ihre Standsicherheit überprüft.

Foto: IKZ

Iserlohn.   Rund 1000 Laternenmasten im Stadtgebiet wurden in den vergangenen Wochen auf ihre Standsicherheit überprüft.

„Der größte Feind des Laternenmastes ist der Hund“, sagt Jens Knifka und meint das völlig ernst. Im Laufe der sieben Jahre, in denen er bundesweit unterwegs ist, um die Standfestigkeit von Laternenmasten zu überprüfen, hat er feststellen können, dass die Harnsäure im Urin, den die Vierbeiner gern mal an einer Laterne ablassen, das Metall dermaßen anfressen kann, dass die betroffene Laterne wegen Umsturzgefahr gegen eine neue ausgetauscht werden müsse. In Fachkreisen wird das, was Prüfteam-Leiter Knifka und sein Kollege, Prüftechniker Sascha Gleisenberger, gerade in Iserlohn machen, deshalb auch gern die „Gassi-Prüfung“ genannt.

Korrekt heißt es Standsicherheitsprüfung, und die müssen rund 1000 der fast 10 000 Laternenmasten im Iserlohner Stadtgebiet einmal pro Jahr bestehen. Die Spezialisten eines Lübecker Unternehmens, das europaweit in Sachen Masten-Stresstest tätig ist, stehen kurz vor dem Ende ihres Jobs in der Waldstadt. Bis Freitag werden die letzten Laternenmasten auf ihre Standfestigkeit hin kontrolliert sein. Die Stadtwerke sind verpflichtet, diese Prüfungen durchführen zu lassen, um sicher gehen zu können, dass die Masten Wind und Sturm trotzen können, ohne umzuknicken und damit zu einer Gefahr für Leib und Leben zu werden.

Spezielle Software ermittelt die benötigten Daten

Bei dem pro Laternenmast nur gute fünf Minuten dauernden Test wird zunächst der an einem kleinen Bagger befestigte Prüfkopf am Mast festgemacht. Als zweiter Schritt wird der Prüfstift des so genannten Wegnehmers seitlich an den Masten gesetzt. Nachdem der „Prüfstand“ fixiert worden ist, aktiviert Jens Knifka sein Laptop mit der speziell für diesen Vorgang entwickelten Software. Nun gibt er Durchmesser, Höhe und Wandstärke des Masten ein, gegebenenfalls auch, ob ein Schild angebracht ist und welche Größe dies hat. Denn Schilder wirken wie ein Segel und können bei starkem Wind den Druck aufs Material und das Fundament, in dem der Mast eingelassen ist, deutlich erhöhen.

Nun startet die eigentliche Prüfung. Dabei wird in vier Richtungen Druck beziehungsweise Zug aufgebaut, der den Masten um 35 Millimeter in die jeweilige Richtung bewegt. Im zweiten Schritt wird dann der Druck vom Masten genommen, der dann – sollten keine Beschädigungen oder Materialermüdungen vorliegen – wieder in seine ursprüngliche Position zurückgeht. Dieser ganze Vorgang wird nicht allein auf dem Computer dokumentiert, zusätzlich werden auch Fotos vom Masten gemacht. All diese Daten werden schließlich den Stadtwerken übermittelt, um entsprechend reagieren zu können.

„In Iserlohn braucht sich keine Sorgen zu machen, von einer umstürzenden Laterne getroffen zu werden“, so Knifka. Und auch die von manchem Passanten geäußerte Sorge, dass der Laterne durch die Stressprüfung Schaden zugefügt wird, sei nicht begründet. „Wir arbeiten völlig zerstörungsfrei“, sagt er und zeigt auf die Gummi-Manschetten am Prüfkopf, die den Lack des Masten schützen.

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