Verkehr

Absperrung im Innenstadtbereich verschoben

igentlich sollte dieses Bild ab dem kommenden Montag Geschichte sein, die Pollereinfassungen sind bereits seit längerer Zeit installiert. Nun ist die Sperrung auf unbestimmte Zeit verschoben.

igentlich sollte dieses Bild ab dem kommenden Montag Geschichte sein, die Pollereinfassungen sind bereits seit längerer Zeit installiert. Nun ist die Sperrung auf unbestimmte Zeit verschoben.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Die für Montag angekündigte Neuregelung wurde am Freitag wegen „baurechtlicher Aspekte“ abgesagt.

Eine „verkehrliche Veränderung“ in der Iserlohner Innenstadt hatte die Stadt in einer Pressemitteilung angekündigt: Die Einfahrt in die Fußgängerzone im Bereich Wasserstraße ab der Zufahrt zur Commerzbank-Tiefgarage sollte ab Montag, 22. Juli, durch weitere Poller abgesperrt werden. Zwei Schwerbehindertenparkplätze wurden zusätzlich vor dem Altenheim St. Pankratius eingerichtet. Gestern dann hieß es überraschend: „Die von der Stadt Iserlohn für Montag, 22. Juli, angekündigte Sperrung der Einfahrt in den Bereich Wasserstraße/Zufahrt Commerzbank muss verschoben werden.“

Und weiter: „Die betroffenen Anwohner waren schriftlich über die geplante Neuregelung informiert worden. Im Zuge der Abstimmung über die Zufahrtsmöglichkeiten für die Anwohner wurden insbesondere baurechtliche Aspekte an die Verwaltung herangetragen, die noch geklärt werden müssen. Dies wird einige Zeit in Anspruch nehmen.“ Ordnungsamtsleiterin Angela Schunke erklärt auf Nachfrage: „Es geht noch um Berechtigungen für diverse Einfahrten.“

Verkehrsausschuss-Beschluss stammt von Oktober 2018

„Notwendig wurde diese Neuregelung durch eine starke Zunahme des Pkw-Verkehrs, obwohl es sich um eine Fußgängerzone handelt. Wenige vorhandene Kurzzeitparkplätze verleiten offensichtlich Autofahrer dazu, in diese Zone einzufahren, obwohl die Chance auf einen Parkplatz äußerst gering ist. Dies führt zu vielen Halteverbotsverstößen“, hieß es in der ersten Mitteilung. Bereits im Oktober 2018 hatten sich die Mitglieder des Verkehrsausschusses nach einem Antrag der Linken mit dem Problem beschäftigt. Beschlossen wurde, den Verkehr in der Innenstadt, insbesondere rund um Marktplatz und Am Dicken Turm, weitestgehend zu reduzieren.

Linken-Fraktionsgeschäftsführer Manuel Huff erklärt auf Anfrage der Heimatzeitung zur Verschiebung: „Ich bin fassungslos.“ Nach dem Beschluss vor acht Monaten sei er immer wieder, auch von Fremden, angesprochen worden, wann denn die Umsetzung anstehe. „Ich habe daraufhin in jeder Verkehrsausschuss-Sitzung nachgefragt, auch im Rathaus habe ich regelmäßig nachgehakt“, blickt Huff auf eine unendliche Geschichte zurück. „Personalprobleme“ habe er zur Antwort bekommen. Die Begründung ist für ihn ein Stück weit nachvollziehbar, war die Abteilung Verkehr zwischenzeitlich stark dezimiert. Da es sich jedoch nicht um ein riesiges Vorhaben handele, kann der Linken-Fraktionsgeschäftsführer die Erklärung dennoch nicht gelten lassen. „Wir machen uns lächerlich“, sagt er. Die Pollereinfassungen seien längst installiert, so dass auch die Realisierung längst hätte erfolgen können. „Ich hoffe, dass es nun kurzfristig gelingt“, so Huff.

Ziel sei es gewesen, die Aufenthaltsqualität der Gastronomie rund um den Marktplatz zu steigern. Kein Gast sitze gerne quasi mitten auf der Straße. Peter Stroer, Inhaber der Gaststätte „Hennes“, wollte am Montag die Sektkorken knallen lassen. „Ich bin ein ganz großer Fan“, sagt er mit Blick auf die Neuregelung. Und: „Ich warte schon seit Jahren darauf. Seit etwa 50 Jahren kämpft meine Familie dafür.“ Zunächst hätten sich Stroers, die die Immobilie Am Dicken 45 seit etwa 100 Jahren besitzen, „nur so“ um Autofreiheit bemüht, seit Eröffnung der Gaststätte umso mehr.

Häufig kam es bereits zu brenzligen Situationen

Peter Stroer hat nach eigenen Angaben schon „mehrere brenzlige Situationen“ erlebt, wenn Autofahrer den Motor laufen ließen, um „mal eben“ Geld bei der Bank abzuheben. „Weist man sie darauf hin, werden sie böse“, sagt er. Und: „Ich dachte schon so manches Mal: ,Das gibt hier gleich eine Hauerei.’“ So mancher verhalte sich „absolut rücksichtslos“, teils würde „in einem Affenzahn um die Ecke gefahren und gewendet“. Für die Außengastronomie aus Sicht des Inhabers „eine Katastrophe“. Auch wenn die Neuregelung für ihn und sein Team selbst Unannehmlichkeiten mit sich bringe, begrüßt er die Veränderung.

Anders sieht Dino Voßloh, Geschäftsführer des Medical Centers Südwestfalen, das mit dem Sanitätshaus Enneper Am Dicken Turm einen Außenstandort betreibt, die Lage. „Das ist eine bodenlose Unverschämtheit“, entfährt es ihm im Gespräch mit der Heimatzeitung. „Das wird uns richtig weh tun“, sagt er, wenn er an die vielfach „bewegungseingeschränkten Kunden“ denkt. Der Versuch, Einfluss zu nehmen, sei gescheitert. „Es wird sich zeigen, ob der Standort für uns rentabel bleibt“, blickt Voßloh wenig optimistisch in die Zukunft.

Die Stimmung von Maria Argyrokastriti, Inhaberin von „Maria’s Souvlaki-Bar“, bewegt sich seit einigen Tagen zwischen stinksauer und hoffnungslos. „Ich habe geweint, als wir das mitgeteilt bekommen haben“, gesteht sie. Denn neben der Gaststätte betreibt sie Am Dicken Turm 43 auch einen Lieferservice. Sie habe für ihr Lokal viel Geld in die Hand genommen, aber nun werde ihr „Geschäft kaputt gemacht“. Wenn Kunden nicht mehr vorfahren könnten, um Essen abzuholen, und Lieferanten, die von weit her kämen, nur noch zu eingeschränkten Zeiten kommen könnten, sieht Maria Argyrokastriti schwarz.

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