Letmathe. Schulsozialarbeiterin Kornelia Hofmann ist Ansprechpartnerin für Schüler, Lehrer und Eltern. Warum Rektorin Swoboda sie nicht missen möchte.

Ist es einzelner Streit zwischen den Schülern oder steckt System dahinter? Dieser Frage nachzugehen, ist nur eine der vielfältigen Aufgaben der Schulsozialarbeiterin an der Realschule Letmathe.

Ärgern, zanken oder doch Mobbing?

Wenn Schuleiterin Anja Swoboda über die Schulsozialarbeit berichtet, wird schnell klar: Für die Rektorin ist diese Einrichtung ein Segen. In gleich mehrfacher Hinsicht. Zum einen ist das Leben auch für die Schülerinnen und Schüler komplizierter geworden; die Digitalisierung mit einer Erreichbarkeit rund um die Uhr – sofern gewünscht – hat seine Vor-, aber eben auch seine Nachteile. Stichwort Mobbing. „Der Begriff wird heute teils fast inflationär verwendet“, urteilt Anja Swoboda: Häufig ist es ein Ärgern, ein Zanken unter den Kindern und Jugendlichen. Aber eben nicht immer. Wenn die Auseinandersetzung fortgeführt wird, womöglich auch in Gruppennachrichten von Chatprogrammen, dann kann es schnell zum Mobbing werden.

Sie kennt die Kinder und Jugendlichen sehr gut.
Anja Swoboda - Rektorin der Realschule über Schulsozialarbeiterin Kornelia Hofmann

„Unsere Schulsozialarbeiterin ist extrem hilfreich, um solche Konflikte aufzulösen“, sagt Anja Swoboda über die Schulsozialarbeiterin Kornelia Hofmann. Denn: „Sie kennt die Kinder und Jugendlichen sehr gut.“ Das liegt am Konzept, das der Schulsozialarbeit an der Realschule zugrunde liegt.

Zu diesem Konzept gehört in den 5. und 6. Klassen pro Woche eine Stunde „Soziales Lernen“; diesen Unterricht gestalten die Klassenlehrerin oder -lehrer und Kornelia Hofmann zusammen. „Es geht dabei darum, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, Regeln einzuüben und Probleme an- und zu besprechen“, erläutert Anja Swoboda. Das Ziel: Dass die aus den verschiedenen Grundschulen in Iserlohn, aber auch aus der Nachbargemeinde Nachrodt-Wiblingwerde, aus Altena und vereinzelt auch aus Hohenlimburg, zusammengekommen Schüler in der jeweiligen Klasse zu einer Klassengemeinschaft zusammenwachsen.

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Außerhalb des Unterrichts begleitet Kornelia Hofmann die Klassenfahrten der Jahrgangsstufen 5 und 7. So lernt sie die Kinder und Jugendlichen auch abseits des Klassenraums gut kennen und kann sie in ihrer Entwicklung und Persönlichkeit einschätzen. Anja Swoboda schätzt dieses Wissen ihrer Schulsozialarbeiterin, wenn es um die Konflktlösung geht und eventuell auch Gespräche mit Eltern geführt werden müssen. Die Schulsozialarbeiterin mache notfalls auch Hausbesuche. Etwa wenn ein Schüler mehrere Tage fehlt, und die Eltern auch telefonisch nicht erreichbar sind.. Dabei kann es auch um die Beratung von Eltern gehen, wenn die mit ihrem Nachwuchs nicht mehr weiter wissen.

Über dem Eingang zu Kornelia Hofmanns Büro steht ein Tretauto mit der Aufschrift „Feuerwehr“. Schüler haben es der Sozialarbeiterin als Dankeschön geschenkt.
Über dem Eingang zu Kornelia Hofmanns Büro steht ein Tretauto mit der Aufschrift „Feuerwehr“. Schüler haben es der Sozialarbeiterin als Dankeschön geschenkt. © IKZ | Carsten Menzel

Zum anderen hat sich auch der Arbeitsalltag der Lehrerinnen und Lehrer verändert. „Die Verwaltungsarbeit für hat deutlich zugenommen“, sagt die Schulleiterin. Das gehe zu Lasten der Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern oder deren Eltern. Genau diese Lücke schließe jetzt die Schulsozialarbeiterin.

Zum Konzept der Realschule gehört auch, dass Kornelia Hofmann ihr Büro mit Chill-Ecke samt Sofa und einen Besprechungsraum nicht im Schulgebäude, sondern in einem Pavillon daneben hat. So wird auch räumlich deutlich, dass sie zwar zur Schule gehört, aber eine andere Rolle hat als die Lehrerinnen und Lehrer. Über dem Eingang zum Pavillon von Kornelia Hofmann steht ein Kinder-Tretauto mit der Aufschrift „Feuerwehr“ auf dem Vordach. Ein Geschenk von Schülerinnen und Schülern an die Sozialarbeiterin, deren Arbeit sie offenbar als Hilfe in der Not wahrgenommen haben. Eine Hilfe jedenfalls, die ankommt.

„Vielleicht hätte es schon früher eine Schulsozialarbeit gebraucht“, sagt Schulleiterin Swoboda nachdenklich, „aber das war da noch nicht so im Blick“. Heute möchte sie die Unterstützung nicht mehr missen.