Iserlohn.

Alkoholverbot hinter dem Steuer

Uta von Holten und Thomas Kreklau von der Caritas-Suchtberatung wollen auf die Gefahren von Alkohol im Straßenverkehr hinweisen.

Foto: Jennifer Katz

Uta von Holten und Thomas Kreklau von der Caritas-Suchtberatung wollen auf die Gefahren von Alkohol im Straßenverkehr hinweisen. Foto: Jennifer Katz

Iserlohn.   „Volltanken? Bitte nicht mit Alkohol!“ – unter diesem Titel läuft noch bis Sonntag die Aktionswoche Alkohol der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Zum Auftakt hat Christian Kellner, Geschäftsführer des Deutschen Verkehrssicherrates, ein absolutes Alkoholverbot am Steuer gefordert.

„Volltanken? Bitte nicht mit Alkohol!“ – unter diesem Titel läuft noch bis Sonntag die Aktionswoche Alkohol der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Zum Auftakt hat Christian Kellner, Geschäftsführer des Deutschen Verkehrssicherrates, ein absolutes Alkoholverbot am Steuer gefordert.

Dem schließen sich Uta von Holten und Thomas Kreklau von der Suchtberatung des Caritasverbandes Iserlohn an. Aus der Praxis mit ihren Klienten wissen sie, dass die aktuell geltende 0,5-Promille-Grenze viele vor Probleme stellen würde. „Viele finden genau durch den Führerscheinverlust wegen Trunkenheit am Steuer erst den Weg zu uns“, sagt Uta von Holten. In den Gesprächen werde immer wieder deutlich, dass „viele die 0,5-Grenze gar nicht richtig einschätzen können“. Und sie ergänzt: „Was viele nicht wissen: Wer schon einmal auffällig gewesen ist, kann auch schon mit beispielsweise 0,2 Promille den Führerschein verlieren.“ Thomas Kreklau berichtet aus dem Alltag: „Manchmal kommen Klienten angetrunken mit dem Auto zu uns, sind sich der Gefahren für sich und andere überhaupt nicht bewusst. Oft wird das erschreckend verharmlost. Wir nehmen ihnen mittlerweile den Schlüssel ab oder rufen die Polizei, wenn sie nicht einsichtig sind.“

16 700 Verletztebei Alkoholunfällen

Uta von Holten präsentiert Zahlen: „2015 sind 256 Menschen in Deutschland durch Unfälle ums Leben gekommen, bei denen mindestens ein Beteiligter unter Alkoholeinfluss stand. 16 700 Menschen wurden bei den Alkoholunfällen verletzt.“ Bereits bei 0,5 Promille sei die Gefahr, einen Unfall zu verursachen, bereits verdoppelt, bei 0,8 Promille liegt das Risiko zweieinhalb Mal höher, und bei 1,1 Promille zehn Mal höher als nüchtern.

Fahranfänger zwischen 18 und 21 Jahren unterliegen bereits der 0,0-Promille-Grenze – sie sind relativ selten an Alkoholunfällen beteiligt, während Männer zwischen 21 und 25 Jahren häufig für die besonders schweren Fälle in diesem Bereich verantwortlich sind.

Uta von Holten erinnert sich noch sehr gut an einen jungen Mann, der mit 18 Jahren unter Alkohol- und Cannabiseinfluss auf dem Fahrrad erwischt wurde. „Auch daran denken die Wenigsten: Auch am Fahrradlenker sollte man nüchtern sein“, so Thomas Kreklau. Als der Klient dann mit 21 Jahren seinen Führerschein machen wollte, wurde ihm dies verwehrt, das Straßenverkehrsamt habe eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) verlangt. „Für den Klienten war das besonders bitter, schließlich wollte er Lkw-Fahrer werden – was er durch eisernen Willen und Sparen schließlich doch noch geschafft hat“, so die Suchtberaterin. Allerdings sei dieser junge Mann nur eines von wenigen positiven Beispielen.

Weg zur MPUmuss nicht sein

Sie und ihr Kollege unterstreichen, dass die Beratungsstelle keine MPU-Vorbereitung anbietet. „Doch oft fragen die Klienten zuerst: Ich bin erwischt worden, muss ich jetzt zur MPU?“, sagt Thomas Kreklau. Entgegen der landläufigen Meinung, dass erst bei höheren Promillewerten der Weg zur MPU droht, erinnert er daran, dass bei Wiederholungstätern auch schon geringe Werte ausreichen. „Das wird dann richtig teuer und bedeutet einen Riesen-Zeitaufwand“, erklärt Uta von Holten.

Sie und Thomas Kreklau wünschen sich neben dem absoluten Alkoholverbot hinter dem Steuer auch ein Verkaufsverbot, beispielsweise ab 22 Uhr. „Warum gibt es Alkohol an Tankstellen oder auf Raststätten? Dorthin kommt man schließlich nur mit dem Auto“, fragt Thomas Kreklau.

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