Mobilität

41 Prozent der MVG-Flotte fährt mit der Euro-Norm 6

Gerhard Schmier, Geschäftsführer der Märkischen Verkehrsgesellschaft, referierte auf Einladung der CDU-Fraktion und des CDU-Stadtverbandes in der Volkshochschule über den öffentlichen Nahverkehr der Zukunft.

Gerhard Schmier, Geschäftsführer der Märkischen Verkehrsgesellschaft, referierte auf Einladung der CDU-Fraktion und des CDU-Stadtverbandes in der Volkshochschule über den öffentlichen Nahverkehr der Zukunft.

Foto: Michael May

Iserlohn.   MVG-Chef Gerhard Schmier fordert ein Umdenken bei öffentlichen Verkehrskonzepten der Zukunft.

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Das neue Nahverkehrszeitalter mit digitalen Entwicklungen und die Diesel-Debatte standen im Mittelpunkt eines Informationsabends zur Zukunft der Mobilität, bei dem Gerhard Schmier, Geschäftsführer der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG), auf Einladung der Iserlohner CDU in der Volkshochschule referierte.

„Mobilität ist öffentliche Grundversorgung: der ländliche Raum, der Märkische Kreis soll attraktiv bleiben“, sagte Schmier. Die steigenden Fahrgastzahlen und Angebote wie Bürgerbusse und Anruf-Linien machten deutlich, „dass wir einen Verkehrswandel brauchen“. Er forderte neue Angebote, um den Kreis attraktiv und lebenswert zu erhalten. Schmier machte zunächst eine Bestandsaufnahme: „Bereits heute haben wir unterschiedliche Angebotsformen im Kreisgebiet: Linienbusse der MVG oder der Auftragnehmer. Niederflurgelenkbusse der neuesten Generation haben 51 Sitzplätze und 96 Stehplätze, die neuen Niederflursolobusse haben 32 Sitzplätze und 64 Stehplätze, daneben gebe es Bedarfsverkehre wie die Anrufsammeltaxen, Anruflinienfahren und Bürgerbusse der zwölf Bürgerbusvereine mit Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller mit acht Sitzplätzen. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Bürger des Kreises mobil bleiben, auch ohne eigenes Auto- und der Märkische Kreis attraktiv bleibt als Wohn- und Arbeitsstandort. Dafür gilt es für unsere polyzentrische ländliche Region neue Ideen und Konzepte zu entwickeln.“

Für die solidarische Bürgerumlage wie sie die Franzosen mit ihrer Verkehrsabgabe haben, fehlten in Deutschland bisher die gesetzlichen Grundlagen.

MVG plant Ergänzung der Standard-Linien-Verkehre

MVG-Chef Schmier zeigte ein Umdenken und einen Wertewandel auf: „Mobilität bedeutet nicht mehr, ein Auto zu besitzen, sondern schnell, effizient und umweltschonend von A nach B zu kommen.“ Die MVG plane, die Standard-Linien-Verkehre um Tür-zu-Tür-Angebote zu ergänzen und beide Systeme sinnvoll zu verknüpfen: „Die individuellen Bedürfnisse unserer Bürger in unserem Flächenkreis kann man über Schwarm-Algorithmen abdecken.“ Er führte als Beispiel einen Feldversuch aus Berlin an: „,Door 2 door’ ist eine Methode zur Erfassung von Bewegungsdaten, die abgeglichen werden mit dem Ist-Angebot. Der öffentliche Personennahverkehr wird ,on demand’ per App mit Angabe von Start und Ziel bestellt, und ein Algorithmus kalkuliert die optimalen Routen für die Passagiere, ebenso den Zeitpunkt der Abholung, die Fahrtzeit und was die Fahrt kostet.“

Schmier ging auch auf die Diesel-Diskussion ein: „Ich halte den Diesel überhaupt nicht für tot. Die MVG ist seit Jahren Vorreiter in NRW bei der Jahresanschaffung von Neufahrzeugen mit der aktuell besten Diesel-Abgastechnik.“ Der MVG-Geschäftsführer betonte: „Kein Bus fährt mehr ohne Abgasreinigungssystem. Bereits 41 Prozent der Flotte fahren mit der aktuellen Euro-Norm 6.“ Bei der Elektromobilität sei China Vorbild, aber die E-Bilanz sei schlechter als bei der Nutzung von abgasoptimierten Verbrennungsmotoren.

Erst 2021/2022 werden hierzulande Elektrobusse in größeren Stückzahlen verfügbar sein und dann schrittweise Einzug auch in den Fuhrpark der MVG halten, erklärte Schmier, der die Verteufelung von Verbrennungsmotoren ablehnt. Er befürwortet Tests mit E-Bussen, insbesondere in stark belasteten Innenstadtbereichen der Großstätte. Um alle Linienbusse zu erneuern, müssten deutschlandweit jährlich 3000 Busse angeschafft werden. Dazu seien Zuschüsse in Höhe von rund 270 000 Euro pro Bus erforderlich. Er machte deutlich, dass unsere Stromversorgung zusammenbrechen würde, wenn 20 bis 30 Prozent aller Pkw in Deutschland elektrifiziert werden. Schmier: Die Zukunft der Mobilität liegt nicht darin, ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor gegen ein Fahrzeug mit E-Motor zu ersetzen.

Autonome Busse vom Bahnhof zum FH-Campus

Schwier stellte das Projekt „autonome Fahrzeuge für den ÖPNV“ im Kreis vor, das in Iserlohn angesiedelt werden soll: ein Busbetrieb zwischen Stadtbahnhof und Campus Frauenstuhlweg für Studierende und Mitarbeiter der Fachhochschule. Die Projektleitung soll die FH übernehmen, die mit den Stadtwerken, der Stadt Iserlohn und der MVG kooperiert. Es soll geprüft werden, ob dies aus dem NRW-Programm „Digitale Modell-Kommunen“ gefördert werden kann. Eine Projektskizze sei auf den Weg gebracht worden.

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