Gericht

Angeklagter: „Ich habe die Angst in ihren Augen gesehen“

Iserlohn/Hagen.   36-jähriger Iserlohner muss sich vor dem Landgericht Hagen wegen schweren Raubs und zwei Diebstählen verantworten

Mit seiner Schlagzahl an Diebstählen und Einbrüchen hatte ein heute 36-jähriger Iserlohner über lange Jahre hinweg das Zeug, zu einem Alptraum des heimischen Einzelhandels zu werden: Vor allem auf Zigaretten, Kleidung, Nahrungsmittel und teure Parfums hatte er es in Kiosken, Parfümerien, Supermärkten und im Karstadt-Warenhaus immer wieder abgesehen. Unermüdlich verurteilte ihn das Amtsgericht Iserlohn zu vollstreckbaren Haftstrafen. Aussichten, dass der drogenabhängige Mann eine Bewährungszeit durchstehen könne, gab es nicht mehr. 2014 schätzte das Amtsgericht seinen täglichen Finanzbedarf für Drogen auf 500 Euro. Im Landgericht Hagen berichtete der 36-Jährige gestern von seinem massiven Missbrauch: „Heroin macht ruhig und gleichgültig, Kokain putscht auf.“ Gleich danach lieferte der recht aufgeräumt aus der aktuellen Untersuchungshaft gekommene Angeklagte einen Exkurs zum Thema „Entzugserscheinungen“, sprach von Erbrechen und massiven Knochenschmerzen: „Mit den Jahren ist der Entzug immer schlimmer geworden.“ Eine derart krisenhafte Situation drohte offenbar, als er am 20. September 2017 kurz vor Ladenschluss ein Kosmetik-Geschäft in Iserlohn betrat und mit dem Hinweis auf ein aus seiner Kleidung ragendes Sägeblatt die Öffnung der Kasse verlangte. „Wenn irgendjemand mit einer Waffe vor mir steht und es bedrohlich wird, mache ich natürlich die Kasse auf“, erklärte das 27-jährige Opfer des Überfalls im Landgericht. Der Täter schnappte sich 190 Euro und entschuldigte sich. Die Zeugin erinnerte sich an die Worte: „Tut mir leid, Mädchen!“ Diese Szene hatte der Angeklagte in seinem umfassenden Geständnis zuvor ebenfalls schon geschildert: „Ich habe die Angst in ihren Augen gesehen. Es hat mir so leid getan.“ Davon konnte sich die Zeugin wenig kaufen: Sie sei ängstlicher geworden seit dem Überfall und schließe auch tagsüber mal die Ladentür.

Zwei weitere Diebstähle am gleichen Tag

Ohne Waffe betrat der Angeklagte ebenfalls am 20. September ein Tabakgeschäft am Bahnhof, griff sich Zigaretten im Wert von 70 Euro und spazierte wieder hinaus. Einen weiteren Diebstahl beging der 36-Jährige in einem Rewe-Markt, wo er Nahrungsmittel im Wert von gut 24 Euro mitgehen lassen wollte. Weil er einen Mitarbeiter des Marktes, der ihn aufhalten wollte, mit einer erhobenen Bierflasche bedrohte, wurde dies als „räuberischer“ Diebstahl angeklagt. Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz zeigte sich skeptisch, ob dieser Vorwurf Bestand haben werde. In Summe wären dann ein schwerer Raub und zwei Diebstähle abzuurteilen. Die Staatsanwältin gab einen ersten Hinweis auf ihren möglichen Strafantrag: vier Jahre. Unter anderem, weil der Angeklagte zehn einschlägige Vorstrafen mit vielen Einzeltaten auf dem Konto hat.

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