Städtepartnerschaft

Anders in der Kultur, Gemeinsam im Frieden

Petra Lukoschek vom Kunstverein hielt die Eröffnungsrede für die zweitägige internationale Ausstellung „Stadtbilder“ anlässlich der Europatage. Links im Hintergrund ist ein stilisiertes Iserlohn-Panorama zu sehen, rechts das „Klöneck“.

Petra Lukoschek vom Kunstverein hielt die Eröffnungsrede für die zweitägige internationale Ausstellung „Stadtbilder“ anlässlich der Europatage. Links im Hintergrund ist ein stilisiertes Iserlohn-Panorama zu sehen, rechts das „Klöneck“.

Foto: Alexander Barth

Iserlohn.  Im Rahmen der Europatage hat Iserlohn die sich jährenden Städtepartnerschaften mit Almelo, Nyíregyháza und Chorzów gefeiert.

Knapp zehn Grad Celsius, bedeckter Himmel, Nieselschauer. Die Waldstadt zeigt sich an diesem Samstag klimatisch nicht von ihrer Schokoladenseite. Selbst in Ungarn und Polen ist das Thermometer auf 18 Grad geklettert, auch in den Niederlanden ist es trocken und drei Grad wärmer. Die Gäste aus Nyíregyháza, Chorzów und Almelo sind wegen etwas anderem gekommen. „Was eine Stadt ausmacht, sind die Menschen“, sagt Petra Lukoschek vom Kunstverein Iserlohn am Nachmittag in der Eröffnungsrede der Ausstellung „Stadtbilder“, die dem außergewöhnlichen Anlass ein kreativ-buntes Gewand verleiht: Gefeiert werden die Partnerschaften mit den drei Städten, die seit 65 (Almelo), 30 (Nyíregyháza) und 15 Jahren (Chorzów) bestehen.

Wie der stellvertretende Bürgermeister Michael Scheffler (SPD) vor den Gästen der Vernissage im Karree 38 bemerkt, kommt diesen Beziehungen „zwei Wochen vor der Europawahl eine besondere Bedeutung zu“. Ton Trienen, Vorsitzender des Almeloer Partnerschaftskomitees, warb ausdrücklich für den Wert des Austausches gerade mit Blick auf die Identitätskrise der EU: „Ich werde oft gefragt, ob Städtepartnerschaften heute noch das Richtige sind. Es ist schwieriger geworden, junge Menschen zu motivieren, aber genau das ist wichtig. Dass es Austauschprogramme wie mit dem Stenner-Gymnasium gibt, die seit 30 Jahren laufen, ist wirklich schön.“

Gàbor Sallai vom Iserlohn-Komitees in Nyíregyháza appelliert an die Europäer, Vielfalt nicht als Bedrohung zu empfinden: „In Ungarn ist vieles anders als in Deutschland. Das nichts Schlechtes, denn anders sein hat auch einen Wert. Unterschiede in der Kultur und Musik machen den Kontakt für mich erst richtig interessant.“ In der Reformierten Kirche setzt Musikschulleiter Paul Breidenstein mit dem Oratorienchor Letmathe in diesem Sinne ein Zeichen und präsentiert eine Reihe von Lieblingsstücken verschiedener europäischer Komponisten. Mit der „Messa di Gloria“ von Puccini würdigt der Chor den Austausch mit der Musikschule in Nyíregyháza, wo das Stück zuvor gemeinsam aufgeführt worden ist.

Auf dem Alten Rathausplatz können die Besucher der Innenstadt an einem Infostand mit Vertretern der Komitees in Kontakt kommen und Eindrücke von den Partnerstädten auch in Form von Broschüren mitnehmen. Wer schon immer lernen wollte, den Namen der ungarischen Stadt korrekt auszusprechen oder auf Niederländisch „Guten Tag“ zu sagen, findet hier die ideale Gelegenheit.

Martin Ossenberg, Vorsitzender der Iserlohner Werkstätten, geht im Kunstverein mit gutem Beispiel voran und grüßt seine Gäste viersprachig – dabei kommt es nicht auf Perfektion, sondern die Geste an. „Europa findet nicht in Brüssel statt, sondern an Orten wie hier“, betont er. Auch zukünftig, wenn es nach Dr. Barabás László, Komiteevorsitzender aus Nyíregyháza, geht: „Die Intensität wird nicht nachlassen, wir haben in den nächsten Jahren sehr viel vor.“ Was in Iserlohn passiert, verfolgt er über die lokale Presse – mindestens eine Ausgabe der Heimatzeitung findet täglich ihren Weg nach Ungarn. Auch das ist kultureller Austausch.

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