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Altstadt: Ein Parkhaus unter Strom

Thomas Junge (li.) und Thomas Haude

Thomas Junge (li.) und Thomas Haude

Foto: Michael May

Iserlohn.   An der Schlacht steht der erste Bauabschnitt vor dem Abschluss. Um künftig Korrosion zu vermeiden, kommt ein sehr spezielles Verfahren zum Einsatz.

Hochtechnologie steckt mittlerweile in Mobiltelefonen, Fahrzeugen, selbst Küchengeräten, kleinen Helferlein medizinischer Art oder einfach der persönlichen Unterhaltung dienender Natur. Weniger bekannt dürfte sein, dass „High Tech“ neuerdings auch in den Wänden von Gebäuden zu finden ist – so auch im Altstadt-Parkhaus An der Schlacht, das wie berichtet seit Oktober vergangenen Jahres umgebaut wird.

Inzwischen steht hier der erste Bauabschnitt vor dem Abschluss. „Ende Januar sollen die Arbeiten am Boden in den unteren drei Halbgeschossen abgeschlossen sein“, erklärt der verantwortliche Architekt Ralf Rubio. Danach soll es mit den oberen vieren weitergehen. Insgesamt sollen die Arbeiten möglichst nach einem Jahr, im Oktober, beendet werden.

Verfahren kommt auch bei Schiffen zum Einsatz

Bis dahin gibt es allerdings noch viel zu tun. Ein Novum für Iserlohn in Gebäuden dieser Art ist der Einsatz des sogenannten Kathodischen Korrosionsschutzes, ein Verfahren, wie es etwa auch bei Autobahnbrücken, Ölpipelines oder Schiffen angewendet wird.

Dabei wird ein speziell beschichtetes Anodengitter auf die zu schützende Oberfläche aufgebracht und anschließend mit einer 20-Millimeter-Schicht von Spritzbeton bedeckt. Strom wird über Gleichrichter in die Bewehrung eingeleitet – und so der kathodische Schutz erreicht, weil sich beispielsweise Metallionen nicht mehr aus der Struktur lösen.

Noch etwas anschaulicher ausgedrückt: Ähnlich einer Fußbodenheizung werden von Korrosion bedrohte Bauteile – vornehmlich Stützpfeiler – mit den Gittern umwickelt, die später dauerhaft unter Strom gesetzt werden. So wird Korrosion vermieden oder auch an bereits betroffenen Bauteilen ein Fortschreiten beispielsweise von Lochfraß vermieden.

Der Clou: Nur 50 Millivolt an Spannung sind nötig, um künftig Rost und Co. aufzuhalten. „Das sind maximal 100 Euro im Jahr an Kosten“, sagt Thomas Junge, Geschäftsführer bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (GfW), dem Betreiber des Parkhauses.

Wie berichtet, hatte Chloridbelastung vor allem durch Streusalze dem Anfang der 80er Jahre erbauten Parkhaus schwer zugesetzt. Im Oktober 2017 wurde dann mit der Sanierung begonnen, die rund drei Millionen Euro kosten wird.

Während dieser Zeit ist das Parkhaus für Kurzparker nicht zugänglich. Die rund 150 Dauerparker nutzen die Immobilie weiter, während der Umbau läuft. Weil Parkflächen künftig großzügiger zugeschnitten sind und ein Tank für eine Sprinkleranlage im Brandfall installiert wird, entfallen künftig gut 20 der 290 Plätze dort. Das Funktionieren des besonderen Korrosionsschutzes wird von der installierenden Firma in Zukunft per automatischen Überwachungssystem überwacht.

Stromkosten für Schutz ein echtes Schnäppchen

Die Parkflächen werden künftig grün und blau (für Sonderparker) gekennzeichnet, Wände und Decken weiß gestrichen. Das Parkhaus soll heller und freundlicher werden. „Mit der Fassade beginnen wir voraussichtlich im April“, erklärt Ralf Rubio weiter.

Als weitere Neuerung erwartet die Nutzer künftig ein zweiter Aufgang in der Mitte des Gebäudes. Die Zuwegung für den neuen Eingang, von außen gesehen links neben dem bestehenden, wird um eine alte Robinie herumgeführt, der alte Baum soll erhalten werden.

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