Kriminelles

Angeklagter offenbart keine echte Reue

Als Vorsitzender Richter des Schöffengerichts Iserlohn verurteilte Dr. Michael Ozimek einen 78-jährigen Rentner wegen der Vergewaltigung der Tochter zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. 

Foto: Cornelia Merkel

Als Vorsitzender Richter des Schöffengerichts Iserlohn verurteilte Dr. Michael Ozimek einen 78-jährigen Rentner wegen der Vergewaltigung der Tochter zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. 

Iserlohn.   Das Schöffengericht verurteilte 78-jährigen Rentner wegen Vergewaltigung der Tochter zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten.

Rolle rückwärts: „Alles gelogen, ich habe nie die Hand gegen meine Tochter erhoben.“ Mit diesen Worten widerrief ein 78-jähriger Angeklagter am Dienstagabend sein karges Geständnis. Sein Anwalt Andreas Trode schaute ungläubig zu seinem Mandanten, der entgegen der Absprache zum Finale ausgeschert war. Eine überraschende Wende in dem Anfang Juni begonnenen Vergewaltigungsprozess vor dem Schöffengericht, in dem der Angeklagte zuvor erklärt hatte: „Es tut mir leid, was ich meiner Tochter angetan habe.“

Vor dem Schöffengericht hatte sich der Senior am vergangenen Freitag über seinen Verteidiger erstmals zu den Vorwürfen bekannt: Demnach hatte er seine Tochter im Sommer 1996 in einer Iserlohner Wohnung vergewaltigt. Die damals 24-jährige Tochter hatte Hämatome und Würgemale davongetragen. Erst im Jahr 2011 hatte sie den Fall zur Anzeige gegen den Vater gebracht, der mittlerweile seinen Ruhestand in Spanien verlebt.

„In ihrem Schlusswort haben Sie alles zunichte gemacht“, bilanzierte Dr. Michael Ozimek die emotionale Wende bei dem Angeklagten. „Sie haben offenbart, dass sie keine Bereitschaft haben, sich mit der Tat und der Schuld auseinanderzusetzen und Verantwortung dafür zu übernehmen.“

Das Schöffengericht verurteilte den Rentner zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Damit lag das Gericht über dem Antrag der Staatsanwältin Ina Pavel, die ebenso wie der Verteidiger Andreas Trode eine zweijährige Bewährungsstrafe für schuldangemessen hielt. Mit Hinweis auf das hohe Alter des Angeklagten, der zuvor weder in Deutschland noch in Spanien strafrechtlich in Erscheinung getreten war, stellte die Anklagevertreterin dem Mann auch eine positive Sozialprognose: Von ihm gehe keine Wiederholungsgefahr aus. Mit Blick auf die Untersuchungshaft sprach sie sich dafür aus, den Haftbefehl aufzuheben. Dem schloss sich der Verteidiger an.

Rentner am Altersruhesitz Córdoba festgenommen

Der Mann war Anfang des Jahres per internationalem Haftbefehl aus seinem Altersruhesitz in Córdoba von der spanischen Justiz nach Deutschland überstellt worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Das Gericht erließ den Beschluss, den Haftbefehl aufrecht zu erhalten. Dr. Ozimek begründete das mit Fluchtgefahr. Der Angeklagte muss außerdem die Kosten des Verfahrens und der Nebenklägerin zahlen.

Der Anwalt des Opfers hatte eine dreijährige Haftstrafe gefordert. Dr. Frank Nobis kritisierte, dass der Angeklagte spät und erst auf massive Intervention des Gerichtes über seinen Anwalt ausgesagt hatte. „Als er seine Felle wegschwimmen sah, kamen nur Lippenbekenntnisse.“ Dr. Nobis vermisste ein ernsthaftes Bemühen um Wiedergutmachung. Die vom Angeklagten in Aussicht gestellten 1800 Euro seien „nicht ausreichend für die jahrzehntelangen massiven Vergewaltigungen der Tochter, die in einem Abhängigkeitsverhältnis stand. Sie hat jahrelang gelitten.“ Der Vertreter des Opfers kündigte weitere zivilrechtliche Schritte an. Mit seinem Antrag, die Vermögensverhältnisse des seit elf Jahren wieder in Spanien lebenden Mannes klären lassen, kam Dr. Nobis allerdings nicht durch.

Dem Opfer blieb es durch das anfängliche Geständnis, das der Angeklagte ja erst vor der Urteilsverkündung widerrufen hatte, erspart, vor Gericht zu erscheinen, und zu der Vergewaltigung vor 22 Jahren aussagen zu müssen. Ihr sichtlich bewegter Ehemann verfolgte das Urteil mit Genugtuung.

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