Klimaschutz

Auf dem Weg zum Aussterben

Die Anwesenden diskutieren gemeinsam ihre Sorgen und Ängste bezüglich des Klimawandels. Besonders wichtig sei für XR die Achtsamkeit, also die eigenen Gefühle zuzulassen und zu respektieren.

Die Anwesenden diskutieren gemeinsam ihre Sorgen und Ängste bezüglich des Klimawandels. Besonders wichtig sei für XR die Achtsamkeit, also die eigenen Gefühle zuzulassen und zu respektieren.

Foto: Michael May / IKZ

Iserlohn.  „Extinction Rebellion“ veranstaltete Freitag ihren ersten Vortrag vor Ort. Inhalt: harte Fakten zur Klimakatastrophe und Möglichkeiten zu handeln

Die Regierungen müssen die volle Wahrheit über die ökologische Krise offenlegen, bis 2025 die Treibhausgase auf null reduziert und wirksame Maßnahmen gegen das Artensterben ergriffen werden. Jeder soll mitentscheiden können und Bürgerversammlungen überwachen die Maßnahmen zum Schutz des Klimas.

Diese weitgreifenden, radikalen Forderungen sind die Basis der Bewegung „Extinction Rebellion“, kurz XR, um die Klimakatastrophe zu verhindern: „Alles was bis jetzt versucht wurde, hat nicht funktioniert. Jetzt starten wir einen Versuch auf unsere Weise, denn es muss etwas passieren. Die von der Regierung gesteckten Ziele können uns nicht mehr retten.“ Das ist das Fazit, das Iris Simmler und Aaron Schmied von „Extinction Rebellion“ der neugegründeten Iserlohner Ortsgruppe mit in ihre Rebellion gegen das Aussterben der Arten – wie der Name der Bewegung übersetzt lautet – geben.

Aktionen sollen immer friedlich und gewaltfrei sein

In einem rund zweistündigen Vortrag berichten sie den über 30 Interessierten zunächst von den Fakten rund um Klimawandel, ökologische Krise und das Aussterben von Tieren und Pflanzen.

Umso länger die beiden Klimaaktivisten sprechen, umso tiefer sinken die Gesichtszüge der Zuhörer und umso öfter ist ein erschrockenes „Oh mein Gott“ zu hören. „Natürlich wissen wir alle, dass hier gerade ordentlich was schiefläuft. Aber wenn man dann all diese Fakten gebündelt wahrnimmt, dann schlägt das ein wie eine Bombe. Es ist okay, wenn ihr Euch jetzt nicht gut fühlt. Sprecht darüber und gebt diesen Gefühlen und Gedanken Raum“, rät Aaron den Anwesenden.

Das ist auch die Basis der Bewegung: Achtsamkeit und ein gesundes Miteinander, jeder achtet auf jeden. Und besonders wichtig sei es, dass die geplanten Aktionen immer Spaß machen sollen, friedlich und gewaltfrei sind. „Unsere Prämisse ist immer, dass es schwangerentauglich sein soll“, berichtet der 32-Jährige Robin Grimm, Mitbegründer der Iserlohner Ortsgruppe. Jan Glasmeyer (37) und Brigitte Pusch-Kovacs (65) stehen an seiner Seite und sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass XR an diesem Freitag zu seinem ersten sogenannten „Talk“ in Iserlohn einlädt.

So unterschiedlich die Besucher der Veranstaltung sind, so verschieden sind auch ihre Motivationen dafür, sich der Bewegung anzuschließen, die mit gewaltfreien zivilem Ungehorsam die Regierungen zum Ausrufen des Klimanotstandes bewegen will. „Ich habe einen kleinen Sohn und frage mich immer wieder, wie sein Leben in 20 Jahren aussehen soll. Da kann ich einfach nicht untätig bleiben“, beschreibt Grimm.

XR wählt radikalere Wege als Fridays for Future

Auf der Suche nach Möglichkeiten, sich zu engagieren, besuchte er gemeinsam mit seiner Familie ein Treffen von Fridays for Future. „Da haben wir uns einfach nicht wohlgefühlt, wir haben echt den Altersdurchschnitt gehoben“, berichtet er.

Auf den ersten Blick sind die Ziele der beiden Klimabewegungen natürlich ähnlich, doch die gewählten Wege, diese zu erreichen, sind doch sehr verschieden. „Unsere Aktionen, zum Beispiel Die-Ins und Blockaden, sollen Aufmerksamkeit generieren. Wenn die friedlichen Demonstranten von der Polizei weggetragen werden, dann ergibt das interessante Bilder. Und die werden von den Medien und dadurch auch den Menschen wahrgenommen“, erklärt Brigitte Pusch-Kovacs die Notwendigkeit des zivilen Ungehorsams. Jan Glasmeyer ergänzt abschließend: „Die Leute sollen sich fragen, wieso riskiert die Person es, festgenommen zu werden. Und die Antwort ist einfach: Wir haben einfach keine Zeit mehr!“

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