Schätztag

Auf der Suche nach dem verborgenen Schatz

Ansturm auf die Schätz-Experten im Gutenbergzimmer des Wichelhovenhauses. Vor allem „80-Euro-Waldi“ war ein begehrtes Ziel.

Ansturm auf die Schätz-Experten im Gutenbergzimmer des Wichelhovenhauses. Vor allem „80-Euro-Waldi“ war ein begehrtes Ziel.

Foto: Emily Karacic

Iserlohn.   Riesiger Andrang im Wichelhovenhaus: Die Experten von „Bares für Rares“ bewegen die Massen.

Jedes mal aufs Neue lag diese Spannung in der Luft, dieser kurze Moment, in dem die Besucher mit erwartungsvollem Strahlen ihre Schätze vorzeigten. Sollte diese Sammeltasse nicht doch ein seltenes Unikat sein, das alte Bügeleisen von Uroma nicht doch eine fast ausgestorbene Rarität, für die echte Sammler richtig Scheine hinblättern, oder der olle Schinken vom Dachboden vielleicht doch ein kostbares Original eines alten Meisters?

Schätztag

Riesiger Andrang im Wichelhovenhaus: Die Experten von „Bares für Rares“ bewegen die Massen.
Schätztag

Viele hundert Mal war das am Samstag im Wichelhovenhaus beim ersten Iserlohner Schätztag zu erleben, bei dem auf Einladung des Iserlohner Kreisanzeigers die aus der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ bekannten Experten vor Ort waren. Walter Lehnertz (Antiquitäten aller Art), Detlev Kümmel (Kunst) und Elke Velten-Tönnies (Schmuck) nahmen sich den ganzen Tag Zeit, um die gesammelten Iserlohner Schätze zu begutachten.

Um es vorweg zu nehmen: Der ganz große Wurf war nicht dabei. Auch nicht bei Karina Puppel und Stefan Grote, die auf einem Bild aus dem elterlichen Schlafzimmer die verheißungsvolle Signatur Bonnard entdeckt hatten – ein Original des französischen Malers Pierre Bonnard? Ein Millionenfund, der alle Sorgen in Nullkommanichts vertreibt? Detlev Kümmel erkannte tatsächlich ein Originalbild – allerdings nicht von Pierre Bonnard, sondern von irgendeinem anderen Bonnard. „Dann müssen wir halt weiter Spaghetti essen“, sagte Stefan Grote lachend.

Keine ganz großen Würfe also. Und doch war am Ende niemand wirklich enttäuscht, viel zu groß war der Spaß, den alle an diesem Tag hatten. Wobei Antiquitäten ja im Grunde nichts Neues sind. Und auch Experten, die sie bewerten und aufkaufen, gab es schon immer. Und doch ist die Jagd nach dem verborgenen Schatz zu einem nur schwer zu fassenden Phänomen geworden, das die Massen bewegt.

Unfassbarer Andrangim Wichelhovenhaus

Am Samstag sah das so aus: Um kurz nach 9 Uhr waren schon die ersten da, eine Stunde später reichte die Schlange schon den Theodor-Heuss-Ring hinauf. Und als um 11 Uhr die Absperrungen in der Eingangshalle fielen, glich das komplette Wichelhovenhaus einer Bahnhofshalle zu schlimmsten Fluchtzeiten. Hunderte Leser waren gekommen mit Koffern, Tragetaschen, Tüten und Wäschekörben voller alter Sachen aus Kellern, Truhen und Regalen, um sie den Fernseh-Profis vorzulegen. „Nur“ etwa 300 Besucher konnten eine Nummer für eine der drei Schätzstationen, die sechs Stunden lang geöffnet waren, ergattern. Viele mussten unverrichteter Dinge wieder gehen. Und die Organisatoren vom IKZ und die Helferinnen vom „Schmückenden Beiwerk“, die für Kaffee und Kuchen sorgten, hatten angesichts des Spektakels schnell Schweißperlen auf der Stirn.

„Bei mir sieht das jedes Wochenende so aus“, sagt Walter Lehnertz hingegen unbeeindruckt. Lehnertz hat einen Antiquitätenhandel in der Eifel, vor allem ist er aber über „Bares für Rares“ als „80-Euro-Waldi“ einem Millionenpublikum bekannt geworden – ein Sympathieträger mit Kultstatus, der alle weiblichen Besucher „Engelchen“ nennt und für das gemeinsame Foto auf den Schoß nimmt. Und der sich inzwischen schon vier Reisebusse angeschafft hat, um seine Fans und ihre alten Schätzchen aus ganz Deutschland in die Eifel zu karren.

In der enormen Beliebtheit der Fernsehsendung ist dann wohl auch die eigentliche Erklärung für den unfassbaren Andrang am Samstag zu suchen. „,Bares für Rares’ hat Antiquitäten wieder gesellschaftsfähig gemacht“, erklärt Walter Lehnertz das Phänomen. Die Sendung habe Millionen von Menschen zu kleinen Experten gemacht, die nun nicht nur die eigenen Familienschätze taxieren, sondern auch gezielt und gut geschult auf Flohmärkte gehen. Eine Art neuer Volkssport, der – und das sei das besonders schöne daran – alle Schichten vereint. Jeder habe irgendetwas im Schrank, von dem er meint, dass es etwas Wert sei, aber nicht weiß wie viel – ob Millionär oder die Oma mit kleiner Rente.

„80-Euro-Waldi“ ist der Star des Tages

Und solche Typen wie „80-Euro-Waldi“, die Dönekes erzählen, Spaß mit den Besuchern machen und zu echten Stars geworden sind, befeuern das natürlich. Auch am Samstag war das so: Während die beiden Spezialisten für Kunst und Schmuck ihre Prüfutensilien vor sich aufbauten – etwa eine Schwarzlicht-Leuchte, um Retuschierungen auf Gemälden zu erkennen, oder spezielle Säuren, um die Legierungen von Schmuckstücken genau bestimmen zu können – holte Waldi nur seine Fan-Artikel raus – allen voran seinen begehrten 80-Euro-Schein als Autogrammkarte. Und viele sind nur gekommen, um diesen Mann mal hautnah in Aktion zu erleben.

Und dann ging’s los wie auf dem Basar. „Die Leute haben inzwischen riesiges Vertrauen in uns“, sagt Walter Lehnertz. „Bares für Rares“ habe nicht nur ihn und die übrigen Experten ungemein populär gemacht, sondern auch ihren Ruf als seriöse Händler, die niemanden böswillig über den Tisch ziehen, erhärtet. Nur eben Geld verdienen müsse er trotzdem mit dem An- und Verkauf.

Das Preisgefälle kann dabei schon mal beträchtlich sein. Bernhard Lohmann etwa kam mit einem schmucken Kronleuchter zu Waldi, der dann auch unumwunden einräumte, dass so ein „Prügel“, wie er sagt, prinzipiell 2500 Euro wert sei. Realistisch werde am Ende aber niemand mehr als 600 bis 700 Euro dafür ausgeben.

Und weil er selbst, als auch ein möglicher weiterer Zwischenhändler ja auch noch verdienen wollen, würde er nicht mehr als 250 Euro bieten. Für Bernhard Lohmann kein Problem. „Ich hatte schon mal versucht den Kronleuchter zu verkaufen“, sagt der 40-jährige Iserlohner – allerdings erfolglos. Nun habe das Riesending ein Jahr im Keller gelegen – und nebenbei: „Ich habe ihn für 100 Euro gekauft“.

1261 Euro für Pfadfinder und Kinderlobby

Für jede Expertise haben die Besucher einen Betrag ins Spendensparschwein gesteckt. 811 Euro kamen so zusammen.

Auch das „schmückende Beiwerk“ hat an der Kuchentheke 450 Euro für den Guten Zweck eingenommen.

Der Erlös geht zu gleichen Teilen an die Kinderlobby und die Pfadfinder Ring Florian Geyer.

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