50 spannende Jahre in der Kommunalpolitik

Renate Brunswicker ist ein Urgestein der Iserlohner Christlichen Demokratischen Union seit 50 Jahren.

Renate Brunswicker ist ein Urgestein der Iserlohner Christlichen Demokratischen Union seit 50 Jahren.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.  Renate Brunswicker gewährt Einblicke in Erfolge und selbst erlebte Stadtgeschichte.

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„Insgesamt bereue ich kein Jahr“, zieht Renate Brunswicker im Gespräch mit unserer Zeitung Bilanz über ihre 50 Jahre in der Kommunalpolitik. Als sie 1969 das erste Mal für die CDU in den Iserlohner Stadtrat einzog, hätte sie sich nicht träumen lassen, ihm bis 2014 anzugehören. „Von 1994 bis 2009 war ich erste stellvertretende Bürgermeisterin und habe Iserlohnerinnen und Iserlohnern zu unzähligen 90. und 95. Geburtstagen sowie goldenen Hochzeiten gratuliert.“ Die heimatverbundene Waldstädterin hatte so viel Interesse und Freude an ihrer Arbeit im Rat der Stadt und fünf Jahre bis 2000 im NRW-Landtag, dass sie immer wieder kandidierte, um noch begonnene Projekte zu Ende und neue Ideen auf den Weg zu bringen: „So vergingen 50 Jahre, die spannend und interessant waren, oft auch anstrengend und manches Mal frustrierend“, erklärt die 78-jährige Christdemokratin in der Rückschau. Renate Brunswicker zog sich seit 2014 Stück für Stück aus der Kommunalpolitik zurück, aber nicht aus Frust: „Streit mit anderen Fraktionen hat mir nichts ausgemacht.“

„Willy Brandt wurde Bundeskanzler und das Woodstock-Festival sorgten für Schlagzeilen in dem Jahr, als der CDU-Vorsitzende Karl-Heinz Wernick mich für die Ratsarbeit gewann“, erinnert sich Renate Brunswicker an das Jahr 1969. „Ich war froh, was zu tun zu haben neben meiner Übersetzertätigkeit. Ich war damals nicht voll berufstätig“, sagt die Iserlohnerin. „Ich habe mit meiner Familie Wahlkampfbriefe geschrieben, die Adressen aller Wähler meines Wahlbezirkes recherchiert und die Wahlwerbung in die Haushalte gebracht, indem ich die Briefe unter der Haustür durchgeschoben habe.“

Sie berichtet von ihrer ersten Ratssitzung in der Pausenhalle des Gymnasiums An der Stenner, bei der es zum Eklat kam: „Die SPD hatte die absolute Mehrheit, Günther Einert wurde Oberbürgermeister, seine Stellvertreterin Annemarie Tzschachmann erhielt zu wenig Stimmen, und so wurde Helmut Lindner mit SPD-Stimmen gewählt.“ Als erste Amtshandlung erinnert sich Renate Brunswicker an ihren Einsatz für die Nutzung der Schulhöfe als Spielmöglichkeiten: „Es gab damals kaum Spielplätze. Ich konnte Baurat Brasse von meiner Idee überzeugen.“ Sie sagt rückblickend: „Die Autorität und das Fachwissen der Dezernenten im Rathaus wurden allseits anerkannt, damals hat die Politik nicht so einen starken Einfluss gehabt wie in den letzten Jahren.“

Wenn sie die Entwicklungen in Iserlohn betrachtet, wünscht sie sich die frühere Doppelspitze in der Kommunalverwaltung zurück: „Ein Chef von 1300 Leuten muss Fachmann sein.“ Brunswicker berichtet von städtebaulichen Entwicklungen: Beim Durchblättern ihrer Akten nennt sie den Abriss des Schlachthofes am Dördel und des Schillerplatzes, den Karstadtbau und 1974 die Einweihung des Rathauses, dann die Einrichtung der Berufsfeuerwehr, den Bau des Müllheizkraftwerkes. Für Ausschusssitzungen erhielt sie damals zehn Mark, 120 Mark im Monat.

Hart für den Erhalt des Alten Stadtbads gekämpft

„Es gab harte Auseinandersetzungen um die Abrisspläne für das Stadtbad. Es ist einer meiner Erfolge, dass der Seitenanbau erhalten wurde“, betont die Kommunalpolitikerin“, die nach Studienjahren in Paris und New York in der Heimat neben ihrem politischen Einsatz 20 Jahre vor Ort eine Fremdsprachenschule geführt hat. „Wir konnten den Fassadenanbau erhalten. Baurat Lösch hat das Mosaik abtragen lassen und in seinem Büro gelagert. Ein Iserlohner hat das bezahlt. Stolz ist sie auch, dass sie die Pläne für weitere Wohnbebauung im vorgelagerten Park der Villa Niebecker an der Südstraße verhindern konnte.

1969 wurde das Gartenbad eingeweiht, das in den ersten zwei Monaten 75.000 Badegäste zählte, erinnert die CDU-Politikerin anhand alter Zeitungsberichte an das Bad an der Gartenstraße, das 1999 vom neu gebauten Seilerseebad abgelöst worden ist. „Mit Fritz Fischer habe ich in unseren Fraktionen gekämpft, dass das Solebecken nach außen kommt“, nennt sie einen weiteren Erfolg im Iserlohner Stadtparlament.

Die kommunale Neuordnung im Jahr 1975 bezeichnet sie als Meilenstein in der Entwicklung Iserlohns. „Mit Sümmern gab es keine Probleme, aber mit Letmather Politikern. Es wurden sogar Rechtsanwälte eingeschaltet, aber letztlich wurde auf Beschwerden verzichtet.“ Beim Blättern in ihren Unterlagen findet sie Belege zur Wirtschaftsgeschichte: „Wir haben die Kasernen verloren und die Traditionsunternehmen Kissing & Möllmann, Vollmann & Schmelzer, Linden & Funke, Eichelberg und die Iserlohner Brauerei. Aber wir haben nach wie vor gute Firmen wie Schlüter, Medice, Stephan Witte und einige, die schon über 100 Jahre alt sind wie Sprenger, Hermann Schwerter und Sudhaus.“

Schwerpunkt ihrer Arbeit ist und war die Kulturarbeit neben den Bereichen Soziales und Schule, die sie geprägt hat, insbesondere die erfolgreich arbeitenden Kulturinstitute. Sie war lange Vorsitzende des Schulausschusses und des Kulturausschusses, dem die Unionspolitikerin immer noch angehört. Den Kauf von Barendorf, die Verlagerung des Archivs in die Alte Post und den VHS-Umzug in den Bahnhof bezeichnet sie als Glücksfälle. Die Städtepartnerschaften lagen der polyglotten Iserlohnerin ebenfalls am Herzen, besonders mit Nowotscherkassk.

35 Jahre engagierte sie sich im Aufsichtsrat der IGW, 16 Jahre als Vorsitzende. „Ich habe mehrere Geschäftsführer erlebt. Ich war zuerst die einzige Frau in diesem Gremium. Frauen haben mehr Gespür für diesen Bereich“, ist sie sicher. „Meinen größten Erfolg habe ich mit Ralph P. Oehler gehabt, als wir den Verkauf der IGW verhinderten. Ich bin froh, über die gute Entwicklung unter der Regie von Olaf Pestl.“

Zu den Höhepunkten ihrer Laufbahn zählt sie die Begegnung mit Prominenten bei den verschiedenen Campus Symposien: Lech Walesa, Kofi Annan und Tony Blair. Zu ihren Enttäuschungen gehört, dass es nicht gelungen ist, die Landesgartenschau nach Iserlohn zu holen.

Renate Brunswicker bedauert, dass etliche Führungskräfte der Stadtverwaltung oder der Töchter nicht vor Ort wohnen. „Das tut der Stadt nicht gut.“ Olaf Pestl als Geschäftsführer der IGW sei nach Iserlohn gezogen und eine rühmliche Ausnahme, lobt die Heimatfreundin seine Verbundenheit mit der Stadt.

Heute um 18 Uhr referiert Renate Brunswicker über ihr jahrzehntelanges politisches Engagement im Museum für Handwerk und Postgeschichte am Fritz Kühn-Platz. Der Eintritt ist frei.

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