Feuerwehr

13 000 Überstunden nicht länger hinnehmen

Der kommissarische Feuerwehr-Chef Jörg Döring (v. li.) überreichte zu Beginn der Sitzung des Feuerwehrausschusses Michael Zihn und Ralf Hosenfeld ihre Bestellungsurkunden als Sprecher bzw. stellvertretender Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr.

Foto: Torsten Lehmann

Der kommissarische Feuerwehr-Chef Jörg Döring (v. li.) überreichte zu Beginn der Sitzung des Feuerwehrausschusses Michael Zihn und Ralf Hosenfeld ihre Bestellungsurkunden als Sprecher bzw. stellvertretender Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr. Foto: Torsten Lehmann

Iserlohn.  Der Feuerwehrausschuss ärgert sich über die weiterhin hohe Anzahl an Überstunden und strebt eine Anhebung des sogenannten Personalausfallfaktors an.

Dass die 100 Iserlohner Feuerwehrleute aus den derzeit noch drei, bald vier Wachabteilungen aktuell 13 000 Überstunden angesammelt haben, war für die Mitglieder des Fachausschusses keine große Überraschung.

Die Häufung ist bereits seit Jahren ein Problem, und momentan unter anderem darauf zurückzuführen, dass sechs Mitarbeiter bereits seit mehr als vier Monaten, weitere sechs seit über einem halben Jahr krankgeschrieben sind. Allein das macht 10 000 Stunden aus. Neu war in der Ausschusssitzung, dass man den Zustand so nicht mehr länger hinnehmen möchte.

2015 auf Kämmerer-Druck nicht hoch genug gegangen

Zwei mögliche Lösungen zeigte der neue Ressortleiter Christian Eichhorn auf: Entweder der städtische Personalpool übernimmt die dauerhaft Erkrankten, so dass die Stellen bei der Feuerwehr wieder neu besetzt werden können, oder der „Personalausfallfaktor (PAF)“ wird den tatsächlichen Verhältnissen angepasst. Denn statt auf den realistischen Wert von 5,2 (was dem Vernehmen nach durchaus auch dem von Feuerwehren vergleichbarer Größe entspricht) sei der PAF 2015 erst einmal nur auf 4,95 angehoben worden, und zwar „auf Druck“ des damaligen Kämmerers und „trotz besseren Wissens“, wie CDU-Ratsherr Hartmut Bogatzki betonte. Gegen den Vorschlag des Ausschuss-Vorsitzenden Michael Barth (CDU), in der nächsten Sitzung die entsprechende Anhebung in einem „überfraktionellen Antrag“ vorzunehmen, regte sich dann auch kein Widerstand. Hans Immanuel Herbers (UWG-Piraten) machte lediglich darauf aufmerksam, dass es dringend geboten wäre, dass sich auch der Haupt- und Personalausschuss „endlich einmal ausführlich“ dieser Thematik annehme, falle das doch genau in seine Verantwortung.

Während die Anhebung des Faktors eine Steigerung der Personalkosten mit sich bringen wird, weil dann neue Mitarbeiter eingestellt werden müssen, werden weitere 3,38 Stellen im Rettungsdienst komplett refinanziert durch die Krankenkassen als zuständigem Kostenträger. Einrichten muss die Stadt die Stellen, wenn am kommenden Donnerstag im Kreistag die Fortschreibung des Rettungsdienstbedarfsplanes verabschiedet wird, was aber als sicher gilt. Darin enthalten ist eine „Neubemessung der Rettungsmittelvorhaltung“: Aufgrund der Einsatzdaten des vergangenen Jahres soll auch der dritte Rettungswagen in Iserlohn wieder rund um die Uhr fahren und nicht nur im Tagesdienst. „Man hat gemerkt, dass es nicht gut war, das seinerzeit zu reduzieren zugunsten der Hemeraner Feuerwehr, deren Kräfte oft durch Transporte von und zur Lungenklinik gebunden waren“, erklärte Christian Eichhorn. Zu häufig hätten seitdem Rettungswagen aus den Nachbarstädten in Iserlohn aushelfen müssen, was einen unnötigen Mehraufwand bedeute.

Für die Besetzung der Stellen gibt es indes eine Übergangsfrist, und das nicht nur, weil es illusorisch ist, diese nach dem Beschluss innerhalb von zwei Wochen mit dem Inkrafttreten der Fortschreibung zum 1. Januar 2018 zu besetzen. Es gibt zudem auch immer mehr Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden. „Zumindest wenn es um den ausschließlichen Rettungsdienst geht“, machte Eichhorn auf Nachfrage von Peter Leye (SPD) deutlich. „Hamm sucht 30 Mitarbeiter für den Rettungsdienst, Hagen doppelt so viele und Dortmund sogar über 100“, ergänzte der kommissarische Feuerwehr-Chef Jörg Döring.

Sprecher und Stellvertreter erstmals direkt gewählt

Döring hatte zu Beginn der Sitzung dem Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr, Michael Zihn, und seinem Stellvertreter Ralf Hosenfeld ihre Bestellungsurkunden für weitere sechs Jahre überreicht. Die beiden waren in den vergangenen Wochen erstmals von den rund 300 ehrenamtlichen Blauröcken direkt gewählt worden. Mehr als 50 Prozent hätten sich daran beteiligt, freute sich Michael Barth über die „hervorragende Beteiligung“ bei der Premiere, bei der die beiden Amtsinhaber mit großer Mehrheit bestätigt worden seien und die durch eine Änderung im „Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz“ notwendig wurde. Bislang hatten immer nur die Führungen von Löschgruppen bzw. -zügen mitgewählt.

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