Landtagswahl

Abwehrspieler, der politisch links angreift

Manuel Huff, Direktkandidat der Partei „Die Linke“, hat den Fritz-Kühn-Platz in Iserlohn als besonderen Ort für das Kandidatenporträt gewählt.

Foto: Jörg Kleine

Manuel Huff, Direktkandidat der Partei „Die Linke“, hat den Fritz-Kühn-Platz in Iserlohn als besonderen Ort für das Kandidatenporträt gewählt. Foto: Jörg Kleine

Iserlohn.   Die Landtagskandidaten im Iserlohner Wahlkreis 121: Manuel Huff geht für „Die Linke“ ins Rennen.

„Fußball ist unser Leben“, trällerte die deutsche Nationalmannschaft zur erfolgreichen WM 1974 das sportliche Regierungsprogramm. Dem runden Leder ist auch Manuel Huff in seinem Leben als ambitionierter aktiver Kicker äußerst treu, aber sein Regierungsprogramm wird seit acht Jahren dann doch eher von der Politik geprägt: Huff (32), Student und Fraktionsgeschäftsführer der Linken im Iserlohner Stadtrat, kandidiert bei der Landtagswahl am 14. Mai.

Nach der Kommunalwahl 2009 rückte Huff als 24-Jähriger in den Iserlohner Stadtrat ein, 2014 dann parallel in den Kreistag des Märkischen Kreises – und hat dort als Fraktionsvorsitzender prompt auch die Verantwortung übernommen. „Ich war immer politisch, schon in der Schule“, erinnert sich Huff zurück. „Aber es gab lange Zeit keine Partei, die ein linkes Weltbild vermittelt“, fügt er an.

Landtagskandidat Manuel Huff im Interview

Der Direktkandidat der Partei "Die Linke" äußert sich im IKZ-Gespräch zu seinen politischen Vorstellungen.
Landtagskandidat Manuel Huff im Interview

Umwelt, Nahverkehr und soziale Gerechtigkeit

Das Weltbild hat in der Familie lange Tradition. Der Großvater war überzeugter SPD-Wähler, und auch Huffs Vater engagierte sich über Jahrzehnte bei den Sozialdemokraten. Aber für Sohn Manuel kam dies nicht in Frage: „Nein, 1998 waren wir froh, dass Helmut Kohl abgewählt wurde. Aber dann kam Helmut Kohl in Schlimm“, verweist Huff auf die Regierung des letzten SPD-Kanzlers Gerhard Schröder. Damals war Manuel Huff noch Schüler. Zwei Große Koalitionen später hat auch sein Vater der SPD entsagt – und ist mittlerweile Fraktionschef der Linken im Stadtrat von Sundern. Da hat diesmal offenbar der Sohn den Vater überzeugt.

Huffs politische Themenliste scheint derweil auf den ersten Blick vielfach mit den Grünen kongruent. Umwelt und „Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen“ sind für ihn enorm wichtig. Zugleich steht der Linken-Kandidat für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Aber schon bei Huffs Bekenntnis zu „konsequenter Friedenspolitik“ trennen sich aus seiner Sicht die Parallelen zur Öko-Partei, denn Kriegseinsätze der Bundeswehr im Ausland kommen für Huff nicht in Frage.

Und bei „sozialer Gerechtigkeit“ als wichtigster Säule in Huffs politischem Weltbild scheinen ihm die Grünen heute so fern wie Liberale oder Konservative: „Wenn ich die Taschen gut gefüllt habe und ein Hybrid-Auto in der Garage, kann ich anderen auch leicht vorwerfen, dass sie mit einer Dreckschleuder unterwegs sind“, nennt Huff als Beispiel für „Wohlstandsumweltschutz“ der für ihn allzu bürgerlich gewordenen Grünen.

Huff geht es um „Verteilungsgerechtigkeit“ in der Gesellschaft. So kommt das Treffen mit dem Landtagskandidaten zum Redaktionsgespräch am Fritz-Kühn-Platz in Iserlohn nicht von ungefähr: Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Debatten über diesen Brennpunkt und soziale Außenseiter, die sich hier tummelten. Da wirft die Linke politisch den Blick vor allem auf die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in der Gesellschaft.

Derweil ist der Linken-Kandidat Manuel Huff in soliden bürgerlichen Verhältnissen großgeworden: geboren 1984 in Menden, aufgewachsen in Balve-Beckum, protestantisch, die Eltern mit festen Jobs in der öffentlichen Verwaltung. Eine heile Welt mit damals rund 1200 Einwohnern im Dorf, Postfiliale, Sparkasse, Friseur-Salon, Tante-Emma-Laden – Schule und Kindergarten gleich um die Ecke.

Durch den Fußball nach Iserlohn

Bindungen zum Dorf wuchsen über den Fußballverein, in dem sich Manuel und seine beiden älteren Brüder mit Ehrgeiz streckten. Mit zwölf Jahren wechselte er sportlich zum damaligen SF Oestrich-Iserlohn, wo Manuel Huff als Jugendlicher in der Oberliga kickte. Auf dem Spielfeld entstand also die erste Bindung zur Stadt Iserlohn. Seine Stärken auf dem grünen Rasen liegen dabei vor allem in der Defensive. „Ich war schon immer langsam“, bekennt der passionierte Fußballer dabei schmunzelnd. Aber am Ball überzeugte er ganz offensichtlich mit Talent, und bis heute steht er aktiv auf dem Platz – seit zwei Jahren bei Menden in der Landesliga.

Beruflich brauchte Manuel Huff derweil eine Findungsphase. Mathe und Naturwissenschaften fielen ihm als Schüler leicht, deshalb studierte er nach dem Abitur zunächst Informatik an der TU Dortmund. Doch je weiter er kam, umso mehr wurde ihm bewusst: Das ist nicht seine Berufung. Weitaus mehr Freude weckte bei ihm die politische Arbeit, für die sein ehemaliger Fußballtrainer und heutiger Parteigenosse Oliver Ruhnert das Interesse weckte. So wurde Manuel Huff 2008 Mitglied bei der Linken.

Parallel zur Aufgabe als Fraktionsgeschäftsführer studiert Huff nun Politik, Verwaltungswissenschaften und Soziologie an der Fernuniversität Hagen. Die politische Arbeit nahe an den Bürgern gefällt ihm sehr: „Da gibt es oft nicht diese Konfliktlinien“ wie in der Bundespolitik, unterstreicht Huff. Im Vordergrund stehe mehr Sachpolitik, in der auch die Linke bereits etliche Punkte auf dem Konto gesammelt habe. Die stufenweise Beitragsfreiheit in Iserlohner Kindergärten nennt Huff als ein Beispiel.

Dennoch zieht es den jungen Vater langfristig auch in die höhere politische Liga: „Wenn man sich politisch engagiert, dann sind Landtag oder Bundestag sicher ein Ziel“, sagt Manuel Huff.

Für die politische Partie am 14. Mai liegt dieses Ziel wohl noch zu weit entfernt: Manuel Huff kandidiert auf Platz 26 seiner Partei – und die Linke müsste zudem erst mal den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen.

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