Abschied

Abschied von Drogentoten, Flüchtling und Millionär

Sandra Kamutzki (v. li.), Susanne Knufmann, Anita Bertelt, Mitarbeiter des Ordnungsamtes und des Hospizvereins wirkten an der Trauerfeier auf dem Hauptfriedhof mit.

Sandra Kamutzki (v. li.), Susanne Knufmann, Anita Bertelt, Mitarbeiter des Ordnungsamtes und des Hospizvereins wirkten an der Trauerfeier auf dem Hauptfriedhof mit.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.  Eine pietätvolle Abschiednahme ermöglichte der Hospizverein zusammen mit Ordnungsamt und den Kirchen von 23 Verstorbenen.

„Jeder Mensch ist wichtig“ steht auf der Schleife des Kranzes, der in der Friedhofskapelle unter einer Urne steht. Und: „Im Gedenken an alle still Bestatteten“.

Organist Joachim Noske spielt Trauermusik. Zur Trauerfeier und Erinnerung an 23 Menschen, die durch das Ordnungsamt bestattet wurden, haben sich knapp 30 Personen eingefunden.

Sie sind der gemeinsamen Einladung des ambulanten Hospizvereins Iserlohn, der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden und des Ordnungsamtes und des Bestattungshauses Bertelt gefolgt.

23 Kerzen für die 23 Verstorbenen entzündet

Für jeden Verstorbenen zünden Ordnungsamtsmitarbeiter Kerzen an. Und Mitglieder des Hospizvereins verteilen weiße Rosen an die Trauergäste. „Wir hoffen, dass die Inhalte dieser Trauerfeier diesen Menschen gerecht werden und die Anwesenden das für sich mitnehmen können, was ihren Inhalten entspricht“, sagt Britta Dilcher, Koordinatorin des Hospizvereins Iserlohn.

Gemeinsam mit den Kirchenvertreterinnen lädt sie ein zum Gebet, zur Erinnerung an die 23 Menschen, die das Ordnungsamt von März bis August bestatten ließ: Menschen im Alter zwischen 37 und 99 Jahren, neun Frauen und 14 Männer.

„Ist das Leben nicht erfolgreich gewesen, wenn wir in dieser Form bestattet werden?“ Diese rhetorische Frage stellt Diplom-Sozialarbeiterin Britta Dilcher und deutet an, dass Armut, Einsamkeit, Sucht und Krankheit eine große Rolle dabei spielen können. Auch die Unfähigkeit, Beziehungen leben zu können. Aber auch Reichtum. Der Tod dieser 23 Menschen bewegt die Trauergemeinde aus unterschiedlichen Gründen. Die anwesenden Frauen, Männer und Kinder gedenken der Friedensbewegten, aber auch dem Waffensammler, dem Millionär, dem Drogensüchtigen, dem Flüchtling und der betagten Altenheimbewohnerin, die ihre Angehörigen überlebt hat.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt“, sagt die Sprecherin des Hospizvereins weiter. Dann werden die Namen der Verstorbenen verlesen und 23 Kerzen entzündet. Nur wenige Trauergäste lassen sich ermuntern, ihre persönlichen Erinnerungen an die Verstorbenen mit den anderen zu teilen: an die Mitstreiterin in der Friedensbewegung und in der Entwicklungshilfe, an die Mitbewohnerin im Altenheim. Einigen anwesenden Sozialarbeitern ist anzumerken, dass sie ihre Erinnerungen an die Verstorbenen, ihre Schützlinge, lieber für sich behalten möchten.

Schweigend folgen sie Gemeindereferentin Susanne Knufmann vom katholischen Pastoralverbund, Krankenhausseelsorgerin Sandra Kamutzki von der evangelischen Kirche und Bestatterin Anita Bertelt zu den Stelen, wo die Bestatterin den Kranz aufbaut und weitere Gebete gesprochen werden.

Zahl ordnungsbehördlicher Bestattungen ist gestiegen

Zum Hintergrund der Sozialbestattungen: Das Ordnungsamt kümmert sich immer dann um Bestattungen, wenn Angehörige nicht vorhanden oder nicht willens sind, die Bestattung in Auftrag zu geben. Die Kosten werden dann aus dem Nachlass erstattet. Die Zahl der so genannten ordnungsbehördlichen Bestattungen ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Künftig wird das Ordnungsamt zweimal jährlich Trauerfeiern organisieren, um dieser Verstorbenen in einem würdigen Rahmen zu gedenken. Das ist am Mittwoch gelungen, wie an den Kommentaren der Angehörigen oder früheren Wegbegleiter der Verstorbenen deutlich wurde, die den Organisatoren für diese pietätvolle Abschied-Möglichkeit dankten.

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