Landgericht

Angeklagter galt als „eigenbrötlerischer Sonderling“

Seit dem 6. Mai muss sich der 69-jährige Iserlohner, hier beim Prozessauftakt mit seinem Verteidiger Philippos Botsaris, vor dem Landgericht unter anderem wegen versuchtem Mord und Brandstiftung verantworten.

Seit dem 6. Mai muss sich der 69-jährige Iserlohner, hier beim Prozessauftakt mit seinem Verteidiger Philippos Botsaris, vor dem Landgericht unter anderem wegen versuchtem Mord und Brandstiftung verantworten.

Foto: Torsten Lehmann / IKZ

Iserlohn/Hagen.  Am zweiten Verhandlungstag des Brand-Prozesses vor dem Landgericht gab es einen ersten Einblick in die Psyche des 69-jährigen Angeklagten.

Der zweite Verhandlungstag im Prozess um den Großbrand im Wohn- und Geschäftshaus am Kurt-Schumacher-Ring 20 am 1. Dezember 2019 lieferte gestern Nachmittag einen ersten interessanten Einblick in die Persönlichkeit des 69-jährigen Iserlohners, der sich wegen versuchten Mordes in elf Fällen, schwerer Brandstiftung mit versuchter Todesfolge, Herbeiführen einer Explosion mit schwerer Folge und gefährlicher Körperverletzung vor der 4. Großen Strafkammer verantworten muss.

Er sei ein „schrulliger, eigenbrötlerischer Sonderling“, fasste eine Polizeibeamtin, die mit ihrem Kollegen in der Brandnacht als erste vor Ort war, die Gespräche mit den direkten Nachbarn zusammen. Als die Hauseigentümerin und ihr Mann, die zum Zeitpunkt der Explosion und dem Beginn des Brandes nicht in Iserlohn waren, später eintrafen, hätten sie zunächst auf Nachfrage keine mögliche Erklärung für die Ereignisse gehabt, sagte der Kollege. Auf den Hinweis aber, dass der Brand in der Wohnung des Angeklagten ausgebrochen war, hätten sie berichtet, dass es schon mal vor einiger Zeit etwas gegeben habe: „Der hat uns schon mal fast die Bude hochgejagt“, zitierte der Polizeibeamte die Eigentümerin.

Bei früherer Boiler-Reparatur Explosion ausgelöst

Seine Kollegin, die das zuvor fast wortgleich berichtet hatte, konnte sich zudem daran erinnern, dass der Mann der Eigentümerin eingeschränkt habe, dass das nicht das ganze Haus betroffen habe. Demnach hat der Angeklagte seinerzeit, anstatt auf ein Fachunternehmen zu warten, wohl in guter Absicht versucht, einen Wasserboiler in einem Abstellraum im Treppenhaus zu reparieren, der dabei jedoch explodierte, wodurch eine Waschmaschine durch die Tür und das Treppenhaus flog. Der Mann der Eigentümerin habe den Mieter „schon mehrere Jahre aus dem Haus“ haben wollen, berichtete die Polizistin, aber die Ehefrau habe „mehr das Gute im Menschen“ gesehen.

Die Polizistin war im „Riesen-Durcheinander“, das bei ihrem Eintreffen auf dem Kurt-Schumacher-Ring geherrscht habe, nach kurzer Zeit von einem Passanten auf den 69-Jährigen aufmerksam gemacht worden, der in der Nähe des Kiosks an der Ecke zum Südengraben an einer Hauswand lehnte. „Die Haare waren weggeschmurgelt, an den Händen und im Gesicht löste sich die Haut“, schilderte sie die schwersten Verletzungen, die inzwischen vor allem im Gesicht aber wieder weitestgehend verheilt sind. In dem Moment damals habe sie sich nur bestätigen lassen, dass er aus dem Haus sei, woraufhin er sagte: „Das war meine Wohnung.“ Als sie kurz darauf mit den Rettungskräften zu dem 69-Jährigen, auf den zwischendurch der Passant achtete, zurückkehrte, sei er nicht mehr ansprechbar gewesen. Der Prozess wird am 28. Mai fortgesetzt.

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