Kinderstadt

16 Kandidaten wollen „Iser-Kid-City“ regieren

Zum Start der Kinderstadt 2019 neben der Freizeitanlage in der Läger gab es eine wahre Flut an potenziellen Bürgermeistern.

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Iserlohn. Seit Montagmorgen pulsiert das Leben in der Läger: Kaum hatte Petra Lamberts, Leiterin des Kinder- und Jugendbüros, den 120 Neu-Bürgern der Kinderstadt und auch dem Betreuer-Team viel Spaß für die erste Woche gewünscht, strömten die Sechs- bis 13-Jährigen schon in die Werkstätten, Redaktionen, Praxen, Büros und ins Restaurant von „Iser-Kid-City“, um sich Arbeit zu suchen und die ersten „Iserlohnis“ zu verdienen, die dann wiederum für Essen und für Freizeitspaß ausgegeben werden können.

Acht Taler der Kinderstadt-Währung gibt es jeweils pro Stunde, egal bei welchem Job. Vor der Auszahlung in der Bank werden zwei als Steuern abgezogen: „Das ist alles wie im richtigen Leben“, sagt Petra Lamberts. Nur eben organisiert von den Kindern, die jugendlichen und erwachsenen Mitarbeiter halten sich im Hintergrund, leiten nur an, geben Tipps und Hinweise. Beispielsweise zur Firmengründung, die von den zumeist gewählten Chefs in den unterschiedlichen Bereichen jeden Morgen zunächst im Rathaus beantragt werden muss, bevor es in der Bank das notwendige Startkapital als Kredit gibt.

Bis zu 8500 „Iserlohnis“ werden in Umlauf gebracht

Darüber dass das Geldsystem mit den insgesamt 8500 „Iserlohnis“ pro Woche funktioniert und es beispielsweise keine Inflation gibt, darüber wacht mit dem früheren Dresdner-Bank-Direktor Franz-Josef Löhr ein ausgewiesener Fachmann. Wobei auch er Kindern die Bankgeschäfte überlässt und nur quasi als Aufsichtsrat alles im Blick behält. So beispielsweise dass tatsächlich auch eine volle Stunde gearbeitet wird, bevor aus dem dafür erhaltenen Stempel im Bürgerausweis bare „Iserlohnis“ werden. Mit als Erste erhielten am Montagmorgen Jan (13) und Selina (9) ihre Ausweise, denn sie nutzten wie 18 weitere Kinder das Angebot der Frühbetreuung ab 7.30 Uhr und standen dementsprechend eineinhalb Stunden später beim eigentlichen Start ganz vorne in der Schlange vor dem Rathaus. Jan, der nach den Ferien die Klasse 7.2 der Gesamtschule Iserlohn besuchen wird, ist zum zweiten Mal dabei, Selina hatte über einen Freund von der Kinderstadt gehört. Die künftige Viertklässlerin, die sich an der Grundschule Bömberg im Schülerparlament engagiert, hatte für ihre Kinderstadt-Premiere ein festes Ziel: „Ich möchte Bürgermeisterin werden!“

Höhere Löhne, günstigeres Essen und Kino versprochen

Das konnte sich nicht nur Jan auch als Berufswunsch vorstellen, so dass nur 20 Minuten, nachdem die Kinderstadt ihre Pforten geöffnet hatte, bereits sechs Kandidaten in der Werbung und Grafik neben dem Rathaus saßen und an ihren Wahlplakaten arbeiteten und kurze Bewerbungsvideos aufnahmen, die bei der ersten Bürgerversammlung am Mittag gezeigt wurden. Insgesamt sogar 16 Kandidaten warben dabei dann um die Gunst der Bürger von „Iser-Kid-City“ mit den unterschiedlichsten Wahlversprechen wie höheren Löhnen, günstigerem Essen im Restaurant, kostenlosen Süßigkeiten und Eis, oder auch dem Bau von einem „Kino und Casino, mehr Sicherheit und der Einführung eines ,Essens-Abo’“, wie Jan vorschlug. „Ich möchte, dass die Leute Spaß haben und die Kinder viele Freunde finden“, hatte sich hingegen Selina vorgenommen, wenn sie bis Dienstag um 12 Uhr die meisten Stimmen bei der ersten Bürgermeister-Wahl erhält. Und Darwin versprach aus den Steuergeldern neben „Gratis-Behandlungen im Schönheitssalon“ für die Mädchen und „Gratis-Runden“ auf Kettcar & Co. für die Jungen im Spiel- und Freizeitbereich nebenbei auch eine „Umweltpolizei“.

Dem Interesse der Kinder an Natur und Umwelt wird indes nicht nur in der Gärtnerei „Blumen und Mehr“ Rechnung getragen, wo unter anderem auch Namensschilder aus natürlichen Materialien entstehen, sondern in der ersten Woche der Kinderstadt auch mit einem ganz neuen Projekt. Das haben die beiden angehenden Verwaltungswirtinnen bei der Stadt Iserlohn, Sofie Kroll und Natali Bodora, konzipiert, nachdem sie im Rahmen ihrer Ausbildung an einem Klima-Workshop für Kommunen in Hannover teilgenommen hatten. Spielerisch, mit Experimenten und auch mit dem Basteln beispielsweise von Portemonnaies aus alten Tetra-Packs möchten sie die Kinder dabei für Themen wie Mülltrennung und -vermeidung, Kinderrechte und ganz besonders dem Klimawandel weiter sensibilisieren. Deswegen soll zum Beispiel auch im Laufe der Woche eine „Fridays-for-Future“-Demonstration organisiert werden, mit der dann beim Abschlussfest am Freitagnachmittag auch die Eltern, die erst dann in die Kinderstadt dürfen, auf die Problematik noch mal besonders aufmerksam gemacht werden sollen.

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