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An der UE geht es per Schubser in die digitale Lehre

Hallo Berlin, hallo Iserlohn: ein Bild von einem UE-Online-Workshop.

Hallo Berlin, hallo Iserlohn: ein Bild von einem UE-Online-Workshop.

Foto: Privat / IKZ

Iserlohn.  An der UE am Seilersee macht man aus der Not eine Tugend. Gelernt wird nun bis auf Weiteres online

Professor Ebbo Tücking hat den Werkzeugkasten zuhause aufgeräumt. Auch die Schubladen in der Küche sind blitzblank wie selten. „Ich freue mich jetzt wirklich auf den Semesterstart“, sagt der Marketingprofessor von der University of Applied Sciences Europe (UE) in Iserlohn, sonst droht langsam der Heimkoller.

Semesterstart ist für ihn am Mittwochmorgen pünktlich um 9.45 Uhr. Allerdings finden die Vorlesungen nicht in den Seminarräumen am Seilersee statt, denn die Hochschule ist per Anordnung aus Düsseldorf für den Besucherverkehr geschlossen- mindestens bis zum 20. April. „Wir starten komplett online – die Kurse finden in virtuellen Klassenzimmern statt.“

Der Grund ist klar: Wer zuhause sitzt, kann sich nicht infizieren und muss keinen Mundschutz tragen. Er oder sie muss allerdings wie im besonderen Falle Tückings damit umgehen lernen, dass im Nebenzimmer die neunjährigen Zwillinge mitunter mal „anfangen, sich zu kloppen“, wie der UE-Lehrende aus dem Homeoffice vermeldet. „Das wird dann zur Herausforderung.“

Zum Einsatz kommt dabei ein System namens „Teams“. So mancher Konzernmitarbeiter kennt das Programm vielleicht schon als Kollaborationsplattform zur Zusammenarbeit in Projekten. „,Teams’ wurde von Microsoft speziell für Lernumgebungen entwickelt“, sagt Tücking. Die Bereitschaft, das System anzuwenden, sei bisher mehr von den Studierenden als von den Dozenten gebremst worden.

Digital Natives sind am Anfangüberraschend skeptisch

„Die sogenannten Digital Natives sind da leider erstaunlich skeptisch. Die daddeln zwar gerne, bekommen Lerninhalte aber lieber frontal im Seminarraum präsentiert“, sagt Tücking. Nun bekomme Digitales Lernen den Schubs, für den es sonst vielleicht noch Jahrzehnte gebraucht hätte, sieht der Professor immerhin auch etwas Positives in der Krise.

Eigentlich bleibe beim digitalen Lernen auch erstmal vieles beim Alten, denn die Vorlesungen finden synchron, also in Echtzeit nach dem bestehendem Vorlesungsplan, statt. Der Dozent sitzt vor seiner Laptopkamera, die Studierenden jeweils vor ihrer eigenen. Man kann sich melden, diskutieren, austauschen, gemeinsam Gruppenarbeiten machen.

Wer etwas sagen will, öffnet sein Mikro und wird automatisch für alle sichtbar als Sprecher eingeblendet. „Das funktioniert nicht viel anders als im Seminarraum. Aber man hat viel mehr Möglichkeiten: Die Vorlesungen sind überall verfügbar, wo es ein WLAN gibt. Die Studierenden können untereinander über die Plattform chatten, ohne den Unterricht zu stören. Man kann mit Audios, Videos, Weblinks arbeiten. Auch eine kleine Umfrage ist schnell erstellt und wird automatisch ausgewertet. Hausaufgaben müssen hochgeladen werden und lassen sich viel leichter kontrollieren“, erklärt Tücking.

„Ich habe das sehr früh sehr ernst genommen“

Kleine Randnotiz: Tücking war bereits im Januar auf der „Bett Show“ in London. „Bett“ bedeutet dabei nicht, dass man zum Online-Lernen nicht mal mehr aufstehen muss, sondern steht für „British Educational Training and Technology Show“, eine Messe nur für das Online-Lernen. „Die Messe in London gibt es seit 1985. Die Möglichkeiten digitalen Lernens sind gigantisch, didaktisch vorteilhaft und machen Spaß“, sagt Tücking. So wird zumindest hier aus der Not eine Tugend.

Aktuell finden an der UE bereits mündliche Einzelprüfungen online statt, wie die große Prüfungsphase ablaufen wird, ist indes noch nicht entschieden.

Zu seinem persönlichen Befinden sagt Prof. Ebbo Tücking: „Ich habe das sehr früh sehr ernst genommen. Ich habe allerdings auch Verantwortung für meine drei Kinder zwischen neun und elf Jahren, und hier bin ich leider ganz normaler Papa mit genau den selben Alltagsproblemen, die alle Familien mit Kindern im Moment haben. Vorlesungen und Homeschooling lassen sich nur schwer gleichzeitig durchführen.“

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