Kriminelles

Angeklagter gesteht die Vergewaltigung seiner Tochter

Zwischen diesen Aktendeckeln verbirgt sich eine Familientragödie.

Zwischen diesen Aktendeckeln verbirgt sich eine Familientragödie.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.   78-jähriger Rentner bietet 22 Jahre nach der Tat 1800 Euro als „Täter-Opfer-Ausgleich“ zur „Schadenswiedergutmachung“ an.

„Wir wollen verhindern, dass die Tochter aussagen muss.“ Richter Dr. Michael Ozimek bringt auf den Punkt, was beim Auftakt des Vergewaltigungsprozesses gegen einen 78-jähigen Mann mit den Verfahrensbeteiligten abgesprochen worden ist. Beim Fortsetzungstermin vor dem Amtsgericht kam es am Freitag zu juristischen Auseinandersetzungen zwischen Verteidigung und Nebenklage, so dass der Prozess jetzt noch in eine Verlängerung gehen wird – mit einem Sondertermin am heutigen Dienstagabend.

Nachdem der Rentner die Vergewaltigung seiner Tochter in bisherigen Vernehmungen bei der Polizei und vor dem Haftrichter immer wieder abgestritten hatte, ließ er jetzt vor dem Schöffengericht über seinen Verteidiger Andreas Trode ein ganz knappes Geständnis abgeben: „Die Anklage ist richtig. Er will an die Geschädigte 50 Euro im Monat zahlen und das über drei Jahre.“ Der 78-Jährige nickte bestätigend. Die ratenweise Zahlung von 1800 Euro soll eine Wiedergutmachung sein für die Vergewaltigung der Tochter vor 22 Jahren.

Das Opfer war damals 24 Jahre, ihr Vater 56 Jahre alt. Weitere Fälle seien jedoch verjährt. Seine Tochter hatte ihn erst 2011 angezeigt.

Diese kurze Erklärung reichte dem Vertreter des Opfers nicht aus: „Diese Vergewaltigung war nur die Spitze des Eisberges. Das ging über Jahrzehnte so, schon seit Grundschulzeiten gab es Misshandlungen, auch wenn sie verjährt sind. Da reicht es nicht, dass er seinen Verteidiger eine kurze Erklärung vorbringen lässt.“ Bei der Strafzumessung sei sein Verhalten maßgeblich: „Das Mindeste ist, dass der Angeklagte selber aussagt und ernsthaftes Bemühen und echte Reue erkennen lässt.“ Der Angeklagte hätte in den drei Wochen seit Prozessauftakt bis jetzt nicht mal eine schriftliche Erklärung abgegeben.

Angeklagter hatte 22 Jahre Zeit, über Tat nachzudenken

Richter Dr. Michael Ozimek hakte nach: „Sie hatten 22 Jahre Zeit, über diese Tat nachzudenken, wie stehen Sie heute dazu?“ Der seit Anfang des Jahres in Untersuchungshaft sitzende Spanier, der von der spanischen Polizei an die deutsche Justiz ausgeliefert worden war, erklärte: „Es tut mir leid.“ Ob er erklären könne, warum es passiert sei, wollte der Richter wissen. „Ich weiß es nicht“, übersetzte die Dolmetscherin aus dem Spanischen.

„Haben Sie mal überlegt, ob Sie Ihrer Tochter sagen, dass Sie es bedauern?“ Kopfschütteln beim Angeklagten: „Ich war bei ihr zu Haus, sie war auch bei uns. Es war aber nie die Möglichkeit, darüber zu sprechen.“

Der Richter fragte nach: „Haben Sie es nicht versucht?“ Der Mann antwortete: „Wenn meine Tochter irgend etwas in der Richtung erwartet hätte, hätte ich sie um Verzeihung gebeten. Eigentlich hatten wir ein ganz gutes Verhältnis.“ Der Richter wollte weiter wissen: „Wäre es nicht Ihre Pflicht gewesen, sie darauf anzusprechen?“ Der Verteidiger erläuterte: „Er stammt aus einfachen Verhältnissen.“ Wie er die Tat bewertet, wollte der Richter weiter wissen: „Es ist eine fürchterliche Sache.“ Wenn er die Zeit nochmal zurückdrehen könnte, würde so was nicht nochmal passieren. „Ich habe viel darüber nachgedacht und bereue es.“ Der Richter fragte: „Wenn Ihre Tochter im Saal wäre, was würden Sie ihr sagen?“ Der alte Mann antwortete: „Dass ich keine Worte habe, sie um Verzeihung zu bitten und dass es mir leid tut.“

Verjährte Dinge kommen bislang nicht zur Sprache

„Der eigentliche Knackpunkt ist, was er gesteht“, fasst Staatsanwältin Ina Pavel den bisherigen Verfahrensstand zusammen. „Es geht nicht allein um Täter-Opfer-Ausgleich. Es geht um ein umfassendes Geständnis, bei dem auch verjährte Dinge zur Sprache kommen.“ Das würde das Bild abrunden und zeigen, dass sein Geständnis von echter Reue getragen sei und er sich mit der Vergangenheit auseinandergesetzt habe.

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