Iserlohner Hunde im Einsatz

1988 fand Nico verschüttete Bergleute

Der Suchtrupp der Hundestaffel, bei der 1988 drei Iserlohner in Hessen dabei waren.

Foto: privat

Der Suchtrupp der Hundestaffel, bei der 1988 drei Iserlohner in Hessen dabei waren. Foto: privat

Iserlohn.  Bernd Krause, sein Hund Nico, Marita und Harry Schulze mit ihren Riesenschnauzern: Sie suchten 1988 in einer Kohlegrube in Hessen Unglücksopfer

Es war dunkel und staubig, die Lampen warfen schummriges Licht, dann, nach 1,5 Kilometern unter Tage, schlug Schäferhundmischling Nico aus Iserlohn an: Er hatte einen der 51 Toten gefunden, die im Juni 1988, vor 30 Jahren, beim schweren Grubenunglück in der Schachtanlage Stolzenbach bei Borken in Nordhessen ihr Leben verloren hatten.

Nico und sein Besitzer und Ausbilder Bernd Krause waren damals mit weiteren Rettungshunden aus Iserlohn in Hessen im Einsatz.

„Uns war klar“, erinnert sich Bernd Krause, damals 25 Jahre jung, „dass wir Niemanden mehr lebend finden würden.“ Aber das eherne Gesetz der Bergleute ist – wir lassen keinen Kumpel unter Tage. So wurde nach dem Unglück die Rettungshundestaffel Wesel alarmiert, die mit Bernd Krause und Nico und den Iserlohnern Marita und Harry Schulte mit ihren Riesenschnauzern Drux und Cäsar zum Unglücksort in das hessische Braunkohlerevier ausrückte.

Dort angekommen ist klar – die Hunde aus Iserlohn würden nur noch Tote erschnüffeln. „Es gab nach dem Unglück keine Frischluft mehr im Stollen. Da konnte niemand mehr leben“, wussten Krause und seine Mithelfer schon auf der Fahrt zur Grube Stolzenbach.

Mit einer Rettungsgondel geht es dort hinab unter Tage. Vorher werden die Hunde gewogen. Bernd Krause und Hund Nico fahren bis auf 80 Meter Tiefe in die Grube ein. „Anders kam man nicht zu den Verunglückten“, erinnert sich Bernd Krause. Der Zugang zum Stollen war nach der Explosion verschüttet, also mussten wir durch die Wetterschächte. Wir gingen noch ein gutes Stück und machten uns auf die Suche nach den Verschütteten, dann schlugen die Hunde an.“

Bernd Krause und die anderen Helfer aus dem Suchtrupp fangen an zu graben in diesen unglücklichen Tagen im Juni 1988 und entdeckten die Leichen von Bergmännern. Sie sind die Opfer eines tragischen Fehlers, der erst 20 Jahre nach dem Unglück bekannt wird. Die Sprengmeister, die im Nordfeld des Abbaus sechs Ladungen zündeten, hatten nicht bedacht, dass der Sprengstoff nicht geeignet war. Die sechste Ladung zündete zudem verzögert, Kohlenstaub explodierte und verbrauchte den Sauerstoff unter Tage, das tödliche Kohlenmonoxid brachte 51 der 57 eingefahrenen Bergleute um.

Die Rettungshunde Nico, Drux und Cäsar absolvierten ihren ersten großen Einsatz ohne Angst. „Wir hatten sogar zwei Tierärzte von der Veterinärmedizin an der Uni Gießen dabei, damit unsere Hunde im Notfall gut versorgt werden können“, erinnert sich Krause an die dramatischen Tage.

Für seinen Schäferhundmischling Nico ist der Sucheinsatz nach dem Bergwerksunglück der Anfang für weitere große Aufgaben. „Wir waren wenige Monate nach dem Unglück in Nordhessen in Armenien nach einem Erdbeben im Einsatz. Dort, in der damaligen Sowjetrepublik im Kaukasus, registrierte man eines der schwersten Erdbeben des Jahrhunderts. 25 000 Menschen starben, mehr als eine Million werden obdachlos. Unsere Hunde haben damals geholfen, zwei Kinder lebend unter den Trümmern einer Stadt aufzuspüren. Das habe ich später erfahren. Wenn die Tiere anschlagen, ist unsere Arbeit meist getan, wir gehen dann weiter. Menschen zu bergen, ist dann die Aufgabe anderer Spezialisten“, erklärt Krause.

1992 schnüffelt Mischling Nico nach einem Erdbeben in der Türkei nach Überlebenden, Hunde und Helfer aus Iserlohn sind auch beim schweren Erdbeben 1985 in Mexiko dabei. „Es ist ein gutes Gefühl, ein Hobby zu haben, mit dem man Menschen das Leben retten kann“, sagt Bernd Krause.

2008 dann wird in Iserlohn als Teil der Feuerwehr die Sondereinheit Rettungshunde Ortungstechnik gegründet. Bernd Krause (55) leitet die Einheit bis heute.

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