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Abschied von bekannten Gewässern

Schwimmmeisterin Ute Tretschok wird vom I95-Vorstand verabschiedet. (v.li.) Hans-Jürgen Michels, Rüdiger Schilling, Ralf Brinkschulte, Hans-Georg Renzel. 

Schwimmmeisterin Ute Tretschok wird vom I95-Vorstand verabschiedet. (v.li.) Hans-Jürgen Michels, Rüdiger Schilling, Ralf Brinkschulte, Hans-Georg Renzel. 

Foto: Hendrik Schulze Zumhülsen

Iserlohn.   Nach 23 Jahren am Beckenrand ist Schluss: Ute Tretschok verlässt das Heidebad.

„Ich geh nach Ute“, können die Gäste des Heidebades ab sofort nicht mehr sagen. Die langjährige Schwimmmeisterin verlässt die Waldstadt, um ihr Glück im hessischen Weinbach zu suchen. 23 Jahre hat die 57-Jährige im Heidebad für Ordnung gesorgt, am Freitag wurde sie vom Vorstand des Schwimmvereins I95 verabschiedet. Damit geht eine Frau, die für viele Heidebad-Besucher schon fast zur Ausstattung gehörte.

Ihren Lieblingsplatz wird Ute Tretschok sicherlich vermissen. In der Mitte der Schwimmanlage, zwischen den beiden Becken saß sie an ihrem Tisch. „Da hatte ich alles im Blick“, sagt die Schwimmmeisterin. Noch mehr werden ihr aber die Menschen fehlen, die ihr immer wieder auch eine Freude gemacht haben. „Auf viele habe ich schon aufgepasst als sie ganz klein waren. Und dann ist es natürlich besonders schön, wenn sie plötzlich mit eigenen Kindern wieder auftauchen“, schwärmt sie.

Rentner verliert beim Wettrennen das Gebiss

Der Respekt ihr gegenüber wurde von einer Generation in die nächste übertragen, so hat es zumindest Ute Tretschok erlebt. Die ermahnenden Worte „Nichts Böses machen, da ist die Ute“ kamen so manchem Erwachsenen über die Lippen. Aber auch bei den Frühschwimmern, die um 6 Uhr morgens schon in das Heidebad-Wasser steigen, konnte sie sich durchsetzen. „Schwimmen, nicht quatschen“, hieß es oft. Ute Tretschok erinnert sich gerne zurück, oft mit einem Schmunzeln.

In ihrer Anfangszeit im Heidebad hat sie zum Beispiel ein besonderes Wettschwimmen zwischen zwei Senioren beobachtet. Angestachelt von ein bisschen Bier rauschten die Rentner in das Becken und wollten wissen, wer der Schnellste ist. Bald hörte Ute Tretschok aber: „Wo ift mein Gebiff?“ In der Eile des Wettstreits hatte einer der beiden seine dritten Zähne im Wasser verloren. Zum Glück gab es aber ein Wiedersehen. „Das Gebiss schwamm auf dem Wasser und wurde wiedergefunden“, erinnert sich die Schwimmmeisterin.

Es gab aber auch Momente am Beckenrand, als es heiß wurde und alles sehr schnell gehen musste. Fünf Mal hat sie mit ihrem Team einen Menschen aus dem Becken gerettet, das letzte Mal vor gut drei Jahren. Ein kleines Mädchen gelangt ohne Schwimmflügel in das Nichtschwimmerbecken und gerät unter Wasser. Die Retter sind zur Stelle, ziehen das Mädchen aus dem Wasser, Ute Tretschok leitet Wiederbelebungsmaßnahmen ein – der Kleinen geht es bald wieder besser.

„Zum Glück ist mir noch keiner ertrunken. Das braucht kein Mensch“, sagt sie und blickt dabei ernst. Alles könne man als Schwimmmeister nicht überblicken. „Das Problem ist ja: Kinder schreien nicht, wenn sie untergehen. Da muss man richtig aufpassen“, erklärt Ute Tretschok. Eine Tragödie blieb aber in 23 Jahren als Schwimmmeisterin doch nicht aus. Ein Mann hat einen Herzinfarkt in der Umkleidekabine und wird in ein Krankenhaus gebracht. Eine Woche später erfährt sie, dass der Mann gestorben ist. „Da konnte ich nichts machen“, sagt sie.

Insgesamt war es für Ute Tretschok aber eine schöne Zeit im Heidebad. Der Grund, warum sie jetzt geht, ist nachvollziehbar: Die Liebe und auch andere private Gründe ziehen sie nach Hessen zu ihrem Lebenspartner. „Dass mir das in meinem Alter noch passiert, hätte ich nicht gedacht“, sagt die 57-Jährige strahlend.

Eine Heidebad-Fliese nimmt sie mit nach Weinbach

Einen Teil des Heidebades wird sie aber bei sich behalten – und das ist buchstäblich gemeint. Zum Dank für ihren 23-jährigen Dienst am Becken hat Ralf Brinkschulte, Geschäftsführer des I95, ihr eine Fliese des Heidebades mit Unterschriften des gesamten Vorstandes überreicht. Dazu gab es noch ein Fotobuch mit schönen Momenten aus 23 Jahren. „Ute Tretschok war als Schwimmmeisterin 23 Jahren das Gesicht des Heidebades, hat das Bad geführt und geprägt“, verabschiedet sie Ralf Brinkschulte und wünscht seiner ehemaligen Schwimmmeisterin alles Gute für ihre persönliche und berufliche Zukunft. Zwar habe man mit Schwimmeisterin Sandra Dickel in den vergangenen beiden Jahren für Entlastung gesorgt, die Stelle von Ute Tretschok soll aber neu besetzt werden.

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